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Gunzenhausen: Haus Silo muss diesem Bau weichen

Das Staatliche Bauamt erklärt, warum ein Neubau für das Landesamt notwendig ist - 04.08.2020 16:31 Uhr

Fand bei der Jury den größten Zuspruch: der Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Steimle für den Neubau des Landesamtes für Schule in Gunzenhausen.

© Steimle Architekten GmbH


Kultusminister Michael Piazolo preist den Entwurf das neue Landesamt für Schule als ein Bravourstück, das "auf höchst ästhetische sowie funktionale Weise" seinem Zweck, nämlich gleich zwei Landesbehörden aufzunehmen, gerecht werde.

Und auch Michael Lueb, den Leiter des Fachbereichs Hochbau des Staatlichen Bauamts Ansbach, überzeugt vor allem, wie die Architekten des Stuttgarter Büros Steimle die Anforderungen an die Funktionalität des Gebäudes erfüllen.

Viel Lob also für den Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs, den eine hochkarätig besetzte Jury nach zweitägiger intensiver Diskussion kürte. Und dennoch will sich bei etlichen Gunzenhäuser so gar keine Freunde über den Neubau des Freistaats einstellen, dem das marode Haus Silo an der Ecke Bahnhof-/Nürnberger Straße weichen muss: "Fremdkörper" und "grauenvoller Flachdach-Koloss" – das waren nur einige der wenig schmeichelhaften Attribute, mit denen Leser des Altmühl-Boten das etwa 35 Millionen Euro teure Bauwerk in Briefen an die Redaktion bedachten.

Um ihre Entscheidung für den Steimle-Entwurf zu erläutern, hatten die Fachleute des Bauamts im Foyer der Stadthalle eine Ausstellung aufgebaut, in der sie der Öffentlichkeit alle 22 eingereichten Arbeiten präsentieren. Und auch erklären, warum man sich schließlich für jenes Konzept entschieden hat, dem es laut Jury gelingt, "mit zwei gegeneinander versetzten und ineinander verschränkten, nahezu quadratischen Baukörpern mit einfachsten Mitteln, den komplexen städtebaulichen und funktionalen Anforderungen gerecht zu werden".

Kam bei den Experten auf Platz 2: die Idee der Berliner Architekten aus dem Hause Hascher Jehle Design GmbH.

© Hascher Jehle Design GmbH


Dabei mussten, wie Rathaus-Chef Fitz bei einem Pressegespräch deutlich machte, "viele Vorgaben" erfüllt werden: So soll das Gebäude beispielsweise schon von außen erkennen lassen, dass mit dem Landesamt für Schule und dem Prüfungsamt zwei selbstständige Behörden darin residieren. Schon daran scheiterten mehrere der Entwürfe.

Ein weiteres Kriterium: Der Baukörper sollte sich in die vorhandenen Strukturen gut einfügen – was keinem der Architekturbüros so gut gelang wie dem aus Stuttgart. Mal ist ein Gebäudeteil zu massiv geraten (wie beim 2. Platz), mal ist das Gebäude zwar "hochfunktional", wie es Michael Lueb ausdrückt: "aber es nimmt keine Rücksicht auf seine Umgebung" – und passt deshalb nicht an diese Stelle.

"Städtebaulich markante Stelle"

Den Aufwand eines zeitraubenden und in diesem Fall rund 200 000 Euro teuren Wettbewerbs leitet sich das Staatliche Bauamt beileibe nicht bei jedem Projekt, betonte die zuständige Abteilungsleiterin Anja Buttolo. "Aber uns war bewusst, dass es sich hier um eine städtebaulich markante Stelle handelt." Und auch Lueb nannte den Wettbewerb einen "ungewöhnlichen Schritt". Aber: "Es war uns wichtig die Meinung der Stadt dazu zu hören, ob das Bauwerk an diesen Ort passt." Zudem habe man bei der Auswahl der Architekten in der Jury bewusst solche berufen, die "den Ruf haben, sensibel zu bauen".

Häufig ist in der Stadt der Vorwurf zu hören, die Planer des Bauamts hätten sich nicht genug darum bemüht, das Haus Silo zu erhalten. Eine Kritik, zu der Lueb und Buttolo sehr ausführlich Stellung nahmen: "Wir denken von Haus aus sehr erhaltend", machte Lueb zunächst die grundsätzliche Haltung seines Hauses klar. Aber das Haus Silo sei schlichtweg "nicht wirtschaftlich nutzbar gewesen".

Ein hochfunktionales Gebäude, aber nicht für diesen Platz in Gunzenhausen: So urteilte die Jury über diesen Entwurf des Eichstätter Büros Diezinger Architekten GmbH (Ansicht von der Bahnhofstraße).

© Diezinger Architekten GmbH


Er habe sich das Gebäude mehrfach unter dem Aspekt angesehen, ob man das Bestehende nicht bewahren könne. Aber: "Das Haus hat seinen Zenith schon lange überschritten, die Substanz ist kaputt."

Zudem sei es einst sehr auf seine Bestimmung als Mälzerei zugeschnitten worden, eine Nutzung als Bürogebäude sei mit vernünftigem Aufwand nicht machbar: "Das wäre Steuergeldverschwendung", ein wie auch immer gearteter Silo-Rettungsversuch wäre laut Lueb "deutlich teurer" als ein Neubau. Hinzu komme, dass das Haus Silo einerseits nicht genügend Bürofläche biete, andererseits aber auf dem Grundstück keinen Platz für ein zweites Gebäude lasse. Die geforderte Tiefgarage unter das bestehende Gebäude zu graben, sei schlichtweg "nicht realisierbar".

Fitz betonte, man habe diesen Denkansatz "nicht leichtfertig vom Tisch gewischt", wies aber auch darauf hin, dass das Haus Silo nun "schon viele Jahre leersteht. Und wenn es nicht genutzt werden kann, wird es noch weitere Jahre leerstehen".

Angetan vom Entwurf der Stuttgarter Architekten: Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (rechts) und Michael Lueb vom Staatlichen Bauamt in Ansbach.#

© Jürgen Eisenbrand


Mit der Entscheidung für den Stuttgarter Entwurf eines Passivhauses sei laut Lueb die grundsätzliche Entscheidung über die Form des Landesamtes gefallen. Kleinere Abweichungen in den Ausmaßen seien jedoch während der Detailplanungen ebenso möglich wie eine Umgestaltung der Fassade, die den Fachmann nicht restlos überzeugte. Und weil seine Behörde grundsätzlich den politischen Auftrag habe, Fassaden zu begrünen, werde man sich selbstverständlich auch Gedanken darüber machen, ob das an diesem Bauwerk möglich und sinnvoll sei.

Mit der Auswahl des Siegerentwurfs sei man noch immer ziemlich am Anfang des Projekts, betonte Anja Buttolo. Nun folgten viele Detailplanungen, ehe die Bagger und Kräne an die Baustelle rollen – und dort durchaus auch den Verkehr längere Zeit behindern werden. Der für 2025 geplante Einzugstermin für die rund 150 Beamten könne laut Lueb wegen geänderter Vorschriften im Genehmigungsprozess nicht eingehalten werden, er rechne damit, dass die Landesamts-Mitarbeiter in der zweiten Jahreshälfte 2026 ihr zwischenzeitliches Quartier in der Stuttgarter Straße verlassen können.

Und er ist überzeugt, dass die Behördenverlagerung in Gunzenhausen "ein Erfolgsmodell werden wird. Die Beamten werden hier gerne leben, der Mut der Stadt, sich dafür intensiv beworben zu haben, wird belohnt werden".

 

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