Donnerstag, 21.11.2019

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Gunzenhausen: Ein Kirchplatz als Drehscheibe

Ahas Ortssprecher Harald Romanowski hat seinen persönlichen Wohlfühlort direkt vor der Haustür - 04.11.2018 17:19 Uhr

Wohlfühlort mit Storchennest: Harald Romanowski genießt von seiner Terrasse aus den Ausblick auf den Platz vor der Markgrafenkirche. © Babett Guthmann


Der Ortssprecher von Aha, Harald Romanowski, ist diesmal an der Reihe. Wir begrüßen einander auf der Straße vor seinem Wohnhaus, und die Frage "Wo gehen wir hin?" beantwortet er mit einem Lachen: "Wir sind schon da!"

Der selbstständige Bauingenieur streckt den Arm aus, und mit einer halben Drehung präsentiert er den Platz vor der Markgrafenkirche zum Heiligen Kreuz mit Kirchhof, Pfarrhaus, zwei schönen Lindenbäumen und dem Dorfbrunnen. Das ist genau der Ausblick, den er gemeinsam mit seiner Familie beim Frühstück auf der Terrasse genießen kann.

Es spricht sehr viel für diesen harmonischen Platz: So gibt es ja viele Kirchengebäude, zu denen man aufblicken muss, die ihrem Kirchenvorplatz einen gewaltigen Schatten aufzwingen. Die Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Markgrafenkirche in Aha hingegen strahlt in sonnengelber Freundlichkeit, die glasierten Turmziegel wirken wie frisch poliert, und bestimmt hatten die Dachdecker gute Laune, als sie sich das Ineinander von Zickzack- und Rautenmuster für die Turmhaube ausgedacht haben.

Der Kirchturm scheint sich dezent im Hintergrund zu halten, und so kann er zu keiner Tageszeit den Platz mit einem schrägen Schatten teilen. Gleich in der Nachbarschaft steht das imposante Pfarrhaus mit einem Krüppelwalmdach. Ein solch besonderer Dachstuhl – so erläutert Harald Romanowski — gilt als typisch für Herrenhäuser. Die Bedeutung dieses Hauses hat auch Familie Storch erkannt – und den dortigen Schornstein als Platz für ihr Nest ausgewählt.

Der von Efeu umrankte Rundbogen mit dem Eingangstor zum Friedhof, die einladende Rundbank um die große Dorflinde, die als Kugelköpfe geschnittenen Ahornbäume am Kircheneingang, das in kleinen Bögen verlegte Pflaster – alles fügt sich an diesem Platz, und so gewinnt er seine eigene Harmonie. Als Bauingenieur hat Romanowski selbstverständlich einen Blick für die baulichen und gestalterischen Besonderheiten, doch für ihn hat der Platz noch eine ganz andere Qualität: Treffpunkt, Rastplatz, Mittelpunkt des Dorflebens.

Schon am Morgen, wenn die Familie Romanowski auf ihrer Terrasse mit Aussicht auf den Kirchplatz frühstückt, belebt sich der Platz: Kindergartenkinder und ihre Mütter kommen vorbei, und mit Laufrad, Tretroller oder Fahrrad werden die ersten Runden auf dem Platz gedreht. Sonntags nach dem Kirchgang dauert es eine Weile, bis sich hier die Gruppen und Gesprächskreise auflösen. Auch der Weg zum Jugendtreff der evangelischen Landjugend führt über den Platz in ein kleines Gebäude, das zum Pfarranwesen gehört.

Schöne Begebenheit

"Wir genießen diese Idylle", betont Harald Romanowski. Der Platz steht für ihn für den besonderen Gemeinschaftssinn der Dorfbewohner, und dazu fällt ihm eine schöne Begebenheit ein: In seinem Bürogebäude gibt es eine kleine Wohnung, in die vor kurzem eine junge kroatische Familie eingezogen ist. Gleich am ersten Tag spielten die beiden neu zugezogenen Buben auf der Straße Fußball. Es dauerte nicht lange, da kamen die Kinder aus dem Dorf und haben mitgespielt. Und nach zwei Tagen haben sie die Neulinge zum Fußballtraining mitgenommen; mittlerweile sind sie feste Mannschaftsmitglieder.

Gute Nachbarschaft: Ein Schmuckstück des Platzes ist das Pfarrhaus, hier sind sich Pfarrer Thomas Schwab (links) und Harald Romanowski einig. © Babett Guthmann


Seit 18 Jahren lebt Harald Romanowski in Aha, engagiert sich für die Freien Wähler und ist seit 2014 deren Ortsvereinsvorsitzender. Ebenfalls seit 2014 hat er das Amt des Ortssprechers für Aha übernommen. Auf die Frage, was er denn in diesem Amt als seine Hauptaufgabe ansehe, formuliert er eine klare Vorgabe: "Ein Ortssprecher spricht, was der Ort spricht. Es geht nicht darum, den eigenen Kopf durchzusetzen!" Meinungen im Ort wahrzunehmen, zu bündeln und dem Stadtrat vorzutragen, das sei ihm wichtig.

Bei Eigenleistung spitze

Unbedingt will Romanowski auch noch das Gemeindehaus und ehemalige Schulhaus zeigen, denn hier haben die Bürger aus Aha mit viel Eigenleistung die Generalsanierung gestemmt, und Ahas Vereine füllen dieses Gebäude seither mit Leben. Eigenleistung – da sind die Dorfbewohner wirklich spitze! Das liegt schon mal daran, dass es eine ganze Reihe von Schreinereien in Aha gibt, aber auch Schlosser, Landwirte und viele andere Freiwillige, die zuverlässig mit anpacken, wie Harald Romanowski nicht ohne Stolz erzählt.

Auch auf dem Wohlfühlort Kirchplatz haben die "Anpacker" mitgemischt und an der Stirnseite des Platzes in Eigenleistung die neue Leichenhalle errichtet. Der letzte Weg der Dorfbewohner führt also quer über den Platz zum Friedhofseingang. Wer jetzt meint, dieses Gebäude und diese Vorstellung passe nicht zu einem Wohlfühlort, dem muss man widersprechen: Auch das Abschiednehmen gehört zu jenen Gelegenheiten, bei denen in Aha die Dorfgemeinschaft sich versammelt, und auch diese traurigen Anlässe gehören zu einem Platz, der sich gerne mit dem Titel "Herzstück des Dorfes" schmücken darf!

BABETT GUTHMANN E-Mail

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