Zudem ein Mehrfamilienhaus

Grünes Licht für neue Nutzung: Das passiert mit Lidl und dem Altmühlcenter

Jürgen Eisenbrand
Jürgen Eisenbrand

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13.1.2022, 05:58 Uhr
Server-Fertigung und Computerladen: das ehemalige Altmühlcenter in Frickenfelden.

Server-Fertigung und Computerladen: das ehemalige Altmühlcenter in Frickenfelden. © Wolfgang Dressler, NN

In der Lindleinswasenstraße soll gegenüber des Kinder- und Familienzentrums Wilhelm Löhe ein Mehrfamilienhaus mit vier Geschossen entstehen. Dafür änderte der Gunzenhäuser Stadtrat – mit einer Gegenstimme – in seiner jüngsten Sitzung den Bebauungsplan.

Eigentlich seien an dieser Stelle nur drei Geschosse erlaubt, erklärte Stadtbaumeisterin Simone Teufel dem Gremium, aber sie könne sich ein Stockwerk mehr in "dieser speziellen Lage gut vorstellen". Vorteil für die Nachbarn: Das Gebäude wird einen Bankraum erhalten, sprich: einen Raum mit Geldautomat.

Eine weitere Änderung des Bebauungsplans beschloss das Kommunalparlament im Bereich der Weißenburger Straße 86, wo das alte Lidl-Gebäude steht. Auf dieses hat – nach einer entsprechenden Offerte des Discounters – das alteingesessene und in direkter Nachbarschaft gelegene Familienunternehmen Heinzmann Autotechnik geworfen, das hier Lagerflächen und einen bis zu 300 Quadratmeter großen Verkaufsraum schaffen will.

Zunächst ein Fünfjahres-Mietvertrag

Zwar bestehe die Hoffnung, so Teufel, dass irgendwann wieder ein Lebensmittler in die zuletzt nur für sporadische Sonderverkäufe genutzte Halle einziehe. Aber mit den Engagement von Heinzmann, der schon länger auf der Suche nach Lagerflächen sei, habe man "wenigstens eine Nutzung für das Gebäude". Heinzmann stellte in einem Schreiben an die Stadt in Aussicht, mit Lidl einen Fünfjahres-Mietvertrag abzuschließen – inklusive einer Verlängerungs-Option für weitere fünf Jahre.

SPD-Fraktionschefin Angela Schmidt, die sich als Einzige zu Wort meldete, brachte zum Ausdruck, was offenbar Konsens im Gremium war: "Wir sind für diese Änderung, das ist ein gutes Signal für Unternehmer in Gunzenhausen."

Als solches dürfte auch Martin Hetzner den dritten Stadtratsbeschluss des Abends zum Thema Bebauungsplan empfinden. Der Gunzenhäuser Internet-Unternehmer ("Hetzner Online"), der im vergangenen Jahr mit seinem Ansinnen, zwischen Aha und Scheupeleinsmühle einen Rechenzentrumspark zu errichten, gescheitert war, erhielt grünes Licht für die weitere Planung auf dem ehemaligen, von ihm erworbenen Altmühlcenter-Gelände.

Autoteilelager und Verkaufsraum: der ehemalige Lidl-Markt in der Weißenburger Straße.

Autoteilelager und Verkaufsraum: der ehemalige Lidl-Markt in der Weißenburger Straße. © Marianne Natalis, NN

Produktionsstandort für Server geplant

Vor einigen Jahren habe der Kölner Handelsriese Rewe dort einen großen Markt geplant, erinnerte Teufel. Doch als ein paar hundert Meter entfernt die Firma Höfler ihren großen Edeka-Markt errichtete, zog sich Rewe zurück; im Mai 2020 machte das sichtbar in die Jahre gekommene Altmühlcenter dicht.

Hetzner möchte an der Spitalfeldstraße nun, wie es bereits im vergangenen Sommer hieß, einen Produktionsstandort für Server einrichten, dazu sollen sich Einzelhandelsflächen mit bis zu 800 Quadratmeter gesellen. Die Rede ist von Computern und Zubehör sowie kleinteilige Elektrowaren und Lebensmitteln. Explizit ausgeschlossen werden Vergnügungsstätten und Tankstellen – außer für Elektro- oder Wasserstoffautos. Was zur Folge hat, dass das Gelände zu einem "eingeschränkten Gewerbegebiet" umgewidmet werden muss.

Anders als im vorberatenden Bauausschuss stimmten im Stadtrats-Plenum nun auch die Grünen für den Bebauungsplanentwurf. Ihnen war die Vorschrift, dass bei Neubauten auf dem Areal mindestens 20 Prozent der Dachflächen mit Photovoltaikmodulen bestückt werden müssen, zu lasch; sie wollten eine Quote von 50 Prozent.

Doch Teufel hatte zwischenzeitlich mit Martin Hetzner gesprochen und konnte verkünden, dass es für den "kein Problem ist, auch 50 Prozent zu machen". Und so hoben bei der Abstimmung schließlich auch die Räte der Öko-Partei die Hand, obwohl im Entwurf noch die 20 Prozent festgehalten waren. Hintergrund: Andernfalls hätte man das ganze Verfahren bis hierher noch einmal von vorn beginnen müssen. Teufel sicherte jedenfalls zu, die Änderung im weiteren Verlauf umzusetzen.