Gunzenhausen: Rebellen organisieren den Widerstand

Jürgen Eisenbrand
Jürgen Eisenbrand

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8.4.2018, 17:05 Uhr
Fühlen sich vom Bürgermeister falsch informiert und rufen zum Widerstand auf: Beate Steinweg-Pitsch, Gerhard Meyer und Norbert Ellebracht (von links) sammeln Unterschriften gegen die Umgehungspläne.

© Jürgen Eisenbrand Fühlen sich vom Bürgermeister falsch informiert und rufen zum Widerstand auf: Beate Steinweg-Pitsch, Gerhard Meyer und Norbert Ellebracht (von links) sammeln Unterschriften gegen die Umgehungspläne.

Der Unmut der 120 versammelten Gunzenhäuser Ortsteilbewohner — immerhin rund 20 Prozent der gesamten Einwohnerschaft – richtete sich auf die geplante Ortsumgehung Schlungenhof. Und insbesondere auch gegen Bürgermeister Karl-Heinz Fitz.

Von dem fühlen sich die Laubenzedler nämlich alles andere als gut behandelt: Unterschriftenlisten seien "im Rathaus verschwunden", Informationen falsch oder lückenhaft, warf Gerhard Meyer von der Interessengemeinschaft B 13 Laubenzedel (IG) dem Rathaus-Chef vor. Und seine Mitstreiterin Beate Steinweg-Pitsch, die wie Meyer auch in der Arbeitsgruppe sitzt, die Anregungen für die Planung der neuen Trasse sammelt, forderte "eine vernünftige Informationspolitik".

Das gelte auch für das Thema Bahnübergänge, dem Meyer an diesem Abend ein ausführliches Referat widmete. Es sei nämlich, habe er bei seinen aufwändigen Recherchen herausgefunden, keineswegs so, dass die beschrankten Schienenquerungen allesamt umgebaut werden müssten, weil die Bahn ihr Streckennetz digitalisiere.

Falsche Darstellung?

Und präsentierte als Beleg eine Aufstellung diverser Übergänge in der Region, die trotz modernisierter Zugsteuerung nicht durch eine Über- oder Unterführung ersetzt werden sollen. Sein Fazit: Die Darstellung aus dem Rathaus, dass der Bahnübergang zwischen Schlungenhof und Laubenzedel unbedingt einer Straßenbrücke weichen müsse, sei falsch.

Zudem, so Meyer, sei es keinesfalls so, wie die Stadt und auch das Staatliche Bauamt Ansbach argumentierten: dass nämlich die Bahn frei darüber entscheide, welche Bahnübergänge sie auf welche Art umbaue. Und in der Tat findet sich nach einigem Stöbern im Internet eine elfseitige, "Fragen und Antworten Bahnübergänge" genannte Aufstellung der DB, mit einer Passage, die Meyers Argumentation stützt: Die Bahn könne "nicht allein über die Beseitigung eines Bahnübergangs sowie Alternativen (z. B. Ersatz durch ein Überführungsbauwerk befinden". Eine solche Entscheidung müsse laut Gesetz "immer gemeinschaftlich mit allen Beteiligten" fallen. Und zu denen gehöre neben Bahn und Bund auch der "Straßenbaulastträger", in diesem Falle, da es sich um eine Kreisstraße handle: der Landkreis.

Die könne also, so die Sicht Meyers, durchaus erfolgversprechend für jene Variante eintreten, die die Laubenzedler favorisierten: den Erhalt des schon jetzt bestehenden, schrankengeregelten Bahnübergangs. Und den Bau einer kleinen Bahnunterführung an der Ortsverbindungsstraße in Richtung Altmühlsee. Denn: Eine Brücke an der Kreisstraße, die sich zehn Meter über die Bahntrasse erhebe, und Lärmschutzwände, die den Blick auf den Altmühlsee versperren, wolle niemand im Dorf haben.

Die Hoffnung, die die Aktivisten mit dem etwas altertümlich anmutenden beschrankten Bahnübergang verbinden: Wenn er erhalten bleibe, könne auch die Umgehung Schlungenhof nicht wie geplant an Laubenzedel heranrücken. Denn: Auf beiden Seiten der Schranken müsse genügend Platz für sich stauende Fahrzeuge bleiben.

Meyer, Steinweg-Pitsch und Norbert Ellebracht, der dritte Vertreter Laubenzedels in der genannten Arbeitsgruppe, appellierten an die Besucher des Informationsabends, mit einer erneuten Unterschriftenliste Druck auf die Politik zu machen. Und möglichst viele Namen auf dieser Liste verliehen den Vertretern in der AG sowie Sprechern der IG die Legitimation, im Namen ihrer Mitbürger zu sprechen.

"Alle befragt"

Beate Steinweg-Pitsch informierte über den neuesten Stand der Trassenplanung für die Umgehung Schlungenhof. Für die gibt es fünf Varianten, von denen für die Laubenzedler im Grunde nur eine in Frage komme: die sogenannten "Null-Variante", also der Ausbau der bestehenden Ortsdurchfahrt. Das sei insbesondere deshalb sinnvoll, weil direkt an der Durchfahrtstraße ohnehin nur noch vier Häuser bewohnt seien – und die dort ansässigen Gewerbetreibenden eher von der Bundesstraße profitierten. Gerhard Meyer: "Ich habe sie alle befragt, sie wollen, dass der Verkehr im Ort bleibt."

Für die drei Varianten, die das Ackerland durchschnitten und an unterschiedlichen Stellen auf die B 466 träfen, wollten die Grundbesitzer kein Land abtreten, so Meyer. Außerdem würden mit ihnen die Hauptwohngebiete Schlungenhofs vom Verkehrslärm getroffen. Und der Favorit der seit Jahrzehnten lärmgeplagten Schlungenhöfer, die sogenannte "Holzbauer-Trasse", die auf Laubenzedler Seite parallel zur Bahnlinie verlaufen soll, "kommt für uns nicht in Frage", so Steinweg-Pitsch resolut.

"Jahrhundert-Projekt"

Noch sei nichts unterschrieben, noch habe man "eine Chance", appellierte Gerhard Meyer an seine Zuhörer. Und verlangte von Karl-Heinz Fitz eine "umfassende Aufklärung der Bürger", die nicht länger "mit Halbwissen abgespeist werden wollen". Ein "Jahrhundert-Projekt" wie dieses müsse gut überlegt und diskutiert werden, die Entscheidung darüber dürfe "nicht in den Amtsstuben fallen", denn: "Am Ende haben WIR die Probleme."

Und mit Blick auf die Wahlen in diesem (Landtag) und im übernächsten Jahr (Stadtrat) warnte er die Politiker vor der Reaktion an der Wahlurne: "Das Kreuzlein machen wir selber!" Wofür es donnernden Applaus im vollen Saal gab — und wieder lag ein Hauch von Rebellion in der Luft.

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