"Keine Denkverbote" für neues Gunzenhäuser Baugebiet

5.4.2019, 17:04 Uhr
Wie abgeschnitten sieht das Wohngebiet Reutberg II in Richtung Oberasbach aus. Nun soll es erweitert werden. Wie die neuen Bauplätze erschlossen werden, darüber sollen sich nun die Planer Gedanken machen.

Wie abgeschnitten sieht das Wohngebiet Reutberg II in Richtung Oberasbach aus. Nun soll es erweitert werden. Wie die neuen Bauplätze erschlossen werden, darüber sollen sich nun die Planer Gedanken machen. © Limes-Luftbild.de

Die "Erweiterung des Baugebiets Reutberg II" stand auf der Tagesordnung zur jüngsten Sitzung des Stadtratsausschusses für Bauangelegenheiten und Stadtentwicklung. Und schon im Vorfeld der Sitzung erhielt Bürgermeister Karl-Heinz Fitz bereits den ersten Anruf eines Anwohners, den der Begriff "Erweiterung" gestört hatte. Schon im vergangenen Jahr hatten erste Ideen, neue Bauplätze am Reutberg zu schaffen, die Anwohner aufgescheucht. Ihre Hauptsorge war dabei, dass die neuen Häuser über die vorhandenen Straßen erschlossen werden.

Der Wunsch nach einer eigenen Erschließungsstraße, machte Fitz gleich zu Beginn des Tagesordnungspunkts klar, sei bei der Stadt sehr wohl angekommen: "Das haben wir mittlerweile verstanden." Für die Arbeit der Planer sei es aber nicht relevant, ob von einer Erweiterung oder einem neuen Baugebiet die Rede sei. Zudem müsse man klar sagen: Nach der ursprünglichen Planung wurde bisher am Reutberg II nur der erste Teil verwirklicht.

Um überhaupt eine eigene Erschließungsstraße in den Bereich des Wahrscheinlichen zu rücken, musste die Stadt erst einmal weitere Flächen ankaufen, um eine große Lösung anbieten zu können. Das ist mittlerweile geschehen, so Fitz, fünf weitere Hektar sind in städtischem Besitz, so dass das neue Baugebiet eine stattliche Größe von 8,8 Hektar haben wird. Nicht dabei sind jedoch die "Schlüsselgrundstücke" direkt an der Ortsverbindungsstraße nach Oberasbach, da die Preisvorstellungen des Besitzers nach Worten des Bürgermeisters utopisch seien. Eine direkte Anbindung an die Straße ist somit nicht möglich.

Um tatsächlich aussagekräftige Varianten zu erhalten, ist es laut Stadtbaumeisterin Simone Teufel notwendig, zusammen mit dem Bebauungsplan auch die Abwasserentsorgung und die Straßenführung zu planen. An diesen Hanggrundstücken sei nur ein Gesamtpaket sinnvoll. Zunächst geht es dabei um eine Vorplanung, es sollen wichtige Grundlagen ermittelt werden für Varianten, die bebaubar wären.

Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Angela Schmidt störte sich an dem Arbeitstitel. Das Wohngebiet Reutberg II sei doch fast abgeschlossen, nun beginne mit Reutberg III eine ganz neue Planung. Arno Dernerth (CSU) dagegen outete sich hier als "völlig leidenschaftslos". Und Stadtbaumeisterin Simone Teufel erinnerte an das neue Wohngebiet in Frickenfelden. Während der gesamten Planungszeit hieß es "Eisenreich II", erst ganz am Ende hatte es den Namen "Sonnenwiese" erhalten. Dort ist übrigens mittlerweile auch der letzte Bauplatz verkauft, informierte Teufel.

Angela Schmidt hätte gerne gehabt, dass die Stadt die Fasanenstraße als mögliche Zufahrt zu dem neuen Wohngebiet explizit ausschließt, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Den Planern sollten "keine Denkverbote" auferlegt werden, formulierte es etwa Arno Dernerth (CSU), und auch die Stadtbaumeisterin stellte klar: "Wir sollten uns keine Chancen vergeben."

"Können nicht jonglieren"

Dr. Werner Winter wollte ebenfalls keine Einschränkungen und erhofft sich so "ganz neutrale Entwürfe" von den Planern. Seinem Ruf getreu mahnte der Freie Wähler an, dass man die Kosten nicht aus den Augen verlieren dürfe, die Bauplätze müssten ja bezahlbar bleiben. Die Stadt müsse, ergänzte Fitz, das Geld, das sie für den Kauf der Fläche ausgegeben habe, auch wieder hereinholen. "Wir können hier nicht jonglieren", meinte der Bürgermeister wörtlich mit Blick auf die aktuellen Grundstückspreise.

Die Nachfrage nach Baugrundstücken ist in Gunzenhausen "eklatant", wusste auch der CSU-Fraktionsvorsitzende Manfred Pappler, der die Pläne deshalb begrüßte. Dem schloss sich sein Parteikollege Karl Gutmann an.

Für Helga Betz steht sowieso fest, dass eine zweite Erschließungsstraße bei der Größe des Baugebiets kommen muss. Und auch dessen Eigenständigkeit ist für die Bündnisgrüne keine Frage.

Im vergangenen Herbst hatte sich der Stadtrat bei seiner Klausurtagung darauf verständigt, dass auch in den Stadtteilen dringend Wohnraum geschaffen werden müsse. Dernerth hatte deshalb nun Bedenken, dass man mit dem Beschluss, in die Planung am Reutberg einzusteigen, das gesamte Budget "verbrate" und für die Stadtteile nichts mehr übrig bleibe.

"Alle umsonst"

Fitz versicherte an dieser Stelle, dass er notfalls eine überplanmäßige Ausgabe auf den Weg bringen werde, sollte sich in den Stadtteilen eine Möglichkeit abzeichnen. In Wald scheint das der Fall zu sein, hier können nach seinen Worten wohl zeitnah neue Bauplätze entstehen. In Aha ist noch nichts spruchreif, aber es gibt Gespräche. Schlecht dagegen sieht es in Unterwurmbach aus, hier berichtete Ortssprecher Winter von Gesprächen mit Grundbesitzern, die "fast alle umsonst" waren.

Einstimmig vergaben die Mitglieder des Bauausschusses schließlich die erforderlichen Aufträge. Den Bebauungsplan wird das Rother Büro Ermisch & Partner für rund 78 000 Euro übernehmen, das Ingenieurbüro Müller aus Nürnberg kümmert sich um die Abwasserentsorgung (174 000 Euro) und die Verkehrsanlagen plant das Ingenieurbüro Christofori und Partner aus Roßtal (137 000 Euro). Die Beauftragung erfolgt stufen- und abschnittsweise.

Wenn die Varianten vorliegen, wird die Bürgerbeteiligung fortgesetzt, versicherte Fitz. Die Stadtbaumeisterin rechnet damit, dass mindestens zwei bis drei Jahre ins Land gehen werden, bevor im neuen Reutberg-Gebiet die ersten Bagger anrücken werden.

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