Jugendkapelle Gunzenhausen begeisterte

15.5.2016, 11:01 Uhr
Neben zahlreichen Blechbläsern kamen auch Klarinetten zu Ehren.

Neben zahlreichen Blechbläsern kamen auch Klarinetten zu Ehren. © Uli Gruber

„Wir laden Sie heute ein, mit uns Amerika zu entdecken“, gab Vorsitzende Ute Kirchdorffer die „Marsch“- Richtung vor. Doch zu hören war beileibe nicht nur Schmissiges in bester konzertanter Form. Nein, die Jugendkapelle zelebrierte einen perfekten Querschnitt ihres breitgefächerten Repertoires. Sei es die subtile Interpretation von Vogelstimmen bei Antonio Vivaldis populärer Komposition „Die vier Jahreszeiten“ oder der unverwechselbare Ausdruck böhmischer Lebensfreude – Dirigent Mario Hendreich und sein Orchester bestanden die jeweiligen technischen Herausforderungen mit Bravour.

Selbstverständlich ließen sich die Stadthallenbesucher nicht lange bitten und formierten sich mit den Ausführenden auf der Bühne zu einem „großen Ensemble“. Kein Wunder, denn wann und wo bietet sich schon die einmalige Gelegenheit zu einem Trip „Vom Egerland zum Moldaustrand“ über die fantastische Welt Winnetous und Old Shatterhands bis hin zu den dramatischen Ereignissen beim Untergang Pearl Harbors? Absolut beeindruckend, wie Hendreich und seine Truppe das Inferno in Szene setzten, so nach und nach aber das Chaos in den Griff bekamen und schließlich zum heldenhaften Befreiungsschlag ausholten.

Optisch angereichert durch entsprechende Filmsequenzen auf der Kinoleinwand im Hintergrund, avancierte das Projekt der Jugendkapelle zu einem Paradebeispiel des amerikanischen Selbstverständnisses. Da durften rhythmische Grüße nach Frankenmuth nicht fehlen. Mit Intensität, Power und enormer Qualität erlebten die Zuhörer fulminante Wiedergaben von „Unter dem Sternebanner“, „1492 – The Conquest of Paradise“, „A Tribute to Frank Sinatra“ und eine mitreißende „Glenn-Miller-Parade“. Henry Maske hatte die „Eroberung des Paradieses“ einst zur Symbolik seines boxerischen Weges erhoben. Er hätte wohl aber auch am famosen Song „Hotel California“ von „The Eagles in Concert“ seine Freude gehabt. Vielleicht sogar am Geburtstagsständchen für Edmund Menhorn.

Impulsiv, optimal in Einklang und Arrangement sowie ausgestattet mit der entsprechenden Leidenschaft animierten die knapp 60 Protagonisten die Menschen im Saal immer wieder zu spontanem Applaus. Maßgeblichen Anteil daran hatte die Bläserklasse unter der Leitung von Laura Link. Mit dem „Bottom Bass Boogie“, „La Cucaracha“ und einem „Hard Rock Blues“ der Extraklasse als Zugabe sorgte der Nachwuchs für den „swingenden“ Auftakt. Zwischendurch gab es Erläuterungen und jede Menge Wissenswertes zum Thema.

Das Konzert stand im Zeichen verschiedener Instrumente, etwa der Becken.

Das Konzert stand im Zeichen verschiedener Instrumente, etwa der Becken. © Uli Gruber

Bürgermeister Karl-Heinz Fitz verwies in seinem Grußwort auf den hohen Stellenwert der Jugendkapelle in der Stadt. Der Dank des Rathauschefs galt gleichermaßen den Funktionären wie den Aktiven für ihren Einsatz als „hervorragende Botschafter“ weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Als Aufrücker in die Jugendkapelle wurden Johanna Brand (Trompete), Isabelle Loser, Hanna Meyer (beide Klarinette) und Maja Peterreins (Saxofon) mit dem Leistungsabzeichen D1 in Bronze belohnt.

Weniger plakativ, dafür aber sehr funktional fiel das Präsent für die „Ausscheider“ der Jugendkapelle aus. Lena Fichtner, Stefanie Späth (beide Trompete), Franziska Minnameier, Dominik Kuch (beide Saxofon), Andreas Schuster (Tenorhorn), Dominik Braun, Simon Ortner (beide Posaune) sowie Michael Winter (Tuba) erhielten für ihr langjähriges Wirken ein Brotzeitbrettchen. Ein pragmatisches Souvenir, dass sie gewiss stets mit der Zeit in „ihrer“ Jugendkapelle in Verbindung bringen werden. Gleich mit mehreren internen und externen Auszeichnungen wurde Dirigent Mario Hendreich überhäuft. Juka-Vorsitzende Kirchdorffer nahm die Gelegenheit wahr, um auf etliche „Highlights“ in Hendrichs Ära hinzuweisen. Neben Reisen nach Frankreich und in die USA zeichnete der Orchesterleiter bei etlichen lokalen und überregionalen Veranstaltungen mit der Jugendkapelle Gunzenhausen verantwortlich. Rathauschef Fitz formulierte Hendreichs Verdienste so: „Sie haben die kulturelle und musikalische Entwicklung in den letzten zehn Jahren mitgeprägt!“

Das Möglichste aus den jungen Musikern herauskitzeln wollen Hendreich und seine Crew auch in den kommenden Jahren. Eben wegen des nun erfolgten größeren personellen Umbruchs stellt dies eine durchaus große Herausforderung dar.

Und sollten die Hürden hie und da doch einmal schier unüberwindlich erscheinen, kann auf die amerikanische Mentalität zurückgegriffen werden. Mit dem Erinnern an das Frühjahrskonzert 2016 und der „Statue of Liberty“ im Rücken könnte es gelingen.

 

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