"So ein Angebot kommt nie wieder"

Gunzenhäuser Stadträte begrüßen Hetzner-Projekt

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 14.09.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Marianne Natalis..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Marianne Natalis

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8.8.2021, 07:06 Uhr
Der Internet Dienstleister Hetzner Online aus Gunzenhausen will zwischen Aha und dem Gewerbegebiet Scheupeleinsmühle auf einem 50 Hektar großen Gelände ein Rechenzentrum und eine Photovoltaikanlage errichten. 

© Horst Kuhn, NN Der Internet Dienstleister Hetzner Online aus Gunzenhausen will zwischen Aha und dem Gewerbegebiet Scheupeleinsmühle auf einem 50 Hektar großen Gelände ein Rechenzentrum und eine Photovoltaikanlage errichten. 

Der in Gunzenhausen ansässige Internet-Dienstleister Hetzner Online will, wie berichtet, ein neues Rechenzentrum samt Solaranlage bauen und zwar auf einem rund 50 Hektar großen Gelände zwischen Aha und dem Gewerbegebiet Scheupeleinsmühle. Da ein Rechenzentrum einen hohen Strombedarf hat, wäre gerade die Nähe zum dortigen Umspannwerk ideal.

Die Existenzfrage stellt sich

Allerdings sind 50 Hektar "für unsere Landwirte eine Größenordnung, die sie so leicht nicht ausgleichen können", brachte Harald Romanowski (Freie Wähler) das Thema in der jüngsten Sitzung des Stadtratsausschusses für Bauangelegenheiten, Stadtentwicklung und Umwelt zur Sprache. Der Ahaer Ortssprecher bezog ganz klar als Befürworter des Projekts Stellung, zeigte aber auch Verständnis für die Probleme der Landwirte. Wenn ein Bauer von jetzt auf gleich bis zu zehn Hektar Land verliere, dann stelle sich für ihn die Existenzfrage. Denn danach richtet sich auch, wie viel Vieh im Stall stehen darf und wie viel Gülle ausgebracht werden kann.


Bei Aha soll ein riesiges Rechenzentrum entstehen


Zudem ist es laut Romanowski nicht gerade die beste Zeit, um Land zu verkaufen. Zunächst gehen nach seiner Rechnung 50 Prozent an den Fiskus, bei den Banken werden Strafzinsen verlangt und die Inflation tue ihr Übriges. Wer also aktuell keine Pläne habe, was er mit dem Geld aus dem Verkauf des Landes anfange wolle, werde schwer davon zu überzeugen sein. Für Romanowski stellte sich deshalb die Frage, ob man nicht etwas kleiner anfangen könnte.

Perspektiven für die Jugend

Für Gunzenhausen sei das Projekt aber fraglos sehr wichtig. Denn in den nächsten Jahren "werden wir viele Arbeitsplätze in der Autoindustrie" verlieren. Die Stadt müsse aber ihrer Jugend auch berufliche Perspektiven geben. Eine solche wären die 100 bis 150 Arbeitsplätze, die in dem Rechenzentrum nach Worten von Bürgermeister Karl-Heinz Fitz entstehen sollen.

Wenn ein Gunzenhäuser Unternehmer mit einem Konzept an die Stadt herantrete, dann könne die ihm nicht vorschreiben, dass er doch erst einmal kleiner anfangen solle, erläuterte Fitz. Und der Bürgermeister stellte noch einmal klar: Wenn Hetzner Online sein Projekt nicht in Gunzenhausen umsetzen kann, dann werde er sich eben einen anderen Standort suchen. "So ein Angebot kommt nie wieder", sagte Fitz wörtlich.


Hetzner Online - ein Global Player aus Gunzenhausen


Zudem vereine das Projekt die zwei aktuelle Zukunftsthemen schlechthin, nämlich die Digitalisierung und den Klimawandel. Denn den für das Rechenzentrum nötigten Strom will das Unternehmen so weit als möglich mit der neuen Photovoltaikanlage produzieren. Zudem falle weder Schwerlastverkehr noch Produktionslärm an, gab Manfred Pappler (CSU), der von einer "historischen Chance" sprach, zu bedenken. Darüber hinaus konnte Fitz einen Aspekt, der bereits in einem Leserbrief genannt wurde, nur unterschreiben: "Ich möchte meine Daten auch nicht in China verhostet wissen."

Verantwortung für die Stadt

Auf die Stadt kommen laut Fitz in den nächsten Jahren große Aufgaben zu, er nannte als Beispiel nur die Generalsanierung der Stephani-Schule, hier rechnet der Rathauschef mit Kosten von rund 30 Millionen Euro. Für ihn geht es deshalb in dieser Sache auch um Verantwortung. Der Bürger müsse sich entscheiden, wie er künftig in Gunzenhausen leben wolle.

In dieses Horn blies auch Sigrid Niesta-Weiser, die, bei allem Verständnis für die Landwirtschaft, an die "Sozialbindung" des Eigentums erinnere. Frage man die Menschen, was sie aktuell für eine der zentralen Aufgaben halten, dann höre man sehr oft das Stichwort Datenautobahnen. In der Umsetzung des Hetzner-Projekts sieht die FDP-Stadträtin einen ganz wichtigen Beitrag "zur Sicherung der Lebensqualität in unserer Stadt".

Investor bringt Tauschflächen ein

Die Rechtsanwältin erinnerte zudem daran, dass viele Landwirte ihre Betriebe aufgeben müssen, weil sie keinen Nachfolger finden. Hier würde sich doch sicher Ersatz finden lassen für das Land, das bei Aha verkauft werden solle. In der Tat könne der Investor, so Fitz, auch "Tauschflächen einbringen" und auch die Stadt unterstützte die Landwirte gerne bei der Suche nach geeigneten Tauschflächen.

Herbert Gutmann (Grüne), selbst Landwirt, mahnte an, die Sorgen der Bauern ernst zu nehmen. Für sie seien landwirtschaftliche Flächen einfach sehr wichtig. Dennoch hält auch der Laubenzedeler das geplante Rechenzentrum für eine "sehr sehr wichtige Investition" für Gunzenhausen.

Die Stadt sei in Kontakt mit allen 23 Eigentümern. Nach der gemeinsamen Veranstaltung am 19. Juli, finden nun nach seinen Worten Einzelgespräche statt. Deshalb plädierte der Bürgermeister dafür, derzeit "den Ball flach zu halten", zunächst gehe es darum, alle Grundstücksinhaber "ins Boot zu holen".

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