Mittwoch, 29.01.2020

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Gunzenhausen: Schöne Kirchweih mit Schwächen

Beim Bilanzgespräch gab es Lob für die Organisatoren, aber auch Kritik. - 27.11.2019 17:28 Uhr

Schönes Spektakel mit Schwächen: Die Bilanz der Gunzenhäuser Kirchweih fiel nicht rundum positiv aus. © Christian Pohler


Tourismuschef Wolfgang Eckerlein zog zunächst eine positive Bilanz von der 618. Kirchweih. Der doch etwas späte Termin für diese Rückschau sei aus Rücksicht auf die Festwirte und Schausteller gewählt, denn die Kirchweihsaison endete erst vor wenigen Wochen, und danach sei erst einmal Urlaub notwendig gewesen.
Vom Aufstellen des Kirchweihbaums bis zum letzten Rocksong der „Sharks“ im Bierzelt blickte der „Kirchweihbürgermeister“ detailliert auf die Festwoche zurück. Ein wichtiger Höhepunkt für die Stadt ist dabei der Festzug, an dem heuer 54 Gruppen und sechs Musikkapellen sowie die Big Band des Simon-Marius-Gymnasiums teilnahmen. Sie erhielten im Gegenzug von der Stadt knapp 5500 Euro an Aufwandsentschädigung.
Sehr gut angenommen wird der Nachmittag für Senioren, Behinderte und die Bewohner des Bezzelhauses. Berührungsängste zeigten die Senioren allerdings beim günstigen Mittagstisch, der im Festzelt Widmann explizit für alle Senioren gedeckt worden war. Nur 179 ältere Mitbürger nahmen das Angebot an.
Erfreulich ist für Wolfgang Eckerlein, dass sich die Gunzenhäuser Vereine wieder stärker auf der Kirchweih engagieren. Kirchliche Angebote wie die „Seelsorge zwischen Himmel und Erde“ und der „Autoscooter-Gottesdienst“ rundeten das Programm ab.
Das Wetter spielte diesmal gut mit, und so war der Festplatz gut besucht. Weit weniger frequentiert als früher wurde der Kirchweihbus. Im Spitzenjahr 2010 wurden 4905 Fahrgäste registriert, heuer waren es gerade einmal 2253.
Zahlen, die direkt mit dem Bierkonsum zusammenhängen könnten. Der ging nämlich nach Eckerleins Worten deutlich zurück und zwar im „zweistelligen Hektoliterbereich“. Dies und die Sperrstunde gaben sicher auch den Ausschlag dafür, dass diese Kirchweih so „extrem friedlich“ verlief, dass es den BRK-Nachwuchskräften auf dem Platz so „richtig langweilig“ war, berichtete Eckerlein augenzwinkernd.
Bereits zum dritten Mal in Folge war auf dem Festplatz wochentags um 24 Uhr und am Wochenende um 1 Uhr Schluss. Mit diesen Sperrzeiten können die meisten Kirchweihbesucher und auch die beiden Festwirte Andreas Widmann (Bierzelt) und Horst Gruber (Regionalzelt) gut leben, wie sie in der Sitzung bestätigten. Problematisch sei allerdings der Umgang mit den Besuchern, die kurz vor Mitternacht noch eine Maß ordern. Die kann und will er nicht um Punkt 24 Uhr aus dem Zelt werfen, machte Widmann klar. Deshalb wäre es für die Festwirte hilfreich, wenn es eine Regelung mit dem Ordnungsamt gebe, dass das Zelt erst um 0.30 Uhr geschlossen werden muss. Das dürfte laut Eckerlein kein Problem sein.

Ein Garant für ein volles Haus sind die „Störzelbacher“. Die Kultband zog auch bei der diesjährigen wieder die Massen ins Bierzelt. © Christian Pohler


Was den Bierkonsum betrifft, ist Gunzenhausen kein Sonderfall, hier spiegelt sich ein deutschlandweiter Trend wider. Es werde einfach, sagte etwa der CSU-Fraktionsvorsitzende Manfred Pappler, weniger Alkohol getrunken. Das wirkte sich auch im Regionalzelt aus. Der Gesamtumsatz, erläuterte Horst Gruber, habe aber gepasst.
Nicht ganz teilen wollte die uneingeschränkte Begeisterung Dr. Werner Winter (Freie Wähler). „Die ältere Generation fühlt sich auf dieser Kirchweih nicht mehr wohl“, monierte der Unterwurmbacher und nannte als Grund unter anderem die laute Musik. Da es in Gunzenhausen zwei Zelte gebe, müsse er hier um sein Publikum „kämpfen“. Wenn er (Blas-)Musik für die älteren Generationen anbiete – wie etwa am Kirchweihmontag – dann sei das Zelt um 22 Uhr leer.
Ein echtes Problem bleibt der sehr schlecht besuchte Dienstag. Auf anderen Plätzen sei es mittlerweile üblich, unter der Woche einen Ruhetag einzulegen und dafür das Festzelt schon am ersten Freitagabend zu öffnen. Dass sich das auch in der Altmühlstadt durchsetzen könnte, da machte Bürgermeister Fitz den Festwirten keine Hoffnungen. Allerdings stimmte er zu, dass man sich für den Dienstag etwas überlegen müsse.
Am Ende sorgte Festplatzorganisatorin Sabrina Zöllner noch für einen kurzen Schockmoment. Sie bat darum, dass Eckerlein für ihren Redebeitrag kurz den Saal verlassen solle. Sie wollte allerdings nicht etwa geharnischte Kritik üben, sondern sang ein echtes Loblied auf den „Kirchweihbürgermeister“. Sie arbeite mit vielen kommunalen Mitarbeitern zusammen, aber Eckerlein sei einfach „der Beste“. Stets präsent und ansprechbar habe er alles im Blick. „Ich weiß gar nicht, ob er weiß, dass er da so geschätzt wird“, meinte Sabrina Zöllner, die Eckerlein mit ihren Worten nicht „beschämen“ wollte und deshalb darum gebeten hatte, dass er kurz aus dem Raum geht.
Im kommenden Jahr steht die Kirchweih vom 12. bis 20. September – und damit sehr spät im städtischen Terminkalender.

 

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