"Initiative Brombachsee" äußert sich zu Nachhaltigkeit und Center Parcs

29.1.2021, 06:03 Uhr
Die Seen lassen sich prima mit dem Rad erkunden.

Die Seen lassen sich prima mit dem Rad erkunden. © Wolfgang Dressler, NN

Vor wenigen Tagen hat sich die Bürgerinitiative (BI) "Seenland in Bürgerhand" zu Wort gemeldet und erneut grundsätzliche Vorbehalte und Ablehnung gegenüber den Vorhaben von Center Parcs bei Langlau geäußert. Ein solcher Freizeitpark hätte nichts mit Nachhaltigkeit und sanftem Tourismus zu tun, lautete eine Kernaussage.

Dazu kommt jetzt eine andere Meinung, und zwar von der "Initiative Brombachsee". Dabei handelt es sich um Gruppe touristischer Leistungsträger rund um den Brombachsee. Sprecher ist Oliver Röhrl vom Strandhotel Seehof in Langlau.

Er will sich nicht auf Expertenaussagen, von wem auch immer, über den angeblichen Widerspruch von Center Parcs und sanftem Tourismus einlassen. Vielmehr weist er darauf hin, dass bereits wiederholt Hans-Dieter Niederprüm als Geschäftsführer des Tourismusverbands Fränkisches Seenland mit Nachdruck darauf verwiesen habe, dass ein "sanfter Tourismus" für das Seenland schon deshalb gar nicht angestrebt wurde, weil es dafür gar keine allgemein verbindliche Definition gebe.

Allenfalls auf Nachhaltigkeit prüfbar

Tourismus-Destinationen wie auch Betriebe könnten sich allenfalls hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit bei einigen der am Markt tätigen Zertifizierungsinstitute entsprechend prüfen lassen. Für einen "sanften Tourismus", was auch immer die BI darunter verstehe, gebe es ein solches Dienstleistungs-Angebot gar nicht.

Oliver Röhrl, Sprecher der „Initiative Brombachsee“.

Oliver Röhrl, Sprecher der „Initiative Brombachsee“. © Foto: Jürgen Eisenbrand

Die "Initiative Brombachsee" denke mit den betroffenen Akteuren darüber nach, wie man vorhandene Angebote nachhaltiger aufstellen könne. Und wenn man bei diesem Thema konkret werden wolle, eröffneten sich eine Vielzahl von Problemen, "die zunächst einmal zu lösen sind, ehe nachhaltige Angebote möglich werden oder entsprechend umzugestalten sind".

Die Initiative sei sich daher auch bewusst, dass dies nur gehe, wenn nicht nur sie als Anbieter touristischer Dienstleistungen am See dieses Thema konkret angehe, sondern wenn auch eine große Zahl der Zimmeranbieter diesen Weg mitzugehen bereit seien.

Denn wer die aktuellen Angebote im Fränkischen Seenland einmal unter die Lupe nehme, werde dort keine der zahlreichen Zertifizierungen von Nachhaltigkeits-Siegeln finden. Regionen, die heute schon mit diesem Alleinstellungsmerkmal kokettieren, könnten immerhin auf eine stattliche Anzahl entsprechend ausgewiesener Betriebe verweisen. Röhrl: "Davon sind wir hier am Brombachsee und im Fränkischen Seenland aber noch weit entfernt. Nicht, weil wir dies nicht könnten. Nein, aber weil wir dies bisher vielleicht auch nicht für notwendig erachtet haben."

"Bisher noch wenig begeisterte Akteure"

Die "Initiative Brombachsee" habe sich auf ihre Fahnen geschrieben, einen eigenständigen Beitrag zu einem nachhaltig aufgestellten Brombachsee zu leisten. Der Weg dahin sei lang, auch deswegen, "weil es für einen nachhaltigen Brombachsee nicht nur das eigene Engagement braucht, sondern das eines erkennbar großen Anteils der Anbieter. Und da gibt es – von Ausnahmen abgesehen – bisher noch wenig begeisterte Akteure."

Immerhin habe Center Parcs bereits wiederholt angekündigt, ein Nachhaltigkeitskonzept für seinen geplanten Ferienpark vorzulegen. Also habe man auf diesem Weg zumindest schon einen aktiven Unterstützer. Und auch das im Jahr 2021 fortzuschreibende Tourismus-Leitbild des Fränkischen Seenlands werde diese Herausforderung aufgreifen. "Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn wir keinen wolkig formulierten ,sanften Tourismus’, sondern klar nachvollziehbare Umsetzungsstrategien einer stufig aufgebauten Nachhaltigkeit anstreben", stellt Oliver Röhrl fest.

Bei diesem ehrgeizigen Ziel werde man sich aber nicht an Zahlenspielereien beteiligen, etwa zu Gästen und Betten. "Für uns zählt aber, welche Auslastung wir in unseren Betrieben tatsächlich haben, welche Umsätze – nicht die Corona-bedingten Verluste – in den letzten Jahren in der Gastronomie weggebrochen sind oder welche zunehmend frei bleibenden Parkplätze es an den Seen gibt. Und da wurden sichtbare Lücken gerissen", betont Röhrl weiter.

Attraktive "Wohlfühl-Region" gestalten

Um Gäste zu gewinnen, brauche es Überzeugungsarbeit und sehr viel Solidarität unter den Gastgebern mit ihrer Vielfalt an Übernachtungs-Standards. Die Gäste erwarteten eine "Wohlfühl-Region", sie sollten als Menschen hier willkommen geheißen werden. Das werde aber nur schwer möglich sein, wenn gerade aus Gästesicht attraktive und vor allem auch hochwertige Angebote in einer Weise hinterfragt würden, wie man dies aktuell rund um den See mit vielen "Kein"- und "Nicht"- oder "Nein"-Hinweisen zu einem touristischen Schwerpunktangebot erlebe.

Es sei in unserem Rechtsstaat jedem und jeder zugestanden, zu Planungsvorhaben eine andere Meinung einzunehmen. Aber man sollte eben auch respektieren, dass es daneben eine sehr große Zahl von Projektbefürwortern gebe. Und dies bedeute, dass eine faire und von gegenseitigem Respekt getragene Auseinandersetzung mit Inhalten geführt werde.

Um diesen Dialog zu gewährleisten, benötigten beide Seiten belastbare Fakten. Genau darauf warte die "Initiative Brombachsee" und werde dann ihre Meinung abgeben, "auch wenn wir – unser wie auch aller anderen Recht – eine erkennbare Sympathie für diesen hochwertigen Mitbewerber hegen".

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