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Donnerstag, 20.06.2019

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Gunzenhausen: Jugendliche üben Europawahl

Ein deutschlandweites Planspiel soll Minderjährige an die Politik heranführen und ihnen eine Stimme verleihen. - 20.05.2019 18:22 Uhr

Kurz bevor es im Gunzenhäuser Jugendzentrum zu den Wahlurnen geht, tauschen sich die Anwesenden aus oder werfen noch mal einen Blick auf ihre Notizen im Stimmungszettel. Ab 17 Uhr ist dann das Wahllokal geöffnet, es kann losgehen. © Isabel-Marie Köppel


Laut Helmar Zilcher, Stadtjugendpfleger in Gunzenhausen, ist die Wahl ein demokratieförderndes Planspiel, um junge Leute an politische Themen heranzuführen. Daran teilnehmen konnten alle Kinder und Jugendlichen aus dem Landkreis unter 18 Jahren. Der Deutsche Jugendring koordiniert die bundesweite Aktion. In Bayern haben rund 280 Wahllokale geöffnet.

In Gunzenhausen sollten die Jugendlichen aber nicht nur zum Wählen kommen. Bevor es für die Anwesenden an die Urne geht, beantworten vier junge Politiker aus der Region, Fragen zum Thema Europa. "Die Wahl soll aufzeigen, dass junge Menschen unter 18 auch schon ein Gefühl haben, welche Parteien sie wählen wollen", sagt Andrea Wenning, Jugendbildungsreferentin der Evangelischen Landjugend (ELJ), die die Veranstaltung im JUZ mitorganisiert hat.

Zilcher und Wenning haben einen Stimmungszettel für die jungen Wähler entworfen. Darauf abgedruckt sind die sechs Fragen, auf die sich Maike Auer (16, Bündnis 90/Die Grünen Weißenburg), Manuel Blenk (25, Jungen Union Weißenburg-Gunzenhausen), Andreas Fischer (23, Junge Freie Wähler Ansbach-Land) und Alpay Kayis (17, Jusos Gunzenhausen), vorbereitet haben. Anhand von Smileys können sich die Jugendlichen pro Partei notieren, wie sie die Antwort fanden. Fünf Abstufungen von "Ich bin von der Antwort begeistert", bis hin zu "Die Antwort ärgert mich und macht mich wütend", sind dabei möglich. Der Stimmungszettel soll ihnen bei der anschließenden Wahl helfen.

Für die Parteienvertreter gibt es klare Regeln. Jeder hat pro Frage eine Minute Zeit, um zu antworten. "Damit hier keine Politikermonologe entstehen", sagt Zilcher und zückt eine Stoppuhr. Schließlich wollen sie den Jugendlichen genügend Zeit und Raum für Diskussionen geben. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, folgen rund eineinhalb Stunden, in denen die vier Politiker ausführliche Antworten geben. Sie haben sich alle gut vorbereitet. Fragen kommen insgesamt nur zwei, obwohl Zilcher und Wenning die Jugendlichen nach jedem Themenblock dazu ermuntern.

"Wie kann die EU sicherstellen, dass die Digitalisierung für alle etwas Positives wird?", lautet eine der Fragen für die Politiker. "Durch Aufklärung", sagen fast alle. Die Menschen müssen aufgeklärt werden, lernen wie man damit umgeht. Denn selbst "Babys touchen heute schon auf Displays herum", wirft Fischer ein. Auer ist der Meinung, dass Schulen dafür einen gemeinsamen Plan brauchen. "Die Digitalisierung soll sich für die Bürger positiv entwickeln und nicht zu Lasten der Gesellschaft", sagt Blenk. Zeitgleich fordern Kayis und Fischer mehr Datenschutz.

Nach den sechs Themenblöcken ist erst mal Pause. Anschließend dürfen die Jugendlichen wählen. Der Stimmzettel sieht fast genauso aus, wie der, den die Erwachsenen am 26. Mai ausfüllen. Er ist lediglich auf eine DIN-A4-Seite gekürzt. Im JUZ sind Kabinen auf dem Billardtisch aufgebaut, damit die Wahl auch geheim bleibt. Die Urne hat sich Zilcher von der Stadt geliehen.

"Ich habe heute viel erfahren. Normal interessiere ich mich nicht so für Politik", sagt die 17-jährige Lea. Ihre Freundin Leonie (14) hat ebenfalls gewählt. Sie kann sich vorstellen, später wenn sie volljährig ist, zur Europawahl zu gehen: "Wir wohnen ja in Deutschland. Das hat was mit uns zu tun." Am Ende wählen zehn Jugendliche. Drei Stimmen entfallen je auf die Freien Wähler und die Grünen. Auf Platz zwei folgt die Tierschutzpartei mit zwei Stimmen. Die SPD und die Partei Volt erhalten je eine Stimme.

  

ISABEL-MARIE KÖPPEL E-Mail

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