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Krippenspiel abgesagt: In Mitteleschenbach gibt es Alternativen

Die Veranstaltung hat in der Mönchswaldgemeinde ein lange Tradition - 24.12.2020 08:58 Uhr

So wie 2019 hätte es eigentlich auch am heutigen Heiligabend in der St.-Nikolaus-Kirche aussehen sollen. Doch wegen der Pandemie konnten die Kinder nicht zusammen proben, und das Krippenspiel muss heuer Pause machen.

23.12.2020 © Foto: Kerstin Seitz-Knechtlein


Heuer allerdings muss sie mit dieser beliebten Tradition brechen, der heutige Heiligabend wird, wie so vieles in diesen Zeiten, erstmals anders werden."Es ist uns wirklich nicht leicht gefallen, das Krippenspiel abzusagen", erklärt die engagierte Vorsitzende des Pfarrgemeinderats und denkt dabei besonders an die Kinder, die jedes Jahr auf die Proben hinfiebern, die normalerweise Mitte November starten. Doch an Treffen mit 30 bis 40 Jungen und Mädchen sei in diesem Jahr einfach nicht zu denken gewesen.

Enttäuschung bei den Kindern

"Man sollte ja die Gruppen nicht durchmischen", gibt sie zu bedenken und weiß genau, wovon sie spricht: Als Rektorin der Grund- und Mittelschule Absberg-Haundorf ist sie stets auf dem neuesten Stand der Corona-Bestimmungen, kennt die Vorschriften, aber eben auch die große Vorfreude der Kinder auf dieses Ereignis, das in Mitteleschenbach einen sehr hohen Stellenwert genießt.

Die Familie Leng bereichert seit Langem die Gottesdienste an Heiligabend, und auch in diesem Jahr werden die Musiker die Instrumente erklingen lassen.

23.12.2020 © Foto: Kerstin Seitz-Knechtlein


Nicht von ungefähr schwingt daher durchaus Enttäuschung mit, wenn die kleinen Akteure von ihren bisherigen Rollen berichten und davon, wie gut es ihnen gefällt, "mit den anderen Kindern und Kerstin zu proben", wie Luis Engelhardt erzählt, der 2019 den Josef spielen durfte: "Es ist blöd, dass es heuer nicht ist." Der Auftritt an Heiligabend und bei der Wiederholung am 2. Weihnachtsfeiertag ist ein Höhepunkt in der Weihnachtszeit gewesen – ganz ohne Lampenfieber, versichert der Zehnjährige.

Wie im letzten Jahr wäre Niklas Einzinger (7 Jahre) gerne wieder als Hirte aufgetreten, und Isabell Pferinger (9 Jahre) hätte nach Hirte und Sternsinger in die Rolle des Engels oder der Maria schlüpfen dürfen und vermisst im Advent die gemeinsamen Proben. Das gehöre in dieser Zeit einfach dazu. "Und ich hätte den Josef gemacht", meint der gleichaltrige Max Halbig, der schon als Herold und König auf der Bühne stand, ein wenig wehmütig, aber mit der Hoffnung aufs nächste Jahr.

Ganze Kirche wird zur Bühne

Die Bühne, das ist übrigens die komplette Kirche: "Die Könige sitzen in der hintersten Reihe und kommen dann nach vorne", erläutert Max eifrig, und zeigt, wo im Gang das Feuer für die Hirten aufgebaut wird. "Die schlafen da und dürfen lauthals schnarchen. Das gibt immer ein Konzert", ergänzt Kerstin Seitz-Knechtlein lachend.

Letztes Jahr stand Max Halbig als Herold auf der Bühne, heuer hätte er gerne den Josef gespielt.

23.12.2020


Seit 23 Jahren lässt sie immer dasselbe Stück aufführen, ein klassisches mit Maria und Josef, Hirten, den heiligen drei Königen, dem Wirt, Engeln und einem Herold. "Jeder kennt den Text und den Ablauf ganz genau. Wenn jemand an Heiligabend krank ist, kann sofort jemand einspringen", zählt sie einige Vorteile auf.

Intensiv mit Gesang gearbeitet

Auch so manch einer von den Eltern kann noch heute seinen Text auswendig, weiß sie und erzählt von der Anregung, das Stück doch mal mit Erwachsenen, also den Darstellern von früher zu spielen. Bei dieser Gelegenheit erinnert sie schmunzelnd daran, dass sie und ihr Mann in Kindertagen bereits als Maria und Josef im Krippenspiel gemeinsam auf der Bühne standen, was noch immer hin und wieder für Erheiterung sorgt. Einige Passagen ihres "Erfolgsstücks" hat sie von ihrem Vater übernommen, der jedoch intensiv mit Gesang gearbeitet hat. Aus ganz vielen Elementen hat sie sich schließlich ein neues zusammengesucht. Dafür hat sie zahlreiche Werke und Unterlagen gewälzt und sich auch Informationen aus der Universitätsbibliothek in Eichstätt geholt.


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Da die Zahl der Kinder in jedem Jahr variiert, "habe ich im Laufe der Zeit viele Rollen dazu erfunden", meint sie augenzwinkernd. Mit dabei sind die Jungen und Mädchen ab der ersten Klasse, manchmal auch schon im Vorschulalter. Sie fangen mit einfachen Rollen, etwa als Hirte, an und "dienen sich hoch, bis zu den Hauptrollen", fügt sie lachend hinzu. Bis zur vierten, fünften Klasse gehören sie zum Ensemble, dann kommen die nächsten zum Zuge.

Familie Leng ist mit dabei

Kein Wunder also, dass besonders die jetzigen Viertklässler mit der Enttäuschung zu kämpfen haben. Doch für sie haben Kerstin Seitz-Knechtlein und Pfarrer Michael Harrer ein Trostpflaster parat: Zum einen dürfen sie ganz sicher im nächsten Jahr noch einmal beim Krippenspiel mit dabei sein, zum anderen haben sie trotz allem heuer einen Auftritt: Mittels Bildern auf einer Leinwand und Texten, die die Kinder vortragen dürfen, wird die Weihnachtsgeschichte dargestellt. "So kann man gut Abstand halten", ist Pfarrer Harrer überzeugt, dem es außerdem wichtig ist, dass "die Kinder die Geschichte erleben und selber sichtbar sind".

Abstandhalten und Mundschutz statt Krippenspiel: Kurz vor dem zweiten Lockdown trafen sich Niklas Einzinger, Luis Engelhardt, Max Halbig und Isabell Pferinger mit Kerstin Seitz-Knechtlein zum Pressetermin in der Kirche.

23.12.2020 © Foto: Tina Ellinger


Nicht wegzudenken vom weihnachtlichen Geschehen in der St.- Nikolaus-Kirche ist die Musik. Dafür zeichnet seit Jahren die Familie Leng verantwortlich, die über eine große Bandbreite an Instrumenten verfügt – von der Panflöte bis zum Schlagzeug. Und darauf müssen die Kirchgänger auch heute nicht verzichten: "Die Familie Leng ist wieder ganz kreativ dabei, genauso wie die Orgel", verspricht der Geistliche, der sich mit der Krippenspielleiterin einig ist: "Wir müssen jetzt alle miteinander das Beste aus der Situation machen."

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Da maximal 75 Personen in die Kirche dürfen, wird es mehrere Gottesdienste an Heiligabend geben, alleine zwei am Nachmittag. "Wir hoffen, damit alle, die gerne in die Kirche möchten, bedienen zu können", so Kerstin Seitz-Knechtlein, die für sich persönlich versucht, mit dem Ausfall des Krippenspiels nicht allzu sehr zu hadern, sondern es anzunehmen wie es ist. "Vielleicht soll es heuer einfach so sein", sagt sie.

"Stadere" Zeit genießen

Die letzten Jahre hatte sie kaum einen freien Adventssonntag, von stader Zeit konnte nicht die Rede sein. "Dieses Jahr versuche ich es zu genießen", betont sie, zumal sie die letzten Wochen durch die Pandemie beruflich stark eingespannt war und auch einen Trauerfall in der engsten Familie hatte. "Die etwas stadere Zeit tut mir jetzt ganz gut", gibt sie freimütig zu.


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Und Angst, dass zum Krippenspiel 2021 keine Kinder kommen, braucht sie nicht zu haben: "Wir sind auf jeden Fall mit dabei", machen die kleinen Schauspieler Niklas, Luis, Max und Isabell wie aus der Pistole geschossen klar. Dann ist sicher auch das Gotteshaus wieder rappelvoll und bis auf den letzten Platz belegt, wenn Maria, Josef, die Hirten und die Sternsinger zum Zuschauen einladen.

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