Zielstrebig und sachlich

Gunzenhausen: Bürgermeister Karl-Heinz Fitz wird 60 Jahre alt

Wolfgang Dressler
Wolfgang Dressler

Altmühl-Bote

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Engagiert und zielstrebig setzt sich Bürgermeister Karl-Heinz Fitz für Gunzenhausen ein. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag.

Engagiert und zielstrebig setzt sich Bürgermeister Karl-Heinz Fitz für Gunzenhausen ein. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag. © Wolfgang Dressler, NN

Es gibt Wochen im Jahreslauf, da bekommt man bei Karl-Heinz Fitz nur schwerlich einen Termin. Der Mann halst sich viel auf, ist umtriebig, fleißig, ja arbeitswütig. Als Gunzenhäuser Bürgermeister hat er in normalen Zeiten viele Termine abzuklappern und Besprechungen sowie Sitzungen zu organisieren und durchzuführen. In unnormalen Zeiten, also während der Pandemie, war er zwar abends und an den Wochenenden öfter zuhause als sonst, aber die Krise forderte auch vom Rathauschef ihren Tribut. Es galt, Neuland zu beschreiten, sich der unsichtbaren, aber sehr realen Gefahr zu stellen und sie so weit wie möglich einzudämmen. Der Bürgermeister als Krisenmanager – es war letztlich die kommunale Ebene, die Gesetze und Verordnungen umzusetzen hatte und im Kreuzfeuer stand.

Einiges hat sich gut gefügt

Wenn Fitz am heutigen Montag auf genau 60 Jahre zurückblicken kann, dann darf er sagen, dass sich für ihn einiges im Leben gut gefügt hat. Als Sohn von Schuhmachermeister Bruno Fitz und seiner Frau Liselotte stammt er aus bescheidenen Verhältnissen. Er wuchs in Gunzenhausen in einer Zeit auf, als auch die Kinder kleiner Leute Bildungschancen erhielten – und nutzten. Auf das Abitur am Simon-Marius-Gymnasium folgten die Bundeswehrzeit und das Jurastudium, abgeschlossen im Jahr 1991. Der junge Mann folgte dem Ruf nach Osten und war acht Jahre in der Stadtverwaltung von Zwickau tätig. Darüber hinaus übte er eine Schulungs- und Seminartätigkeit aus, etwa für Behörden und Schulen in den neuen Bundesländern.

Den beruflichen Schwerpunkt verlagerte er anschließend in Richtung Rechtsanwalt mit den Hauptgebieten Verwaltungs-, Bau- und Immobilienrecht. Im Jahr 2000 zog es ihn zurück in die Heimat, und hier gründete er eine Rechtsanwaltskanzlei. Dennoch war die Verwunderung in der Bevölkerung groß, als ihn die CSU 2007 als ihren Bürgermeisterkandidaten präsentierte. „Wie heißt der genau? Kennst du den?“, so lauteten die Fragen. Angesichts seines eher geringen Bekanntheitsgrads und der starken politischen Konkurrenz reichte es 2008 nicht zum Wahlsieg.


2014 eroberte Karl-Heinz Fitz mit knapper Mehrheit das Rathaus


Es zeichnet Karl-Heinz Fitz aus – ein typischer Charakterzug –, dass er damals nicht die Flinte ins Korn war. Er stürzte sich (ehrenamtlich) in die Kommunalpolitik, arbeitete sich in die Themen ein, bekleidete das Amt des 2. Bürgermeisters und nahm einen Termin nach dem anderen wahr. Dass er damals Vorsitzender des TV Gunzenhausen wurde, sei hier nur am Rande vermerkt.

Nicht in Euphorie verfallen

Diese harten Jahre gestaltete und meisterte der zweifache Familienvater wegen seiner Zielstrebigkeit. Er wollte es nochmals versuchen, der Posten des Ersten Bürgermeisters reizte ihn mehr denn je. Deshalb die zweite Kandidatur 2014 und ein sehr knapper Erfolg, den er glücklich registrierte, ohne in Euphorie zu verfallen. Der Mann der großen Gefühle ist der Frickenfelder nicht, er muss seine Gefühlslage nicht in die Welt hinausposaunen. Manchmal verrät ein verschmitztes Lächeln in seinem Gesicht, wie es ihm geht.


Vor zwei Jahren wurde die sanierte Stadthalle eingeweiht


Fitz packt seit 2014 eine Aufgabe nach der anderen an – mit gesundem Menschenverstand, Gesprächsbereitschaft und Ernsthaftigkeit. Stellvertretend soll hier die neue Stadthalle genannt werden. Eine Sanierung eine Nummer kleiner hätte es auch getan, aber wenn ein Karl-Heinz Fitz sich etwas vornimmt, dann ist er auch bereit, das große Rad zu drehen. Er versteht die Stadt als Einheit mit ihrem Umland, und Gunzenhausen soll Zentralität und Attraktivität weit über ihre Grenzen hinaus ausstrahlen. Der Bürgermeister hatte zudem das Glück des Tüchtigen: Die Steuern sprudelten reichlich, so dass die Stadthallensanierung finanziell geschultert werden konnte.

Zuletzt erfolgte die Sanierung des Rathauses, eines „historischen“ Sammelsuriums mehrerer alter Gebäude, die den Charme der 60er versprühten. Nächstes Jahr soll Einweihung gefeiert werden. Wenn Karl-Heinz Fitz loslegt, dann eben richtig – der Sache und der Ziele willen, nicht um das eigene Ego zu befriedigen. Im Stadtrat hat er für seine Marschrichtung regelmäßig Mehrheiten gefunden. Im Kreistag steht er fest an der Seite des (CSU-)Landrats, ohne sich in der Kreispolitik allzu sehr zu exponieren.

Um gute Kompromisse bemüht

Ganz überzeugend wirkt Fitz, der 2020 gleich im ersten Wahlgang wiedergewählt wurde, wenn eine „Sache“ schiefzugehen droht, wenn Kommunikation und Vernunft gefragt sind. So intervenierte er, als das Wasserwirtschaftsamt zur allgemeinen Überraschung das Stadtzentrum mit einer Hochwasserwand „beglücken“ wollte. Er fädelte die Gespräche ein, die schließlich zu einem guten Kompromiss führten. Das kann er – vielleicht wirkt da der Rechtsanwalt noch nach.

Typisch für ihn ist auch, dass er seinen Ehrgeiz in die richtigen Worte gießt, so dass dieser nicht vermessen, sondern überzeugend wirkt. Zehn Millionen Euro an Gewerbesteuer im Jahr – das muss doch erreichbar sein! Ganztagsbetreuung an den städtischen Schulen – das soll keine Worthülse bleiben! Den öffentlichen Verkehr ausbauen trotz der Kleinheit der Stadt – das muss angestrebt werden! Das Bahnhofsgebäude einfach verkommen lassen - kommt nicht in Frage!

Der Bürgermeister hat in seiner zweiten Amtszeit (seit Mai 2020) erfahren müssen, dass der Wind schärfer geworden ist. Der Ton im Stadtrat wird allgemein etwas rauer. Da muss der Sitzungsleiter die Ruhe bewahren, gerade weil er erfahren ist und viele Hintergründe am besten weiß. Einen merklichen Dämpfer erhielt er durch die „Impfaffäre“ von Anfang 2021. So mancher Zeitgenosse zweifelt bis heute, ob das damalige Impfen von städtischen Bediensteten, die an führender Stelle mit dem Seckendorff-Heim zu tun hatten, zwingend notwendig war und ob es sich wirklich um Impfstoffreste handelte, die da auf die Schnelle einer sinnvollen Verwendung zugeführt wurden. Andererseits war er – und das sollte sich jeder Bürger vorhalten – ein unglaublich engagierter und mutig voranschreitender Verwaltungsleiter, als es galt, die Corona-Krise zu bewältigen.

Wer so intensiv arbeitet, der muss schauen, dass sein Privatleben nicht ganz „verkümmert“. Wenige wissen, dass Fitz geprüfter Skilehrer ist und dass er früher Marathons lief. Bekannt ist seine Leidenschaft fürs Schwimmen. Dass Waldbad letztes Jahr geschlossen zu halten, war ein umso bitterer Schritt. Seine Frau Angelika hat ihn zur kommunalpolitischen Karriere ermutigt und unterstützt, als der Erfolg noch längst nicht feststand.

Der Neu-60-Jährige, inzwischen auch als Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetags für Mittelfranken tätig, wird sich auch in den nächsten viereinhalb Jahren „voll reinhängen“, er kann gar nicht anders. Vielleicht hat er in seinem Sommerurlaub einiges in Südbayern gesehen, das sich auf Gunzenhausen übertragen lässt, so wie er vor Jahren in Sardinien auf schmückende Sonnenschirme aufmerksam wurde, siehe Weißenburger Straße.