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Gunzenhausen: Pressmetall hofft auf Sanierung

Unternehmen hat Insolvenz angemeldet und will sie in Eigenverwaltung durchführen. - 10.12.2019 16:10 Uhr

Ein Schock in der Vorweihnachtszeit für Gunzenhausen und vor allem die 550 Beschäftigten: Die Pressmetall-Gruppe hat beim Amtsgericht Ansbach Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen strebt die Sanierung in Eigenverwaltung an. © Tina Ellinger


Zu der Pressmetall-Gruppe gehört neben Pressmetall Gunzenhausen auch das Werk in Hoym sowie eine Holdinggesellschaft. Insgesamt sind rund 740 Mitarbeiter von der drohenden Pleite betroffen.

Ein Insolvenzverwalter wurde nicht eingesetzt, der Autozulieferer strebt eine Sanierung in Eigenverwaltung an. Entsprechende Anträge wurden beim Amtsgericht Ansbach gestellt. Dies teilte Ingo Schorlemmer, Pressesprecher der Kanzlei Schultze & Braun, mit.

Die Eigenverwaltung ist eine besondere Form eines Sanierungsverfahrens, bei der die Geschäftsführung im Amt bleibt und die Sanierung des Unternehmens selbst vorantreiben kann. Unterstützt wird sie dabei von Detlef Specovius von Schultze & Braun. Die Kanzlei ist auf Sanierungs- und Insolvenzrecht spezialisiert und an rund 40 Standorten in Deutschland und Europa vertreten.

Für die Gläubiger überwacht Dr. Stefan Debus von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen den Sanierungsprozess. Er wurde vom Amtsgericht Ansbach zum vorläufigen Sachwalter bestellt.

Geschäftsbetrieb läuft weiter

Der Geschäftsbetrieb läuft derweil, so Schorlemmer, in der gesamten Pressmetall-Gruppe ohne Einschränkungen weiter. "Wir sind willens und in der Lage, sämtliche Aufträge fachgerecht und mit der gewohnt hohen Qualität auszuführen und neue Aufträge entgegenzunehmen", betont PMG-Geschäftsführer Lars Szymanski. Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten hätten ihre Bereitschaft signalisiert, mit der Geschäftsführung und ihren Beratern an einem Strang zu ziehen. Ziel ist nach seinen Worten der langfristige Erhalt des Unternehmens. Die Pressmetall-Gruppe ist ein führender Hersteller von Aluminium-Druckgusskomponenten in Deutschland mit einer über 50-jährigen Unternehmensgeschichte. Im Zuge der Finanzkrise war das Unternehmen 2009 schon einmal in finanzielle Nöte geraten. Damals konnte die Pleite nicht zuletzt dank der Bereitschaft der Belegschaft, finanzielle Abstriche hinzunehmen, abgewendet werden.

Ursache der erneuten wirtschaftlichen Schieflage sind Auftragsrückgänge. "Da sich die Gruppe bereits seit zwei Jahren in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befindet, haben uns diese Rückgänge stark getroffen und unsere Liquidität stark belastet", betonte Szymanski. Gleichzeitig bestärke diese Marktentwicklung das Unternehmen aber in der Ansicht, dass der eingeschlagene Weg zur Sanierung zu Ende gegangen werden müsse. Das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung sei dafür der passende Rahmen.

Drei Monate Insolvenzgeld

Die Mitarbeiter, die am Standort Gunzenhausen am Montagmittag von der Geschäftsführung informiert wurden, erhalten nun, erläuterte Ute Ernst, Teamleiterin Arbeitgeberservice bei der Agentur für Arbeit in Weißenburg, auf Anfragen des Altmühl-Boten, für drei Monate Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit. Darüber hinaus sei ihre Behörde derzeit nicht gefordert, denn derzeit müssten sich die Beschäftigten nicht arbeitslos melden oder auf Stellensuche gehen. Vielmehr benötige das Unternehmen ja gerade jetzt die eingearbeitete Belegschaft, um sich aus eigener Kraft zu retten.

Der Schritt der Geschäftsführung kam für die Belegschaft "relativ überraschend", sagte Betriebsratsvorsitzender Stefan Bußinger unserer Zeitung. Man habe zwar gewusst, dass das Unternehmen in einer finanziell angespannten Lage ist, dass es nun aber so schnell gehen würde, damit habe niemand gerechnet.

Gunzenhausens Bürgermeister Karl-Heinz Fitz wurde von der schlechten Nachricht überrascht, das Unternehmen habe keinerlei Signale in Richtung Rathaus gesendet. Die Stadt werde den Betrieb, wenn erwünscht, aber selbstverständlich unterstützen.

Für die Altmühlstadt wäre es, weiß nicht nur Ute Ernst, ein "schwerer Schlag", wenn PMG tatsächlich insolvent ginge. Im November waren in der Geschäftsstelle Gunzenhausen 518 Menschen arbeitslos gemeldet. Diese Zahl würde sich auf einen Schlag verdoppeln. Wobei die Nachfrage nach Fachkräften immer noch hoch sei, schwer würde es für die ungelernten Kräfte werden.

Aktualisiert um 16.10

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