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Montag, 21.10.2019

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In Spalt: "Herbert" und die Untertassen

Im HopfenBierGut präsentiert Hedwig Sattler "artige Kunst unartig neu" - 28.04.2019 07:41 Uhr

Fliegende Untertassen und Torten oder eine Madonna, die sich andächtig einen Tee zubereitet. Die Kunstwerke Hedwig Sattlers (links) haben es in sich (rechts Kornhauschefin Stefanie Bojko). © Jürgen Leykamm


Unter den Figuren sticht vor allem "Herbert" ins Auge. Ein sehr ambivalent geprägter Herr, dessen innere Widersprüchlichkeit die kunstschaffende Dame dadurch nach außen dringen lässt, indem sie ihn in verschiedenen Kleidungsstilen fotografisch porträtiert, die aus ihm jeweils eine andere Persönlichkeit zu machen scheinen. Inklusive eigener sexuellen Orientierung.

Als Material für solche Skulpturen im Kleinformat dient Sattler dabei Pappmaché-Modelliermasse. Mal muten sie recht mythisch an, mal bodenständig, immer aber haben sie ein ganz eigenes Flair. Es lässt sich spüren, dass die Künstlerin hier auch immer etwas von sich selbst preisgibt – und wenn es nur Teile des eigenen Haares sind, mit dem eine der Figuren ausgestattet ist.

Alten Gemälden, die lange achtlos in einer Ecke standen, werden verpasst sie völlig neue Impulse, Vertrautes erscheint in neuem Kontext. Wie etwa die Gottesmutter selbst, die Sattler einen Teebeutel aus der Tasse ziehen lässt. Es ist ein etwas gewagtes, aber kein böses Spiel mit der Religiösität. Durchaus aber auch mal ein gutes, wenn etwa aus einem alten Landschaftsbild eine Referenz auf die Auferstehung Jesu wird.

In einer Vitrine tummeln sich auf Bildern unter anderem personifizierte Hopfendolden und tanzende Bierflaschen. Und das nicht von ungefähr, die Wahl-Spalterin ist auch Gestalterin des Prospektes "Reine Bierlust". Ihre Impulse bezieht die gebürtige Heidelbergerin aus ihren drei "Ks": Kitsch, Kunst und Klischee. Und daraus, im Hässlichen das Schöne zu sehen: "Eine Übung, auf die ich mich eingelassen habe."

In ihre Werke steckt die heute 70-Jährige oft doppelte Arbeit: bei der Restauration der Bilder ist handwerkliche Fähigkeit gefragt, bei der künstlerischen Veredelung dann Kreativität. "Mal brauch ich zwei, ein andermal 20 Stunden", erklärt Sattler, die vor allem die Offenheit in ihrem "Städtle" schätzt. Und gar nicht mehr wie früher in die weite Welt hinaus will. Dort aber könne sie sich gut die Werke Sattlers vorstellen, so eine Besucherin. Doch die Künstlerin hat sich lange schon der Entdeckung der eigenen Innenwelt verschrieben, wovon nun auch die Gäste der Ausstellung profitieren.

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