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Heidenheim: Zurück im Klassenzimmer

Wie die Hahnenkammschule wieder in den Präsenzunterricht zurückfindet - 27.06.2020 06:19 Uhr

Die obligatorischen Plexiglasscheiben finden sich auch in der Hahnenkammschule. Hier trennen sie Rektorin Silvia Feld (links) und Konrektorin Michaela Kirchmeier. © Jürgen Leykamm


Wie die genau aussehen, hat Michaela Kirchmeier mit ihren Neuntklässlern selbst erarbeitet. Waren sie doch die ersten der insgesamt 280 Grund- und Mittelschüler, die nach den langen Wochen des Homeschoolings wieder kommen durften.

"Wir haben darauf verzichtet, jeden einzelnen Bereich genau zu reglementieren", erklärte die Konrektorin im Gespräch mit dem Altmühl-Boten. Denn dann wäre wohl ein Schnellhefter schnell voll geworden. So aber "passt unser Konzept auf eine Seite". Und es umfasst gerade einmal zehn Punkte. In der knapp gehaltenen Form sind die Corona-Vorgaben gut umzusetzen, das kommt vor allem bei den jüngeren Schülern sehr gut an. "Kinder lieben klaren Regeln und halten sich auch sehr gut daran", wissen die beiden Chefinnen aus Erfahrung.

"Ich freue mich schon sehr, endlich wieder in die Schule gehen zu können", atmet beispielsweise Zainab auf. "Da lernt es sich einfach leichter", sagt die Drittklässlerin, die später einmal Kinderärztin werden will. Auch Alexander darf nun seine zweite Klasse wieder besuchen. Eine Erleichterung auch für die Eltern, für die das Organisieren des Homeschoolings – wie für so viele andere Eltern – eine Herausforderung darstellte.

Toben mit Maske

Sechstklässlerin Lea kommt in den Genuss der Mittagsbetreuung, in der sie natürlich auch das Toben über den Pausenhof genießt. Dabei heißt es aber: Maske auf! "Nur bei ganz schnellen Bewegungen darf sie abgenommen werden", erläutert Rektorin Silvia Feld. Das soll möglichen gesundheitlichen Problemen beim Einatmen vorbeugen. "Mir ist schon mal schwindlig geworden", erzählt Lea.

Dass sie die Hälfte ihrer Kameraden und Kameradinnen in der Schule immer noch nicht treffen können, ärgert Zainab, Alexander und Lea schon ein bisschen. Belastend sei auch, dass die Corona-Pandemie – notgedrungen – im Schulalltag "Thema Nummer eins" ist. Und dann gibt es da ein paar Ungereimtheiten, die auch Feld und Kirchmeier nicht ganz nachvollziehen können. Denn während man im Schulleben penibel auf die Einhaltung der Mindestabstände achtet und die Schüler an den Tischen alleine sitzen, scheint Abstand wahren bei den Busfahrten kein Thema zu sein. Bis auf die Maskenpflicht, die sehr wohl befolgt werde, "ist eigentlich alles wieder wie vorher", hat es für Rektorin und Konrektorin den Anschein.

Ein großes Lob geht an den Hausmeister und das Putzteam, die täglich den potenziellen Keimen zu Leibe rücken. Die Schüler sind hier aber ebenso gefragt. "Im Computerraum desinfizieren sie alles selbst", berichtet Silvia Feld. Um die Herausforderungen einer Krise wie der jetzigen zu stemmen, "muss die ganze Schulfamilie zusammen halten".

Keine großen Aktionen

Was den Unterricht anbelangt, sei derzeit leider all das, was Schule eigentlich ausmacht, gerade nicht möglich. Die lebendige Interaktion mit den Schulbesuchern sei doch stark eingeschränkt. Ganz zu schweigen von den großen Aktionen: Sportfest, Abschlussfahrt, Schullandheimaufenthalt, Kinotag, Bauernhofbesuch: "Da könnten wir jetzt eine lange Liste erstellen und sie dann komplett rot durchstreichen", bedauert Kirchmeier.

Eine feierliche Zeugnisübergabe dürfte immerhin möglich sein. Aber wer weiß das schon so genau in Zeiten sich ständig ändernder Corona-Bestimmungen. Oft seien am Freitagnachmittag maßgebliche Änderungen ins Haus geflattert, "die wir dann schon am Montag umsetzen sollten", so die Konrektorin. Bis zu fünf Meldungen seien täglich aus dem Kultusministerium gekommen. "Wir haben einen ganzen Ordner voll davon." Nicht vergessen werden durfte bei all dem Organisatorischen der Unterricht, der gerade in der Homeschooling-Phase vieles abverlangte. Das reichte von Videokonferenzen abhalten, Erklärvideos erstellen, die Schüler digital mit Lernstoff und Aufgaben versorgen. Man sei förmlich "in die Digitalisierung hinein geworfen worden." Diesbezüglich "ist Corona ein heilsamer Schock" gewesen. Das wichtigste aber war laut Kirchmeier: "Kontakt halten!" Die Lehrer seien für ihre Schützlinge und den Eltern "rund um die Uhr und sieben Tage die Woche Ansprechpartner gewesen."

Motivation ließ nach

Die Schülerin einer Abschlussklasse quälte sich lange mit einem Smartphone bei der Bearbeitung ab. Bis sich ein alter Laptop für sie fand. Ganz analog wurden Arbeitsblätter per Päckchen hin und her transferiert. Zum Ende der langen Homeschooling-Phase sei die nachlassende Motivation bei den Schülern bemerkbar gewesen. Kirchmeier erinnert sich vor allem an die Rückmeldung eines Schülers: "Ich sitze hier traurig vor dem Schreibtisch – haben Sie nicht etwas für mich?"

Viele, die sich vorher schon schwer taten, im Schulalltag anzukommen, seien da wieder zurückgefallen: "Da hat sich leider die Schere weiter geöffnet." Nun heiße es wie Sisyphus wieder neu anzufangen. Dies aber zu verbesserten Bedingungen, denn "die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist in den letzten Wochen sehr stark gewachsen", berichtet Feld. Und ein positives hat die Corona-Zeit für manchen Schüler außerdem gebracht: Sitzenbleiben kann in diesem Schuljahr keiner – nur freiwillig die Klasse wiederholen.

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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