Samstag, 31.10.2020

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Gastwirte wollen den Center Parc

In einem offenen Brief erklären Hotels, Gastronomen und Tourismusbetriebe, warum - 18.10.2020 17:09 Uhr

Neben vielen Plakaten gegen einen Center Parc im Seenland gibt es auch mehrere, die eine solche Einrichtung begrüßen. Sie stehen im Umfeld des Strandhotels Seehof am Langlauer Ufer des Kleinen Brombachsees.

© Wolfgang Dressler


So lautet der einleitende Satz eines offenes Briefs, den 14 Gastro- und Tourismusbetriebe aus dem Fränkischen Seenland unterschrieben haben und den der frühere Regionalmanager Dieter Popp (Haundorf), Volker Sanwald (Sanaktiv) und Oliver Röhrl (Hotel Seehof Langlau) gemeinsam formuliert haben.

Den touristischen Dienstleistern sei es wichtig, sich zu den seit zehn Jahren unveränderten Zielen aus der Tourismus-Strategie eindeutig zu bekennen, in der es hieß, dass ein attraktives Ganzjahres-Freizeitangebot in der Region fehle, um bessere Auslastungen zu erreichen und den erheblichen Rückgang des Bettenangebots im Bereich der Ferienwohnungen zumindest zu stoppen.

"Es stellt leider eine nicht zu widerlegende Tatsache dar, dass mit diesem Bettenabbau auch die Anziehungskraft des Fränkischen Seenlands (...) nachgelassen hat." An vielen nicht im Tourismus tätigen Bewohnern des Fränkischen Seenlands sei diese Veränderung weitgehend unbemerkt vorbeigegangen, glauben die Unterzeichner. Sie spürten nicht den "massiven ökonomischen Druck", der – durch Corona noch zusätzlich intensiviert – auf diesen verbliebenen Betrieben ruhte. Die Betriebe könnten die weggebrochenen Kontingente nicht ersetzen.

Der Markt erwarte heute im Inland höherwertige und vor allem an Zukunfts-Zielgruppen, wie zum Beispiel Familien mit Kindern, besonders angepasste Beherbergungsqualitäten, kombiniert mit einer sehr breiten Fülle von Allwetter- und Ganzjahresangeboten. Obwohl genau dies seit zehn Jahren auf der Agenda des Fränkischen Seenlands stehe, konnte dieses Ziel mangels eines dafür interessierten und potenten Investors bisher nicht umgesetzt werden.

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Center Parcs baut im Seenland: Fragen und Antworten

Der Kreistag Weißenburg-Gunzenhausen und der Zweckverband Brombachsee luden zur Infofahrt. In Leutkirchen besichtigte man den jüngsten Center Parc und bekam einige Antworten auf brennende Fragen, was die umstrittene Ansiedlung eines neuen Center Parcs am Brombachsee betraf. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie gesammelt:


Nachdem nun ein am Bau einer solchen Freizeitanlage interessiertes Unternehmen die eigentumsrechtlichen Voraussetzungen dafür eingeleitet habe, für ein bisher für die Öffentlichkeit am See nicht zugängliches Gelände eine solche Ganzjahres-Freizeitanlage zu errichten, sähen die Unterzeichner nun erstmalig die Chance, dass dieser lange gehegte Wunsch am Brombachsee realisiert werden könne. Der damit verbundene wirtschaftliche Impuls werde der gesamten Region – nicht nur am Brombachsee und nicht nur dem Tourismus – "sehr gut tun".

Verbindlich und fair

Den Unterzeichnern sei klar, dass das Vorhaben vor allem bei einigen der direkten Anwohner des Muna-Geländes Befürchtungen und Ängste ausgelöst habe und weiter auslösen werde. In der Auseinandersetzung wolle man dieser Gruppierung " jederzeit verbindlich und fair" begegnenen. Aus Sicht der Unterzeichner sei es eben aber auch richtig, dass die Region sich schon lange einen Investor für eine Freizeitanlage mit Ganzjahresbetrieb gewünscht habe, auch wenn dies natürlich auch zu einem Eingriff in die Natur führen werde.

Die Freizeitanlage müsse nach den allgemeingültigen Spielregeln – wie jede Schule, jeder Sportplatz, jeder Industriekomplex oder auch jedes Baugebiet für neue Wohngebäude – den üblichen Genehmigungsprozess durchlaufen. Deshalb warteten die Unterzeichner mit Zuversicht auf die Ergebnisse des Genehmigungsverfahrens und kündigten an, dass sie diese selbstverständlich – ganz gleich wie sie ausfallen mögen – respektieren werden.

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Zu Besuch in Leutkirch: So könnte ein Center Parc am Brombachsee aussehen

Der "Center Parcs Park Allgäu" wurde im Oktober 2018 eröffnet und umfasst 1000 Ferienhäuser verschiedener Ausstattung und Größe. Auf über 180 Hektar erstreckt sich das Feriendorf, das 350 Millionen Euro kostete. Wie das Areal bei Langlau handelt es sich um eine ehemalige Munitionsanstalt. Auch deshalb kann man ihn als Vorbild für eine Center Parcs-Anlage auf dem Muna-Gelände am Brombachsee sehen.


Aus heutiger Sicht seien sie aber froh, dass sich endlich wieder einmal ein Investor für die Region interessiere, der an die Zukunft des Tourismus an diesem Standort glaube und "uns in seine nähere Auswahl eingebunden hat". In dem Mitbewerber würden die Unterzeichner "eine Bereicherung der Destinations-Qualität" sehen und wünschen sich daher, dass der jetzt beginnende Genehmigungsprozess "im Geiste einer von gegenseitigem Respekt geführten Diskussion in der Öffentlichkeit" begleitet werde.

Als Unternehmer wollten sie sich weiterhin gemeinsam bemühen, die touristischen Angebote nachhaltiger aufzustellen und dabei Gäste, aber auch die Bevölkerung aktiv einbeziehen: "Wir haben mit großem Interesse zur Kenntnis genommen, wie viele sich hier einen Tourismus mit Einsicht wünschen. Damit sind unsere naturräumlichen Potenziale ebenso gemeint, wie die Erwartungen unserer Gäste und natürlich auch die Befindlichkeiten der hier am Brombachsee lebenden Menschen."

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