Heizomat: Von Maicha und "Hanna" in die ganze Welt

24.5.2021, 07:33 Uhr
Ein seltener Anblick: die Unternehmerfamilie Bloos komplett (von links): Tina Gerhardt geborene Bloos, Tobias Bloos, Robert Bloos senior, Petra Bloos, Robert Bloos junior, seine Frau Nicole und Melanie Steinhöfner geborene Bloos.

Ein seltener Anblick: die Unternehmerfamilie Bloos komplett (von links): Tina Gerhardt geborene Bloos, Tobias Bloos, Robert Bloos senior, Petra Bloos, Robert Bloos junior, seine Frau Nicole und Melanie Steinhöfner geborene Bloos. © Foto: Reinhard Krüger

Hier, in der tiefsten Provinz möchte man beinahe sagen, steht ein innovatives Werk, das sich konsequent dem Klima- und Umweltschutz verschrieben hat. Ein automatisiertes Heizsystem, das regelmäßig und kontinuierlich zerkleinerte Holzabfälle, wie Strauchwerk, in Form von Hackschnitzeln in einen Ofen fördert, heißt die Lösung, die sich Robert Bloos bereits 1982 ausgedacht hat.

Damals, vor knapp 40 Jahren war es der gelernte Schlosser und Lkw-Fahrer leid, abends in sein kaltes Haus zu kommen. Eine Öl-/Gasheizung lehnte er schon damals kategorisch ab. Also tüftelte er so lange herum, bis er das fand, was heute Heizomat heißt. Diese beiden Begriffe Heizen und Automatik kombinierte er; und sein Sohn Robert Bloos jun. führt die Idee weiter. Der heute 34-jährige gelernte Industriemechaniker ist der Geschäftsführer eines Familienunternehmens der ganz besonderen Art.


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Besonders deshalb, weil alle vier Kinder von Petra und Robert Bloos samt Schwiegerkindern in unterschiedlichen Positionen aktiv mitarbeiten. Roberts Frau Nicole ist im kaufmännischen Verkauf tätig, seine zwei Kinder im Vorschulalter spielen wie selbstverständlich auf dem weitläufigen Gelände. Und wenn sie nach Mama oder Papa rufen, irgendjemand weiß immer, wo die gerade stecken. Tina Gerhardt, die 45-jährige ältere Schwester von Robert jun. ist für Marketing und Werbung zuständig. Ihr Mann Thomas leitet die Sparte Hackmaschinen der Produktionsstätte im ehemaligen Gelände der Hahnenkamm-Kaserne. Die Kinder der zweifachen Großmutter arbeiten bereits ebenso im Familienbetrieb mit.

Für jeden gibt's eine passende Aufgabe

Und so geht das weiter mit dieser Familie. Melanie Steinhöfner (39), eine geborene Bloos, sorgt schwerpunktmäßig für eine geordnete Buchhaltung und bedient daneben die Social-Media-Kanäle des Unternehmens, während ihr Mann Gerhard den Part als Leiter der Hacker-Endmontage ausfüllt. Fehlt noch einer: Tobias Bloos (30), verheiratet, zwei Kinder. Er kümmert sich unter anderem um die Homepage-Gestaltung, Netzwerk- und Datenbankanwendungen, Entwicklung von Software und Bürokommunikation; und auch er verkauft Heizomat-Produkte.

Mechatroniker Michael Moninger verpasst einen kurz vor der Auslieferung stehenden Heizohack den letzten Schliff.

Mechatroniker Michael Moninger verpasst einen kurz vor der Auslieferung stehenden Heizohack den letzten Schliff. © Foto: Reinhard Krüger

Es scheint, dass alle Bloosens glücklich mit dieser Konstellation sind. "Gscheit oder gar net", sagt Robert Bloos jun. dazu. Ihm sieht man es am allerwenigsten an, dass er das Sagen bei Heizomat hat. Wie selbstverständlich läuft er in Monteurshose mit Heizomat-Logo und entsprechendem Polo-Shirt und Pulli durch die Hallen und sitzt so auch im Büro. Sein Schreibtisch unterscheidet sich von keinem anderen des Unternehmens. "Alle sind aus Massivholz, alle haben die gleiche Ausstattung und Maße", sagt er. Er will sich nicht wichtiger machen, bleibt, wie die gesamte Familie, geerdet. Kein feiner Zwirn, sondern anpacken heißt seine Devise.

Ihre Händler und Partner von Kanada bis Neuseeland, von Dittenheim, Pfofeld bis nach Sibirien schätzen genau dieses Flair. "Sie lieben, dass wir eine große Heizomat-Familie sind", sagt Melanie Steinhöfner und zeigt einen Post auf Instagram, den ein französischer Händler geschrieben hat. Und was genau ist das Geheimnis dieses außergewöhnlichen Geschäftsmodells?

Holzhacker selbst entwickelt

Ursprünglich dachte Robert Bloos senior an die Landwirte der Region mit eigenem Wald. "Des ham doch die meisten", überlegte er sich im schönsten Fränkisch. Die nächste Frage lautet: Wie kommen die vom Käfer befallenen Bäume, Sträucher und weitere Holzabfälle vom Wald so in die Häuser, dass es auch klappt mit dem Heizen? Die Antworten darauf ist das Know-how des Unternehmens.

Erst den Markt abgrasen, ob es etwas bereits gibt, hieß es. Der gab nicht allzu viel her, vor allem die Holzhackgeräte. "Die waren technisch nicht so gut", erinnert sich Robert Bloos jun. Und eingedenk der berühmten Sätze des deutschen Erfinders Artur Fischer: "Geht nicht gibt’s nicht. Geht so nicht, das gibt’s", entwickelten und bauten die Bloosens einfach selbst einen Holzhacker, made by Maicha.

Und nicht nur diesen, sondern einfach alles, was man so braucht: Das Kerngeschäft sind die Hackgutheizungen, mit einer patentierten Transporttechnik, die bereits über 35.000 mal verkauft worden sind. Dann die Holzhackmaschinen und eine raffinierte Befülltechnik für Hackschnitzellager, Hackschnitzel-Transportsysteme, Greifzangen und innovative Solartracker runden das anspruchsvolle Portfolio ab. Nicht zu vergessen eigens modifizierte 6x6 Allrad Arocs Lkw von Mercedes.

Alles unter einem Dach

"Der Kunde braucht nirgendwo sonst hinzugehen, wir haben alles unter einem Dach", versichert Marketingleiterin Tina Gerhardt. Gerade bei dem wuchtigen und monströsen grünlackierten Lkw leuchten so manche Männeraugen, lächelt sie. Der Fahrer muss gar nicht mehr aussteigen, um schwere Baumstämme aus dem Unterholz zu fischen. Dank einer so genannten Stream-Space-Kabine dreht er seinen Sitz einfach um 180 Grad und schaut durch eine rückseitige Panoramascheibe. Damit kann er den Kran und alles andere von innen aus bedienen. Das kommt bei der Kundschaft an.

Und auch das Vertriebssystem hat es in sich. Der bayerische und württembergische Markt wird direkt von Maicha aus beliefert. Anderswo übernehmen Lizenzfirmen die Kundenbetreuung, etwa in Österreich, Schweiz, Frankreich, Kanada und in weiten Teilen der Welt. "Das spart enorme Kosten, und die Kunden haben ihre Ansprech- und Vertriebspartner quasi vor Ort", erklärt Bloos jun. die Unternehmenspolitik.

Und warum das Ganze? "Dem Vater war und ist der Schutz der Umwelt enorm wichtig", erklärt Tochter Melanie die Gedankengänge des Familienoberhaupts. Tüfteln und entwickeln von immer neueren Erleichterungen beim Heizen mit Holz ist nach wie vor die große Leidenschaft des 68-Jährigen, vom operativen Geschäft hat er sich allerdings längst zurückgezogen und den Stab an seinen Sohn Robert übergeben. Dieser liebt flache Hierarchien, will nichts Besseres sein. Selbstbewusst ist er allerdings. "Wir sind einfach anders", verrät er sein Erfolgsrezept.

Vom Einfamilienhaus bis zum großen Hotel

Bei einem kleinen Rundgang durchs Gelände wird das deutlich. Die Mitarbeiter grüßen höflich, aber nicht untertänig. "Servus Robbie", schallt es einem entgegen. Eine große Ausstellungshalle dient dazu, dem Kunden aus Russland, Japan oder dem Allgäu genau zu zeigen, was er braucht. Ob kleines Einfamilienhaus, ein ganzes Dorf oder ein großes Hotel, alpine Berghütte, Schwimmbäder, Seniorenwohnheime und Krankenhäuser, hier bekommt jeder alle Gerätschaften für ein Heizen mit Holz.


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Die Produkte von Heizomat seien deshalb ein Exportschlager, "weil wir die Leute begeistern wollen", so Robert junior. Aus einem ehemaligen Abfallprodukt wird ein hocheffizienter Energieträger, der ökologischer als die viel gerühmten Pellets ist, sagt Schwester Tina. Und, na klar, CO2-neutral, das muss gar nicht mehr groß betont werden, weil Holz, weil Bäume nachwachsen.

Fürs Personal investiert

Neben dem Umweltgedanken spielt in der gesamten Familie auch die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter eine große Rolle. Als Zeichen der Wertschätzung wird im Werk Heidenheim derzeit eine großzügige Kantine mit Aufenthaltsräumen gebaut. Die Planierungsarbeiten sind fast abgeschlossen, demnächst rücken die Bagger in der Ex-Kaserne an.

In der mittlerweile 350 Meter langen und 32 Meter breiten Halle auf dem Heidenheimer Firmengelände werden sämtliche Komponenten produziert, die für ökologisches und ökonomisches Heizen mit Holz benötigt werden.

In der mittlerweile 350 Meter langen und 32 Meter breiten Halle auf dem Heidenheimer Firmengelände werden sämtliche Komponenten produziert, die für ökologisches und ökonomisches Heizen mit Holz benötigt werden. © Foto: Reinhard Krüger

Weil sie so groß geworden ist, sucht die Firma händeringend Beschäftigte und vor allem Auszubildende. Schweißer, Schlosser, Mechatroniker, Elektriker, Lackierer, Monteure werden in einer eigenen Ausbildungswerkstatt für die Zukunft fit gemacht, sagen die Geschwister Bloos. Und weil ihre Beschäftigten von überall aus dem Landkreis herkommen, ist das Thema Fahrgemeinschaft eben keines mehr. Diese Heizomat-DNA haben die Beschäftigten längst verinnerlicht.

"Weil das Menschliche passt", sagt dazu Karl-Heinz Oettinger aus Hechlingen. Der Maschinenbauer hat 2006 in der ehemaligen Kaserne mit seinen Kollegen die damalige Panzerhalle zu einer riesigen Produktionsstätte umgebaut. Stolze 350 Meter ist sie mittlerweile lang und 32 Meter breit. So groß wie das größte Containerschiff der Welt. Der heute 30-jährige Martin Reulein hat vor 15 Jahren als Anlagenmechaniker gelernt. Er sieht keinen Grund zu wechseln. "Die Bezahlung passt und das Betriebsklima ist prima", sagt er.

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