Donnerstag, 21.11.2019

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"Input für Putputs": Vom Umgang mit dem Federvieh

Tierhaltungsschule Triesdorf bietet Kurs "Hühnerhaltung für Hobbyhalter" an - 08.02.2019 14:05 Uhr

Wie hält man eigentlich ein Huhn? Das zeigt Meisterin Ingrid Meußel den in Schutzkleidung gewandeten Kursteilnehmern. © Marianne Natalis


Googelt man die Begriffe Hühner halten und Hobby zusammen, so erhält man über sechs Millionen Treffer. Hühner liegen voll im Trend. Eine Entwicklung die auch längst bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf angekommen ist. Das Interesse an den Kursen für Hobbyhalter steigt seit rund zehn Jahren kontinuierlich – und die Kurse sind innerhalb kürzester Zeit ausgebucht.

Die meisten, die mit mir an diesem Freitag im Lehrsaal der Tierhaltungsschule sitzen, hatten noch nie eigene Hühner. Sie wollen eine sinnvolle Aufgabe im Rentenalter, ein eigenes Hobby ("Der Mann geht auf die Jagd, der Sohn angeln"), die Kinder bespaßen ("der Bub sitzt immer nur am PC") oder verfügen einfach über einen genügend großen Garten, um sich den Traum von eigenen Hühnern zu verwirklichen. Frank Kötzel, Leiter der Triesdorfer Geflügelhaltung, freut sich über jeden einzelnen, der sich in seinen Kurse ein bisschen "Input zu Putput" holt. Denn mit dem Huhn kehrt, nachdem es in manchen Dörfern keine einzige Landwirtschaft mehr gibt, wenigstens ein Nutztier wieder zurück in die Siedlungen

Auf die Teilnehmer, die aus ganze Mittelfranken kommen, warten Kaffee, Softgetränke und Butterbrezen, nachmittags gibt es auch noch Kuchen. Denn es soll doch, "ein richtig schöner Tag für Sie werden", sagt Kötzel und das wird es tatsächlich, denn der Geflügelexperte beschert uns einen sehr interessanten, informativen und kurzweiligen Tag.

Frank Kötzel, Leiter der Triesdorfer Geflügelhaltung, erläutert den Kursteilnehmern die Funktionsweise eines Futterautomaten.


Einen "Leitfaden, damit es für Huhn und Mensch gut läuft", will Kötzel den Kursteilnehmern an die Hand geben und vom Stallaufbau über den Auslauf und das Futter bis hin zu Krankheiten fällt dieser sehr umfangreich aus. Schon vor über 4000 Jahren, lernen wir, wurden Hühner in Indien domestiziert. Das dort wild lebende Federvieh suchte die Nähe zu menschlichen Siedlungen, da es dort vor Raubtieren besser geschützt war. So kam der Mensch zum Huhn. Und hat es seitdem in seinem Sinne mannigfach weiterentwickelt: Allein in Deutschland gibt es an die 300 Hühnerrassen.

Schutz braucht das Federvieh selbstverständlich auch heute noch. Doch auf was man beim Bau eines Hühnerstalls alles achten sollte, das wird erst im Laufe des Vormittags deutlich. Einstreu ist wichtig, Wasser lebensnotwendig, Ruhestangen und Nester ein Muss. Kotgruben braucht das Huhn wahrscheinlich nicht, sie erleichtert aber den Haltern die Arbeit. Ausreichend belüftet sollte die Unterkunft sein, ohne dass seine Bewohner allerdings im Zug sitzen, und kein feuchtes Klima haben, denn dann drohen Krankheiten.

Beliebtes Fotomotiv im Hühnerstall: die rebhuhnfarbigen Italiener, die in Triesdorf gezüchtet werden.


Wie sollen die Nester aussehen, welche Sitzstange ist geeignet? Das ist zum Teil Ansichtssache, zum Teil aber auch wichtig, wenn man verhindern will, dass sich die Hühnermilben uferlos im Stall ausbreiten. Schließlich ist auch die Vogelgrippe ein Thema, an die auch ich beim Gedankenspiel mit eigenen Hühnern nicht gedacht habe. Denn bei einem Ausbruch dieser Seuche herrscht Stallpflicht – und dann sollte die Unterkunft auch so gestaltet sein, dass die Hühner dort womöglich mehrere Monate gut leben können.

Die Geflügelhaltung in Triesdorf ist zweigeteilt: Zum einen werden dort alte Rassen gezüchtet, zum anderen gibt es Hühnerställe mit konventioneller Bodenhaltung, in denen Auszubildende die Bedingungen vorfinden, die sie aller Wahrscheinlichkeit auch in ihrem Lehrbetrieb haben. Die Hühner "werden hier so gehalten", sagt Ingrid Meußel, "dass der Landwirt davon leben kann". Die Mitarbeiterin von Frank Kötzel zeigt nach der Mittagspause einem Teil der Gruppe, wie man Hühner am besten einfängt, sie hält und – ganz wichtig – sie bewertet. Denn wenn ein Huhn, haben wir vorher bereits in der Theorie gelernt, erst einmal offensichtlich krank ist, dann ist es in der Regel zu spät. Als Fluchttier versucht die Henne ein mögliches Gebrechen so lange wie möglich zu verheimlichen. Deshalb ist es wichtig, dass man sich Zeit nimmt, seine Tiere zu beobachten. Das sollte man täglich tun, rät Kötzel.

Ein schönes Gefühl

Ein Huhn im Arm zu halten, ist ein ungewohntes, durchaus schönes Gefühl. Das Tier lässt sich mit Streicheleinheiten schnell beruhigen und die Untersuchung von der Kralle bis Kamm kann beginnen. Ingrid Meußel sorgt dafür, dass jeder einmal ein Huhn hält und auch beim Abtastet sollen alle mal ran. Am Kropf etwa kann man fühlen, ob Körner drin sind, das Huhn also gefressen hat. Und auch die Hinterseite darf nicht vernachlässigt werden. Hier kann man mit den Fingern erspüren, ob das Huhn überhaupt schon richtig Eierlegt und sehen, ob sich die sogenannte Kloake nach dem Eierlegen zurückgestülpt hat.

Im Stall nebenan warten Frank Kötzel und das Zuchtgeflügel auf uns. Dort lernen wir die schönen rebhuhnfarbigen Italiener kennen, die kleineren, beigefarbenen Sulmtaler oder die gleichermaßen Fleisch und Eier liefernden Bressehühner, die vor allem in Frankreich beliebt sind. Während Kötzel die Kursteilnehmer in die verschiedenen Abteile blicken lässt und dabei weiter mit Informationen füttert, empört sich einer der Bressehähne ganz fürchterlich über die Störung. Der Gockel schimpft lautstark vor sich hin, bis Kötzel die Tür wieder schließt — und seine Hennenschar wieder in Sicherheit ist.

Im anderen Stall kommt derweil Ingrid Meußel, ebenfalls Meisterin ihres Fachs, auf ein schwieriges Thema zu sprechen, das aber nicht außen vor bleiben darf, wenn man Tiere hält: Was passiert, wenn ein Huhn krank ist und getötet werden muss? Den Tierarzt holen? Das ist teuer und verlängert womöglich die Leidenszeit des Huhns unnötig. Für Meußel steht fest, dass Hühnerhalter auch die Traute und das Verantwortungsbewusstsein haben sollten, ein Huhn im Notfall zu töten. Und sie zeigt uns deshalb auch, wie das geht.

Bis zu neun Jahre

Legehennen werden in der Landwirtschaft in der Regel nach einem Jahr ausgetauscht. Doch tatsächlich kann ein Huhn bis zu neun Jahre alt werden. Ob man dem Federvieh allerdings einen Gefallen tut, wenn man es bis zu seinem natürlichen Tod hält, glaubt Kötzel nicht unbedingt. Für ältere Hühner werde das Eierlegen schwieriger, sie hören aber auch nicht einfach damit auf. Es mache, regt der Fachmann an, durchaus Sinn, ein Huhn nach zwei Jahren zu schlachten – dann hat man auch selber noch etwas davon, kann es in der Küche verwerten. Wie das möglichst fachgerecht geht, das wieder kann man ebenfalls bei Frank Kötzel an der Tierhaltungsschule in Triesdorf lernen. Auch die Schlachtkurse erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Marianne Natalis Altmühl-Bote E-Mail

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