Gunzenhausen: Kompromiss für B 13-Umgehung

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 14.09.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Marianne Natalis..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Marianne Natalis

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14.8.2018, 05:58 Uhr
Die „Winter-Variante“ beginnt mit einem Kreisverkehr an der Kreuzung zum Surf-Zentrum, unterquert die Bahn auf Höhe des bisherigen Bahnübergangs der WUG 22 und führt weiter zur McDonald’s–Kreuzung. Die grünen Linien sind die Radwege, die die Freien Wähler für unbedingt notwendig erachten.

© Werner Winter Die „Winter-Variante“ beginnt mit einem Kreisverkehr an der Kreuzung zum Surf-Zentrum, unterquert die Bahn auf Höhe des bisherigen Bahnübergangs der WUG 22 und führt weiter zur McDonald’s–Kreuzung. Die grünen Linien sind die Radwege, die die Freien Wähler für unbedingt notwendig erachten.

Zudem fordern Stadtrat Dr. Werner Winter und Ahas Ortssprecher Harald Romanowski bei einem Gespräch mit Anwohnern beider Orte, dass im Rahmen des Projekts auch Geh- und Radwege mit eingeplant werden müssten. Das Thema ist nach Ansicht Winters so wichtig, dass er zusätzlich zu den bisherigen fünf Varianten sogar eine eigene Trassenführung ausgetüftelt hat. Richtiggehend "erschrocken" sei er bei der ersten Vorstellung der Varianten gewesen, erzählt der Unterwurmbacher Ortssprecher in dem Besprechungsraum im Hotel "Adlerbräu". Alle zusammen hält Winter sie für vollkommen ungeeignet. Während die Holzbauer-Trasse (auf Laubenzedeler Seite entlang der Bahn, für Romanowski "eine Schweinerei") und die Null-Lösung (B13 weiterhin durch Schlungenhof) den jeweiligen Ortsteilen unverhältnismäßig viel Lärm bringen, verbrauchen die anderen drei Varianten dagegen viel zu viel Land und nutzen zudem nicht vorhandene Bauwerke, so die Kritik der "Freien".

Für Winter liegt auf der Hand, dass die Umgehung an die sogenannte McDonald’s-Kreuzung angeschlossen werden müsste, denn dort sei bereits alles vorhanden. Für die drei Varianten des staatlichen Bauamts Ansbach dagegen müssten aufwändige Knotenpunkte gebaut werden, das kommt für Winter einem "Schildbürgerstreich" gleich.

Zu der Frage, welche Trassenführung für die Umgehung am besten wäre, gesellt sich noch ein weiteres Problem. Die Deutsche Bahn will eher über kurz als über lang die Bahnübergänge zwischen Gunzenhausen und Laubenzedel auflösen. Für die Ortsverbindungsstraße zwischen Schlungenhof und Laubenzedel sieht der Konzern als Ersatzlösung eine Straßenüberführung als wirtschaftlichste Lösung vor.

Bürger lehnen Brücke ab

Der FW-Stadtrat Werner Winter will zwischen den Stadtteilen vermitteln.

Der FW-Stadtrat Werner Winter will zwischen den Stadtteilen vermitteln. © privat

Das kollidiert nicht nur mit den Umgehungsplänen, eine solche Brücke würde auch das Landschaftsbild verschandeln, zu diesem Schluss kamen die Bürgerinnen und Bürger beider Stadtteile in einer gemeinsamen Versammlung mit Landrat Gerhard Wägemann. Der hat die Bereitschaft des Landkreises signalisiert, die für eine Unterführung anfallenden Mehrkosten zu übernehmen. Denn die Bahn beharrt auf die kostengünstigste Lösung und sieht andernfalls den Baulastträger der Straße, in diesem Fall eben den Landkreis, in der Pflicht. Allerdings hat Winter hier so seine Zweifel, ob seine Kollegen im Kreistag am Ende tatsächlich für diese doch einige Millionen teurere Lösung stimmen werden. Denn der Grundwasserspiegel ist an dieser Stelle sehr hoch, es müsste also für eine Unterführung eine Grundwasserwanne mit Pumpwerk gebaut werden.

Auch hier drängt die Zeit, die Bahn will möglichst sofort loslegen – und darf das auch, da sie hoheitliche Aufgaben erfüllt und somit ihre Pläne über denen von Städten und Gemeinden stehen. Das für die B13-Umgehung zuständige Staatliche Bauamt Ansbach hat laut Winter um eine Frist bis Ende des Jahres gebeten – viel Zeit bleibt da nicht mehr, um sich auf eine Trasse zu einigen. Ein Kompromiss muss her, und als solchen sieht Winter seinen Vorschlag.

Die Trasse soll den Lärm für beide Stadtteile erträglich halten und berücksichtigt auch die wegfallenden Bahnübergänge. Von einem neu zu bauenden Kreisel am Abzweig zum Surfzentrum Schlungenhof soll die B 13 demnach Richtung WUG 22 und dem dortigen Bahnübergang geführt werden. Hier sieht Winters Variante eine Unterführung unter den Bahngleisen vor. Daran könnte auch die Ortsverbindungsstraße angeschlossen werden. Die Tieferlegung des Verkehrs an dieser Stelle würde gleichzeitig Lärmschutz bringen. Im weiteren Verlauf führt die Straße dann an der Bahn entlang in Richtung McDonald’s-Kreuzung, um dort auf die B 466 zu treffen.

Realistische Forderungen

Hilfreich wäre es, finden Winter und Romanowski, wenn die Interessengemeinschaft Laubenzedel in ihren Forderungen den Realitäten ins Auge sehen würde. Denn dass der Bahnübergang an der WUG 22 aufgelöst wird, das sei beschlossene Sache. Dagegen könne auch nichts unternommen werden. Vielmehr gelte es nun, vernünftige Lösungen zu finden.

Harald Romanowski hält die Holzbauer-Trasse für eine „Schweinerei“.

Harald Romanowski hält die Holzbauer-Trasse für eine „Schweinerei“. © Wolfgang Dressler

Wie wenig Einfluss die Bürger tatsächlich bei großen Straßenbaumaßnahmen oder Bahnprojekten haben, das machte Romanowski deutlich. Ist im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens die Entscheidung für eine Trasse erst einmal gefallen, dann gebe es eigentlich kein zurück mehr. Klagten Bürger etwa erfolgreich gegen den zu erwartenden Lärm, so würde nicht die Trasse geändert, sondern eben Lärmschutzwände gebaut. Städte und Gemeinden werden laut Romanowski im Rahmen des Verfahrens zwar gehört, wirkliches Mitspracherecht hätten sie allerdings nicht. Denn auch der Bundesfernstraßenbau ist eine sogenannte hoheitliche Maßnahme, die in das öffentliche Recht eingreifen und örtliche Planungen aushebeln kann. Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und dem Stadtrat hier den "schwarzen Peter" zuschieben zu wollen, wie es zwischenzeitlich geschehen sei, sei "nicht fair", so Romanowski. Er bescheinigte an dieser Stelle Fitz, der sehr viele Gespräche in dieser Sache geführt hat, sogar explizit einen "guten Stil".

Die Zeit drängt

Deshalb, machten Winter und Romanowski bei dem Treffen eindringlich klar, müssten sich die Bürger beider Stadtteile nun möglichst postwendend auf eine Variante einigen. Unrealistische Forderungen wie etwa der Erhalt des Laubenzedeler Bahnübergangs seien da wenig hilfreich, erklärten beide mit Blick auf die Unterschriftenliste der Interessensgemeinschaft Laubenzedel. Wichtig sei auch, dass Radwege mit eingeplant und auf vorhandene Wirtschaftswege Rücksicht genommen werde.

Bei den anwesenden Bürgern stießen die Vorschläge der beiden "Freien" durchweg auf Zustimmung. Die drei Schlungenhöfer und zwei Laubenzedeler wollen sich in ihren Stadtteilen nun für die "Winter-Variante" stark machen.

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