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Festtag in Heidenheim: Das Kloster wurde eingeweiht

Große Gästeschar kam zum Festgottesdienst ins Münster - Heller Klosterladen - 10.03.2019 15:51 Uhr

Noch ist die Klosterpforte geschlossen, doch Architekt Hans-Heinrich Häffner hat für Dekan Klaus Kuhn zwei Schlüssel dabei: ein Exemplar aus Metall und eines aus Brotteig, natürlich samt dem obligatorischen Salz. © Marianne Natalis


Zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Behörden und nicht zuletzt des kirchlichen Lebens, Gäste von Bremen bis aus Österreich, aber auch sehr viele Heidenheimer wollten diesem bedeutenden Moment beiwohnen, längst nicht alle, die am Samstagnachmittag zum ökumenischen Festgottesdienst ins Münster strömten, fanden dort auch einen Sitzplatz. Punkt 14 Uhr zogen die Ansbacher Regionalbischöfin Gisela Bornowski und der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, angeführt von den beiden Heidenheimer Dekanen, dem Ehepaar Annette und Klaus Kuhn, unter feierlichem Glockengeläut in das Gotteshaus ein.

Bischof Hanke stellte das Gleichnis vom Zöllner Zachäus in den Mittelpunkt seiner Predigt. Ausgerechnet diesen moralisch zweifelhaften und gesellschaftlich geächteten Mann sprach Jesus beim Einzug in die Stadt persönlich an und ließ sich in seinem Haus bewirten. Zachäus war, so steht es im Lukas-Evangelium geschrieben, ein kleiner Mann. Um freie Sicht auf Jesus zu erhalten, kletterte er deshalb auf einen Baum. Die Sehnsucht nach einem unverstellten Blick, die Suche nach Christus ist denn auch eine wichtige Antriebsfeder der Benediktinermönche – zur Zeit des Klosters Heidenheim vor 1200 Jahren ebenso noch heute etwa in der Benediktinerabtei Plankstetten, der Hanke 1981 beitrat und später als Abt vorstand. Deshalb war Hanke auch als Verbeugung vor diesem besonderen Tag in seine Mönchskutte gewandet.

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Das Kloster Heidenheim ist eingeweiht

15 Jahre sollte es dauern, doch nun ist der erste Abschnitt des Heidenheimer Klosters fertiggestellt. Mit einem festlichen Gottesdienst und zahlreichen Grußworten wurde der Westflügel nun feierlich eröffnet.


Nun werde das ehemalige Kloster wieder ein Ort, der Raum für diese Suche gibt. Denn "ohne geistliche Kultur wird das Leben in einer Zivilisation unerträglich", machte Hanke klar. Aufgelöst im Zuge der Reformation kehrt nun eine ökumenische Gebetgemeinde zurück ins Kloster Heidenheim, in dem die Benediktinerlehren ins heutige Leben übersetzt werden.

Nach dem Gottesdienst, der vom Heidenheimer Posaunenchor, dem Kirchenchor Ostheim/Degersheim sowie Dekanatskantor Raimund Schächer an der Orgel musikalisch gestaltet wurde, fanden die vielen Repräsentanten der an dem Projekt beteiligten Institutionen noch viele lobende Worte für das Geleistete (Bericht folgt in unserer morgigen Ausgabe), bevor die Festgemeinde gemeinsam zur Klosterpforte zog. Vor der noch verschlossenen Tür segneten Bischof Hanke und Regionalbischöfin Bornowski gemeinsam das Kloster. Der Ellinger Architekt Hans-Heinrich Häffner schließlich übergab Hausherrn Dekan Klaus Kuhn einen symbolischen Schlüssel sowie — wie es sich zum Einzug gehört — Brot (in Schlüsselform) und Salz auf einem Brett aus Weißtannenholz, eben das Material, das sich in den Böden im Klosterladen und im Obergeschoss des Westflügels wiederfindet.

Dem CSU-Bundestagsabgeordneten Artur Auernhammer wurde an seinem Geburtstag die Ehre zuteil, die Pforte zum Westflügel zu öffnen. Inert Minuten füllte sich das Haus mit Menschen, die die — meist regionalen — Produkte im Klosterladen ebenso in Augenschein nahmen wie den musealen Teil, den integrierten Kreuzgang und die Seminarräume im ersten Stock, wo Kaffee und Kuchen auf die etwas durchgefrorene Gästeschar warteten.

Und inmitten in der Besucherschar ein sichtlich entspannter Dekan Kuhn. Er hatte in den vergangenen 15 Jahren das Kloster zu seiner Herzensangelegenheit gemacht und das Projekt gegen viele Widerstände immer wieder aufs Gleis gebracht. Sichtlich gerührt hatte er noch in der Kirche in sehr persönlichen Worten zum Ausdruck gebracht, dass neben allen anderen wichtigen Aufgaben als Leuchtturm für die Region und als Projekt zur Belebung der Infrastruktur für ihn doch immer das geistliche Projekt im Vordergrund gestanden habe, für ihn sei das Kloster "Ausdruck meines Glaubens". Manche Kritik, gab er offen zu, habe ihn verletzt, doch könne sein, dass auch er die Kritiker verletzt habe, dafür bat er explizit um Verzeihung.

Die Einweihung des Westflügels des Klosters ist für Kuhn aber kein Abschluss des Projekts, damit gehe lediglich eine Etappe zu Ende. Nun gelte es, erläuterte er im Gespräch mit dem Altmühl-Boten, diese alten Mauern gemäß des Mottos von Kloster Heidenheim auch mit Leben zu füllen. Und ein zweiter Bauabschnitt wartet zudem auch noch auf seine Verwirklichung.

 

Marianne Natalis Altmühl-Bote E-Mail

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