Igniscum ist der Mais der Zukunft

5.10.2011, 12:00 Uhr
Igniscum ist eine vielversprechende nachwachsende Pflanze. „Conpower“-Geschäftsführer Franz A. Wimmer (rechts) und Prokurist Oliver Pickl (links) zeigten dem CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel in Maicha ihr Versuchsfeld.

© Falk Igniscum ist eine vielversprechende nachwachsende Pflanze. „Conpower“-Geschäftsführer Franz A. Wimmer (rechts) und Prokurist Oliver Pickl (links) zeigten dem CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel in Maicha ihr Versuchsfeld.

In Deutschland gibt es inzwischen an die 400 Hektar Versuchsfelder, eines davon hat die Firma „Heizomat“ nahe des Firmengeländes in Maicha angelegt. Ein Blick auf die Felder zeigt, dass immer mehr Mais angebaut wird. Der meiste geht an die Biogasanlagen, von denen es im Landkreis inzwischen mehr als 60 gibt. In ganz Deutschland sind inzwischen 17 Prozent der Ackerfläche mit nachwachsenden Rohstoffen bepflanzt.

Der Trend, aus Biomasse Strom und Wärme oder Biogas zugenerieren, hält an. Mais kann aber nur einmal im Jahr abgerntet werden, die Pflanzen bedecken nur vier Monate lang das Erdreich, an acht Monaten ist es der Erosion ausgesetzt. Die neue Bio-Rohstoffpflanze mit dem schwer auszusprechenden Namen ist jedoch eine Dauerkultur. Igniscum ist eine gentechnikfreie Züchtung aus der Gattung der Flügelknöteriche und zeichnet sich aus durch eine hohe und schnelle oberirdische Biomasseproduktion, Anspruchslosigkeit und problemlosen Einsatz in Biogasanlagen.

Sie wird als Jungpflanze mit 10.000 Pflanzen pro Hektar als Reihenkultur angelegt und ermöglicht schon nach drei Jahren fortlaufend jedes Jahr bei drei Schnitten konstant hohe Erträge. Im ersten Jahr ist zwar eine konsequente Pflege notwendig, aber danach wächst die Pflanze ohne großen Aufwand. Gerntet wird Igniscum mit dem Häcksler. Franz A. Wimmer ist überzeugt, dass Igniscum mittel- und langfristig den Mais verdrängen kann: „Aufgrund der problemlosen Vergärung mit guter Gasausbeute kann sie ein ökonomisch interessantes Substitut zu Mais und Getreide werden.“ Einmal angebaut kann Igniscum etwa zwanzig Jahre lang gerntet werden.

Bundestagsabgeordneter Göppel zeigt sich begeistert

Die „Wunderpflanze“ kennt auch Josef Göppel, der versierte Umweltpolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er hat sich am Dienstag die Versuchspflanzung bei Maicha angesehen und den „Conpower“-Leuten empfohlen, den Umweltausschuss des Bundestags zur Besichtigung einer Versuchspflanzung nördlich von Berlin einzuladen. Um die Pflanze hier zu Lande besser präsentieren zu können, rät er, die im Mai angelegte Versuchsfläche noch besser zu kultivieren oder eine neue auf einem besseren Ackerboten anzulegen. Das bisher einzige Feld ist auf einem ehemaligen Lagerplatz angelegt worden und erfüllt deshalb seiner Ansicht nach nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein gutes Wachstum.

Von der Sache her aber ist der Herriedener Bundestagsabgeordnete von der nachwachsenden Pflanze angetan. Beispielweise kommt eine 500 Kilowatt-Biogasanlage mit der Hälfte der Fläche aus, wenn sie Igniscum anstatt Mais verarbeitet. Die Pflanze, die 1,50 bis zwei Meter tief wurzelt, wird 3,50 bis vier Meter hoch. Sie ist resistent gegenüber Schädlingen. Göppel sieht den Vorteil der mehrjährigen Pflanze darin, dass sie auch für Kleintiere und Insekten Lebensraum bietet. Der Saft von Igniscum ist zudem so bitter, dass nicht einmal die Wildschweine scharf darauf sind und die Felder folglich nicht durchpflügen.

Diese Erfahrung hat auch Ernst Herrmann gemacht. Der Betriebsleiter von „Heizomat“ hat auf einer eigenen Fläche schon Igniscum angebaut. Umweltpolitiker Göppel rät den „Conpower“-Geschäftsleuten den Austausch mit den Experten der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf. Die Aussichten für Igniscum sieht er gar nicht schlecht, zumal der Gesetzgeber den Einsatz von Mais beim Betrieb von Biogasanlagen im neuen Gesetz (wirksam ab 1. Januar 2012) auf 60 Prozent beschränkt. Andere Substrate müssen 40 Prozent ausmachen. Wie Göppel weiß, gibt es inzwischen ein Dutzend von nachwachsenden Pflanzen, die mit Igniscum vergleichbar sind. Göppel („Wir haben derzeit einen Klimaschutz-Durchhänger“) hofft, dass sich die neuen Pflanzen durchsetzen werden. „Es dauert“, sagt er im Wissen, dass die Bauern den Mais auch erst zögernd angenommen haben.

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