Fachmann zur Lage

Imposantes Altmühl-Hochwasser überschwemmt Wiesen

Jürgen Eisenbrand
Jürgen Eisenbrand

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4.1.2022, 17:10 Uhr
Wiesmet unter Wasser: Das bedeutende Wiesenbrütergebiet – im Hintergrund ist die Mörsacher Kirche zu erahnen – wird derzeit absichtlich geflutet, um die Grundwassersituation und der Lebensraum für bestimmte Vogelarten zu verbessern. Quasi nebenbei wird so auch noch der hohe Wasserpegel der Altmühl etwas gesenkt.

Wiesmet unter Wasser: Das bedeutende Wiesenbrütergebiet – im Hintergrund ist die Mörsacher Kirche zu erahnen – wird derzeit absichtlich geflutet, um die Grundwassersituation und der Lebensraum für bestimmte Vogelarten zu verbessern. Quasi nebenbei wird so auch noch der hohe Wasserpegel der Altmühl etwas gesenkt. © Hans Bauer, NN

Wer derzeit sich Gunzenhausen auf der B 13 von Süden her nähert, dem öffnet sich von der Anhöhe kurz vor Dornhausen aus ein Panorama, das gleichermaßen fasziniert und erschreckt. Denn: Weite Teile des von dort aus sichtbaren Altmühltals stehen unter Wasser, ein Blick nach links zeigt zudem, dass es hinter Wachstein nicht besser aussieht. Der langsamste Fluss Bayerns ist weitläufig über seine Ufer getreten.

Was den Laien beunruhigt, lässt den Fachmann freilich kalt. Er sei "in keinster Weise besorgt", sagt Thomas Keller. Aber der Leiter des Ansbacher Wasserwirtschaftsamtes räumt auch ein: "Das Altmühltal ist halt sehr flach und sehr breit – da schaut auch ein Hochwasser mit geringen Wassermengen imposant aus."

Und Keller kann seine Gelassenheit mit Zahlen untermauern: Zwar fließen derzeit am Pegel Aha immerhin 7 Kubikmeter pro Sekunde (m3/s) in Richtung Treuchtlingen – normalerweise sind es etwa 1,5 m3/s. Aber: "Bei einem 100-jährigen Hochwasser, wie wir es im vergangenen Juli in Neustadt an der Aisch hatten, wären es etwa 180 m3/s. Davon sind wir weit, weit weg."

"Da wird sich nicht mehr viel tun"

Auch die Wetterprognosen für die nächsten Tage bringen den Behördenleiter nicht aus der Ruhe: "Die liegen bei etwa 20 Millimeter Regen", sagt er, "da wird sich nicht mehr viel tun." Allein im westlichen Landkreis Ansbach könnte die Meldestufe 2 erreicht werden, was bedeutet, das "einzelne tiefliegende Gebäude betroffen sein können", wie das Wasserwirtschaftsamt per Pressemitteilung informierte.

Der Raum Gunzenhausen wird davon wohl nicht betroffen sein, zumal das Wasserwirtschaftsamt im Moment auch schon eine "geringe Menge Wasser aus der Altmühl rauszieht", wie es Keller formuliert. Derzeit wird nämlich das 1100 Hektar große und ökologisch bedeutende Wiesenbrütergebiet Wiesmet im Norden des Altmühlsees geflutet, um dort die Grundwassersituation und damit den Lebensraum für Kiebitz, Brachvogel & Co. zu verbessern. In Streudorf stand am Dienstagmittag der Pegel nur noch wenige Millimeter unterhalb jenes Wertes, ab dem Wasser in den Altmühlsee geleitet wird.

"Aber das wird nicht sehr viel werden", prognostizierte Matthias Riedl, der im Wasserwirtschaftsamt in Gunzenhausen für die Überleitung mitverantwortlich ist. Etwa 3 m3/s, also 3000 Liter, schätzte Riedl – und damit in etwa so viel, wie derzeit aus dem Altmühlsee in den Brombachsee geleitet wird.

Brombachsee hat noch reichlich Kapazitäten

Zur Einordnung: Bei richtig kräftigen Hochwassern könnten 140 m3/s aus dem Fluss entnommen werden, und der Altmühl-Überleiter könnte bis zu 70 m3/s in den Kleinen Brombachsee überführen.

Der Große Brombachsee ist derzeit zwar ganz gut gefüllt, hat aber noch reichlich Kapazitäten, wie Thomas Keller vorrechnet. Derzeit liegt der Pegel demnach bei etwa 409, das normale Stauziel sind 410,5 Meter. Was sich nach nicht so furchtbar viel anhört, ist auf die rund 9 Quadratkilometer Fläche gerechnet aber reichlich: "Das sind einige Millionen Kubikmeter", beruhigt Keller.

Die Stadt Gunzenhausen sieht er dank der in den letzten Jahren erfolgten Hochwasserschutzmaßnahmen ohnehin "supersicher". Die mobilen Elemente, die in die Dämme eingebaut werden können, brauche man zwar beim derzeitigen Pegelstand noch lange nicht, aber für den Ernstfall ist Keller auch da zuversichtlich: "Wir haben das jetzt schon zweimal geübt, das hat alles gut geklappt."

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