Dienstag, 12.11.2019

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Gunzenhausen: Runder Tisch für den Burgstallwald?

Freie Wähler wollen ein ähnliches Fiasko wie im Frühsommer verhindern - 15.10.2019 17:02 Uhr

Viel Geld und Arbeit hat die Stadt im Frühsommer in die Bekämpfung der Schwammspinnerraupen im Burgstall investiert. Wenn es nach den Freien Wählern geht, soll die Verwaltung nun prüfen, inwieweit hier auf Schadensersatz geklagt werden kann. © Isabel-Marie Köppel


Wie Dr. Werner Winter, der Vorsitzende der FW-Fraktion im Stadtrat, schreibt, ist der Burgstallwald mit seinen 118 Hektar Wald im Sinne des Netzes "Natura 2000" Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet). Dort sind unter anderem Vögel, wie der seltene Mittelspecht, und die Bechsteinfledermaus zuhause. Letztere ist wie keine andere Art auf Laubwälder spezialisiert, sehr ortstreu und damit im Bestand verletzbar, so Werner Winter. Die Konkurrenz mit anderen Fledermausarten und Vögeln ist groß, deshalb brauchen die Bechsteinfledermäuse "Baumhöhlen im Überfluss". Es gelte, den Burgstallwald mit seinen vielen Alteichen als Schutzgebiet, welches das Weiterleben der Bechsteinfledermaus sichern soll, unbedingt zu erhalten.

Der FW-Sprecher denkt in seinem Antrag ans Rathaus aber nicht nur an die Bechsteinfledermaus, sondern an die Bedeutung des Burgstallwaldes für die Bevölkerung. Das Gebiet diene den Bürgern als naturnaher Park.

Für das FFH-Gebiet gibt es laut Winter einen Managementplan, in dem unter anderem festgelegt ist: "Alle Maßnahmen, die zu einer erheblichen Verschlechterung der für das Gebiet maßgeblichen Lebensraumtypen und Arten führen, sind demnach verboten.

Im Einzelfall beurteilen

Ob Maßnahmen in Konflikt mit dem Verschlechterungsverbot geraten können, muss jeweils im konkreten Einzelfall beurteilt werden. Maßstab ist das Gesamtgebiet, nicht die einzelne Parzelle." Dieser Managementplan liege der Stadtverwaltung vor, betont Werner Winter.

Ein Runder Tisch soll sich mit dem Erhalt des Burgstalls als Lebensraum der Bechsteinfeldermaus befassen. © privat


Er glaubt, dass die erfolgreiche Umsetzung des Plans nur dann gelingt und Maßnahmen nur dann akzeptiert werden, wenn die Betroffenen frühzeitig und intensiv einbezogen werden. Genau deshalb seien Runde Tische als neues Element der Bürgerbeteiligung eingerichtet worden. Die Leitung und Moderation der Diskussionen müsse in den Händen der Naturschutz- oder Forstbehörde, die den Plan federführend erarbei-tet, liegen. Neutrale Personen als Moderatoren können jedoch für die Diskussion und für die Arbeitsfortschritte hilfreich sein.

"Um ein ähnliches Fiasko wie in diesem Jahr zu vermeiden", sollte in diesem Rahmen nach Möglichkeiten gesucht werden, für den Erhalt der Bechsteinfledermaus im Burgstallwald zu sorgen. Der Stadt Gunzenhausen gehört ein Teil des FFH-Gebiets, merkt FW-Stadtrat Winter an. Er erwartet von der Stadtverwaltung, dass sie sich bei den zuständigen Behörden für einen Runden Tisch – er denkt hier an das AELF – einsetzt. Und zu dem oder den Treffen sollten auch die an den Wald angrenzenden Grundstückeigentümer eingeladen werden.

Winter hatte sich bereits im August an Bürgermeister Karl-Heinz Fitz gewandt und auf die Möglichkeit des Runden Tischs hingewiesen. Er regte damals an, dass ein Vertreter des AELF im Stadtrat über den Managementplan berichtet und die Fraktionen den Plan erhalten. Er sprach zudem die Befürchtung aus, dass beim brisanten Thema Burgstallwald Entscheidungen nach Gutsherrenart im Hinterzimmer getroffen werden könnten.

In ihrem jetzigen Antrag bitten die Freien Wähler, neben dem Runden Tisch, auch um Prüfung, inwieweit die Stadt für die in diesem Jahr bei der Stadt angefallen Personal- und Sachkosten im Rahmen der Schwammspinner-Aktionen auf Schadenersatz klagen könnte. Ihre Vermutung: Es sei bekannt gewesen, welche Schäden entstehen, wenn man gegen die Populationen des Schwammspinners nicht entschieden vorgeht. Und man habe auch wissen können, dass es möglich ist, die Population des Schwammspinners bis zu 80 Prozent zu reduzieren.

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