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Samstag, 24.08.2019

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Heidenheim: Kloster-Bilanz fällt gemischt aus

Seit 100 Tagen ist der Westflügel in Betrieb - Angebot überprüfen - 30.06.2019 07:07 Uhr

Vor 100 Tagen wurde der Westflügel des Klosters Heidenheim feierlich in Betrieb genommen. Die erste Bilanz fällt gemischt aus. © Limes-Luftbild.de


Zunächst erläutert Seefried die Zugehörigkeit des Betriebs, da es dabei immer wieder zu Verwechslungen komme. Es handelt sich um eine hundertprozentige Tochter des Zweckverbands Kloster Heidenheim, der wiederum ein Zusammenschluss der örtlichen Marktgemeinde und des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirks Heidenheim ist. Deshalb sollte sich jeder Bürger bewusst sein, dass er selbst Teil der Klosterbetriebe ist, und jeder Euro, den er dort ausgibt, auch der Gemeinde zugute kommt.

Elf Mitarbeiter stemmen den gesamten Betrieb. Dabei ist nur einer in Vollzeit angestellt – der Leiter des Klostergasthofs. Seefried und seine Assistentin haben beide einen 20-Stunden-Vertrag – zumindest "auf dem Papier", wie einer der Anwesenden hineinruft – alle anderen sind ebenfalls in Teilzeit oder auf Minijobbasis angestellt. Sowohl der Klosterladen als auch das Museum sind jeden Tag geöffnet. Es sei viel Arbeit für alle, sagt Seefried, und hebt jeden einzelnen Mitarbeiter namentlich hervor.

Die Bildungsstättenberatung Krause & Böttcher hat vorab Plan-Umsätze für die einzelnen Bereiche berechnet, sowohl auf das ganze Jahr betrachtet als auch auf die ersten vier Monate vom 1. März bis 30. Juni. Jede einzelne Sparte übertrifft die Zahlen bei weitem, außer das Museum. Hier rechneten sie mit 10 500 Euro in den ersten vier Monaten. Erwirtschaftet hat es allerdings nur knapp 3300 Euro. Am besten steht hingegen der Klostergasthof da, mit knapp 19 000 Euro mehr gegenüber den geplanten 32 000 Euro.

Seefried zeigt einen kurzen Ausschnitt aus dem Reservierungsplan des Restaurants. Taufe an Hochzeit an Betriebsfeier an sonstigen Gruppenanmeldungen reihen sich aneinander. Über 3000 Gäste hätten sie schon bewirtet, schätzt der gebürtige Mitteleschenbacher. Ab August unterstützt eine zusätzliche Köchin in Vollzeit das Küchenteam, die schon sehnsüchtig erwartet wird. Häufig findet das Catering auch in anderen Räumen oder im Klostergarten statt. Darin verbirgt sich allerdings eine Schwäche des Klosters: Dort im Garten gibt es weder einen Strom- noch einen Wasseranschluss oder eine Spülmaschine.

"Wir sind zu schwach in der Werbung", zählt Seefried als ein weiteres Manko auf. Stärken liegen hingegen im Kloster selbst, seiner Geschichte, der Ruhe und der Landschaft. Vorteilhaft ist ebenfalls die Anbindung an viele Wege, die an Heidenheim vorbeiführen. Unzufrieden ist er noch mit den Seminaren und Veranstaltungen. Zwar ist auch hier der Umsatz höher als erwartet, doch die Internetseite des Klosters sei beispielsweise veraltet. "Es ist schwer, ein Seminar zu buchen", räumt der Geschäftsführer ein. Ebenso müssten sie ihr Angebot noch mal überprüfen.

In einer gemütlichen Runde haben Reinhold Seefried, seine Mitarbeiter und viele Anwesende der Informationsveranstaltung den Abend im Klostergarten ausklingen lassen. © Foto: Isabel-Marie Köppel


Zu einer sogenannten SWOT-Analyse gehört auch die Bewertung von Chancen und Gefahren. Möglichkeiten sieht er viele, ein Risiko ergibt sich aus dem Personal. Gutes sei schwer zu finden. Wer hier arbeiten möchte, muss vielseitig sein. Als Beispiel nennt er seine Assistentin Sandra König. Die mache nicht nur Büroarbeit, sondern stehe auch hinter der Theke oder bediene. "Meine Mittagspause verbring’ ich mit Kochen im Klostergasthof", sagt Seefried.

Alles in allem wirkt der Geschäftsführer aber zufrieden. Das Startkapital lag quasi bei Null, und trotzdem könnten sie die laufenden Kosten von rund 13 000 Euro im Monat stemmen und zusätzlich investieren, wie etwa in die Yogaausstattung.

Dekan Klaus Kuhn wohnt der Informationsveranstaltung ebenfalls bei. Erst vor Kurzem hat er beim Landkreis einen Betriebskostenzuschuss für den Zweckverband, wo er Vorsitzender ist, erbeten. Ob es tatsächlich ein Defizit geben wird, könne er noch nicht sagen. Denn der Haushaltsplan sei noch nicht fertig aufgestellt.

Die beiden Museen im Landkreis (Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen und das Römermuseum in Weißenburg) haben ebenfalls einen Antrag gestellt. Das sei der Ausgangspunkt für ihn gewesen, "einfach, damit er gestellt ist". Falls es zu einem Defizit kommen sollte, möchte er sich nicht nachsagen lassen können, er habe sich nicht gekümmert. 

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