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Hesselberg: Hobbyarchäologen bei der Arbeit

Am Fuße des Bergs wird nach Gegenständen aus der Steinzeit gesucht - 28.04.2016 10:02 Uhr

Christina Walter und Stefan Dörr haben bei der Ausgrabung eine Klinge aus der Jungsteinzeit gefunden. © Hermann Thoma


In der Flur "Oberhofen" südlich von Lentersheim gelang es ihnen, die ungewöhnlich reiche Geschichte dieser ehemaligen Siedlungsfläche mit der Bergung von beweiskräftigem Material weiter aufzuhellen. Zahlreiche Bodenfunde von der Jungsteinzeit bis hin zur Frühen Neuzeit konnten von der Ackeroberfläche aufgelesen, genau eingemessen, gewaschen und für die weitere wissenschaftliche Auswertung gesichert werden.

Dieses Ehrenamtsprojekt wird seit 2015 vom Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Bodendenkmalpflege, gefördert und durch gezielte Mitwirkung des Landkreises Ansbach unterstützt. Nach dem Willen der Grundstückseigentümer und der Finder werden die Funde einmal dem Limeseum Ruffenhofen dauerhaft zur Verfügung gestellt werden.

Der Flurteil Oberhofen ist ein fruchtbares Siedlungsland und besonders siedlungsgünstiger Standort. Nach dem Einschlag des Meteoriten im Ries vor 14,5 Millionen Jahren überdeckte 20 Kilometer vom Zentralkrater bei Nördlingen entfernt eine kalksteinreiche "Ries Trümmermasse" die an sich schon fruchtbaren Böden des Schwarzjuras bei Lentersheim. Eine dort entspringende starke Quelle - heute unterirdisch gefasst - führte im Laufe der Jahrtausende zu fächerartigen Kalktuffanreicherungen des Bodens.

So verwundert es nicht, dass diese Fläche immer gerne von Menschen aufgesucht und besiedelt wurde. Die bisher von den Helfern geborgenen Funde lassen darauf schließen, dass nicht nur Römer und Germanen dort ihre Spuren hinterlassen haben, sondern auch Siedler im Früh-, Hoch- und Spätmittelalter.

Das abgebrochene Köpfchen einer sogenannten Kruselerpuppe aus dem Spätmittelalter. © Hermann Thoma


Betreut werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter bei dem Projekt vom Beauftragten des Landesamtes für Denkmalpflege Ralf Obst (Bamberg). Er ist zuständig für die Betreuung der Ehrenamtlichen in Nordbayern. Die weitere wissenschaftliche Auswertung des Fundmaterials wurde dem Archäologen Thomas Liebert (Roßtal) übertragen. Man darf gespannt sein, was er dem vielfach von Pflug und Ackerfräse zerkleinerten Fundmaterial noch an weiteren Geheimnissen entlocken kann. Die örtliche Organisation und Durchführung liegt in den Händen von Walter Vitzthum, dem archäologischen Kreisheimatpfleger aus Weiltingen, und seinem Vorgänger Hermann Thoma aus Goldbühl.

Inzwischen haben die rund 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht weniger als 800 Arbeitsstunden eingebracht und hoffen darauf, dass das Landesamt für Denkmalpflege seinerseits dieses Engagement mit einer noch ausstehenden geomagnetischen Untersuchung der dortigen Siedlungsfläche würdigt. Damit ließen sich die im Boden verborgenen Pfosten- und Gebäudespuren sowie die zugehörigen Abfall- und Feuergruben genau orten und die Häusergrundrisse des schon vor dem Dreißigjährigen Krieg aufgelassenen Weilers „Oberhofen“ planmäßig erfassen und rekonstruieren. Auch würde sich dann wohl endgültig bestätigen lassen, dass in der Nähe der Oberhofener Quelle, nur 3,5 Kilometer südlich des Limes, die Römer tatsächlich eine "Villa rustica" errichteten und zur Versorgung ihrer Truppen betrieben.

Für die Bewohner von Lentersheim und auch für den Entdecker der genaueren Lage der Wüstung Oberhofen, Horst Dierolf (Lentersheim), bedeuten die Ergebnisse der von Ehrenamtlichen unterstützten wissenschaftlichen Untersuchungen eine wertvolle Bereicherung ihrer mehr als 1000-jährigen Dorf- und Flurgeschichte. 

HERMANN THOMA E-Mail

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