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Gelungene Gewerbeschau in Brand

17 Firmen versammeln sich im Gewerbegebiet auf einer Fläche von sechs Fußballfeldern - 26.09.2018 06:22 Uhr

Fliesenlegermeister Matthias Laux (rechts) leitet mit seiner Frau Sandra den Betrieb. Hier zeigt er Landrat Gerhard Wägemann, wie man Fliesen verlegt. Bürgermeister Karl Hertlein und Vize Werner Kastner sind auch dabei. © Reinhard Krüger


Man fährt auf der B 466 seit einigen Jahren schnell und zügig vorbei an Geislohe und Brand, wenn es in Richtung Metropolregion Nürnberg geht. Kaum einer würdigt mit einem Blick, was sich am Rande des Mönchswalds so alles tut. Wer dann den Weg in das wirklich abgelegene Gewerbegebiet gefunden hat, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. 17 Hightech-Firmen, gehobene Handwerksbetriebe und innovative Unternehmen haben sich auf einer Fläche von rund sechs Fußballfeldern versammelt und zeigten bei einer kleinen Gewerbeschau, was sie so drauf haben.

Kürzerer Weg zum Arbeitsplatz

Selbst Matthias Laux, Sprecher der Betriebe, meinte in seiner Begrüßung selbstironisch, "dass viele es gar nicht glauben wollen, dass es so etwas gibt". Ansonsten freue er sich, einer breiten Öffentlichkeit dieses kleine, aber feine Areal zu präsentieren. Landrat Gerhard Wägemann ließ es sich nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen. Er outete sich als "klarer Freund der Dezentralisierung" und hob die Vorteile solcher Gebiete hervor. "Es stärkt die Region und sichert Arbeitsplätze", sagte er als erstes und wichtigstes. Weitere Pluspunkte, so der Landkreischef, sind steigende Gewerbesteuereinnahmen sowie Perspektiven für Bürger, verbunden mit kurzen Wegen zum Arbeitsplatz. Er staune immer und sei "ganz perplex", welch hochinteressante Betriebe es im Landkreis gebe, gestand er in seiner Eröffnungsrede.

Er rief dazu auf, nicht gleich bei jedem Einkaufswunsch ins Internet zu gucken, sondern erstmal zu schauen, was es "in unserer Region alles gibt". "Mit unserem eigenen Verhalten können wir die Wirtschaftskraft unseres Landkreises steuern", so Wägemann.

Von einer "Erfolgsgeschichte für die Gemeinde" sprach Hausherr Karl Hertlein. Seit 22 Jahren ist er Bürgermeister von Haundorf mit seinen 2500 Einwohnern, verteilt auf 22 Ortsteile. Ihm tue es "im Herzen weh", sagte er, "dass ausgerechnet zwei Obererlbacher Firmen sich im benachbarten Spalt niederließen".

Kein Gewerbegebiet, keine Steuereinnahmen, keine Innovation, so einfach wie schlüssig die Rechnung. Der Gemeinderat krempelte die Arme hoch, sorgte durch geschicktes Tauschen oder Kaufen für die notwendigen Flächen, erschloss diese und 2001 machte das Fuhrunternehmen Walter Raab den Anfang. Es zog an den Ortsrand von Brand.

Das war quasi der Dosenöffner. Erste offizielle Firma im neuen Gewerbepark war Peter Kraft mit seiner Firma PK-Kältetechnik. Nach und nach siedelten sich "lauter junge, dynamische Leute" an, sagte Hertlein. Mittlerweile sind die Flächen ausgereizt, es wird bereits von einer Erweiterung gesprochen. Die Gewerbesteuer fließt und mit rund 400 000 Euro pro Jahr "ist das für eine kleine Gemeinde sehr viel", so Hertlein. Er lobte die Eigeninitiative der Gewerbetreibenden und hob hervor, wie gut die Gewerbeschau organisiert sei. Ihn freue es auch, dass ein Vereinsheim für die Motorradfreunde "Mönchswaldritter" im Gewerbegebiet integriert wurde.

Selbstredend, dass die Vereinsmitglieder sich um das leibliche Wohl an diesem Tag kümmerten.

Handwerksbetriebe wechseln sich mit innovativen Kunststoffproduktionen und Kältetechnik-Unternehmen ab. Hier präsentierten sich die Firmenchefs. © Reinhard Krüger


Einige Betriebsleiterwohnungen sorgen für mehr Sicherheit und Freizeitwert inmitten einer intakten Landschaft. Bei einem Rundgang mit der politischen Prominenz fiel auf, welch hoher Standard und innovative Leistung sich hinter den Toren des Gewerbegebietes verbergen. So erklärte Produktionsleiter Jörg Kampe von der Me Luna GmbH die Handhabung einer sogenannten Menstruationstasse.

Baustellen in 60 Ländern

"Es ersetzt das herkömmliche Tampon, hat eine einfache Handhabung, ist wiederverwendbar und kostengünstig", sagt er. Firmenchef Frank Krüger (56) erzählte, dass es die Idee bereits seit 1937 gebe, diese aber nie richtig umgesetzt wurde. Vor zehn Jahren "stolperte" er über das Produkt und baute Herstellung und Vertrieb konsequent aus. Heute werden in Brand von 15 Beschäftigten rund eine halbe Million solcher Kunststoffprodukte pro Jahr gefertigt und in alle Welt vertrieben.

Die PK-Kältetechnik hat sich darauf spezialisiert, genaueste Temperaturen und Feuchtigkeitsgrade bei der Erstellung von Industrieprodukten zu gewährleisten, erzählt Geschäftsführer Daniel Kraft, ein studierter Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur. Die Firma am Eingang des Gewerbegebiets unterhält derzeit mit ihren 22 Beschäftigten in über 60 Ländern weltweit Baustellen. "Sonderanlagen mit ganz speziellen Anforderungen sind unsere Spezialität", sagt der Firmenchef und "stöhnt" über die randvollen Auftragsbücher.

"Stolz und glücklich bin ich, weil ich hier arbeite", sagt der 20-jährige Balduin Haag, ein gelernter Anlagenmechaniker, der zu einem hochqualifizierten Spezialisten herangeführt wird.

Er wird dann im Team mit anderen eines Tages eine in Brand vorgefertigte und montierte Anlage irgendwo auf der Welt aufstellen, sagt der Chef und lächelt. 

REINHARD KRÜGER E-Mail

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