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Fusion der Raiffeisenbanken ist geplatzt

Weißenburg-Gunzenhausen und Roth-Schwabach gehen doch nicht zusammen. "Unterschiedliche Ausrichtung" wird als Grund genannt. - 24.05.2020 15:00 Uhr

Im vergangenen September war die Fusionswelt für die Verantwortlichen der beiden Häuser noch in Ordnung. Von links: Willi Renner, Uwe Feser, Wilfried Wiedemann, Dr. Carsten Krauß, Gerhard Meyer und Erwin Grassl. © Erich Neidhardt


Im September 2019 hatten beide Genossenschaftsbanken im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz die Absicht einer Verschmelzung bekanntgegeben. Das Bestreben war ein Zusammenschluss zweier gleich-berechtigter Partner zu einer starken Raiffeisenbank in zukunftsgerichteter Unternehmensgröße. Das geplante Vorhaben hätte viele Vorteile für eine gemeinsame genossenschaftliche Ausrichtung gebracht. Davon seien beide Banken nach wie vor fest überzeugt, betonen Vorstände und Aufsichtsratsgremien.

In den letzten Tagen und Wochen habe sich in den Gesprächen und im Rahmen der gemeinsamen Projektarbeiten zur Zusammenführung beider Banken aber herauskristallisiert, dass beide Häuser doch eine unterschiedliche strategische und vertriebliche Ausrichtung verfolgten.

Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Roth-Schwabach und der Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen hätten daher nach gemeinsamer Überlegung übereinstimmend beschlossen, die geplante Fusion nicht weiterzuverfolgen und an dieser Stelle abzubrechen. Alle Beteiligten bedauern, so die Mitteilung, das angestrebte Ziel nicht erreicht zu haben. Ein besonderer Dank gelte allen Mitarbeitern für ihren Einsatz, die entgegengebrachte Offenheit und die gegenseitige Wertschätzung.

Beide Genossenschaftsbanken konnten im letzten Jahr ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielen und hätten sich sehr gut weiterentwickelt. Wirtschaftlich sähen sie sich weiterhin in der Lage, auch ohne die Fusion die Herausforderungen in der Finanzbranche und die Folgen der Corona-Krise zu meistern. Ziel sei es auch künftig, in guter nachbarschaftlicher Verbindung zu bleiben.

Die Absage der Fusion kommt mehr als überraschend, wenn man bedenkt, dass auf der Bilanzpressekonferenz der Weißenburg-Gunzenhäuser Raiba vor wenigen Wochen noch ganz andere Töne angeschlagen wurden, nämlich zuversichtliche. Damals hieß es vom Vorstand, man treibe die Fusion mit Roth-Schwabach weiterhin voran. Vorstandsvorsitzender Wilfried Wiedemann sagte, man wolle "die Chance nutzen, mit der Stärke, die wir haben, eine regionale Bank zu formen". Trotz Corona-Krise sei an der geplanten Bankenehe zuletzt kräftig weitergearbeitet worden – mit "einer Vielzahl von Telefonkonferenzen". Die Vorbereitungen liefen gut.

Gleichzeitig machte Wiedemann aber deutlich: "Wir können die Sache nur vorbereiten." Denn die Entscheidung, ob sich die Genossenschaftsbanken zusammenschließen, träfen letztlich die zwei Vertreterversammlungen, die für den 23. Juni in Roth und für den 25. Juni in der Weißenburger Karmeliterkirche geplant sind. "Hoffentlich schaffen wir das", meinte Wiedemann mit Blick auf die Einhaltung des Termins und die 75-Prozent-Zustimmung, die in beiden Vertreterversammlungen für die Fusion notwendig seien.

Zudem hieß es bei jener Pressekonferenz, die Vorstände beider Banken wollten die Fusion, weil sich jetzt die Gelegenheit biete, eine starke regionale Bank zu bilden. Dies wäre auch ein Stück "Zukunftssicherung für die Region". Würde zu lange gewartet und die Raiba möglicherweise gar in Schieflage geraten, könnte ein starker Übernehmer von außen kommen, und es wäre vorbei mit den regionalen Strukturen.

Bereits die Ankündigung der Fusion im September 2019 war eine Überraschung, da bei Bankenfusionen in der Region längere Zeit nichts mehr geschehen war und die Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen über viele Jahre auf ihre eigene Stärke gepocht hatte, auf die man weiterhin bauen könne. Doch anderswo in Bayern waren Fusionen immer ein Thema und nicht zuletzt aus der Not geboren. Durch die anhaltende Niedrigzinsphase sind viele Kreditinstitute mit ihrem Geschäftsmodell unter Druck geraten. Das gilt erst recht für regionale Banken, von denen die Kunden ein weit verzweigtes Filialnetz in der Fläche und persönliche Ansprechpartner erwarten. Die geschäftspolitische Ausrichtung der zwei Häuser sei ähnlich. Beide stünden auf einem wirtschaftlich gesunden Fundament, so dass ein Zusammenschluss aus einer Position der Stärke möglich sei, lautete im September 2019 der Leitspruch.

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