Sonntag, 08.12.2019

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Kult-Komiker zu Gast in Gunzenhäuser Stadthalle

Die Fürther Komödianten Voker Heißmann und Martin Rassau attackieren die Lachmuskeln - 12.11.2019 05:26 Uhr

„Gute Sprüch’ und a bläids Gsicht“: die Fürther Kult-Komödianten Volker Heißmann (rechts) und Martin Rassau bei ihrem Auftritt in der Stadthalle Gunzenhausen.


Skurrile Alltagserlebnisse werden von "Normalsterblichen" meist nach kurzem Kopfschütteln sehr schnell aus dem Gedächtnis gestrichen. Beim fränkischen Dampfplauderduo Heißmann & Rassau gestaltet sich der Verarbeitungsmodus komplett anders. Die beiden Kultkomiker fackeln nicht lange, garnieren das soeben Beobachtete mit einer gehörigen Portion Ironie und gehen zeitverzögert zum Angriff über. Welcher Angriff? Jener auf die strapazierten Lachmuskeln des erwartungsvollen Publikums! In der Stadthalle konnten sich rund 600 "H&R-Enthusiasten" von den Qualitäten der rot-weißen Ulknudeln überzeugen.

13 Sattelschlepper

"Wenn der Vorhang zwei Mal fällt", heißt das aktuelle Programm. Mit 13 Sattelschleppern seien sie normalerweise unterwegs, um "des ganze Zeich" für die Show transportieren zu können. Volker Heißmann und sein kongenialer Partner Martin Rassau sind entsetzt. Denn ausgerechnet in Gunzenhausen, der wohl einzigen Stadt weit und breit mit einem "Blasturm", muss wegen fehlerhafter Logistik improvisiert werden.

In Günzburg soll der Krimskrams irrtümlicherweise gelandet sein, deshalb das triste Bühnenbild im neu gestalteten Kunst- und Veranstaltungstempel des Altmühlstädtchens. "Gschmarri, stimmt überhaupt net!" Profis kommen auch mit der Minimalausstattung bestens zurecht.

Da wird ohne Umschweife gelacht, geflachst und gewitzelt. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Richtig hart trifft es Zuspätkommer in der Stadthalle. Höchstpersönlich kümmert sich der Meister um die Schlafmützen: Ab in Reihe 11, nörgelnde Eskorte inklusive!

Jetzt kann es losgehen, kein Blatt wird vor den Mund genommen. Lokale Gegebenheiten bieten jede Menge Stoff zu scharfzüngiger Häme. Logisch, dass immer wieder "GUN-City" und Weißenburg ihr Fett abbekommen. Die fränkischen Wortakrobaten lassen es krachen, manchmal "a weng derb", jedoch nie bösartig. Hüte sich allerdings, wer in vorderster Front ins Visier der selbst ernannten Mode-Ikonen gerät. Unbedachte Äußerungen können im Nu zum Bumerang werden. Der Saal hört mit – "selber schuld!"

Polizisten und Parksünder

Rollenspiele gehören zum fixen Repertoire des Auftritts. Heißmann und Rassau sind in nahezu allen Branchen unterwegs: Polizisten, Parksünder, Superhelden, Standesbeamte, bärbeißige Pauschalreisende mit Lama-Allergie oder Experten in Sachen Trinkgewohnheiten – den Brüdern im Geiste scheint nichts Weltliches fremd zu sein.

Lustige Episoden ranken sich um den "Club" aus Nürnberg und das altehrwürdige "Färdder Kleeblatt". Fußball ist aber nur eine Randnotiz, Absurdes und Banales geben sich in einer rasanten Mixtur die Klinke in die Hand. "Waltraud und Mariechen", die tanzenden Witwen mit Promi-Status, dürfen keinesfalls fehlen. Ansonsten dominiert das bewährte Rezept: "Gute Sprüch’ und a bläids Gsicht" reichen, um der Fan-Gemeinde Freude zu bereiten.

Bemerkenswerte Stimme

Heißmann punktet als ausgebildeter Sänger mit bemerkenswerter Stimme und großen Gesten. Klassiker von Frank Sinatra und Peter Alexander gehören zwingend-swingend zum Programm.

In den Sketchen spielt er meist den leicht begriffsstutzigen Tölpel, Kollege Rassau definiert sich als Besserwisser und Aufklärer. Pointen am Fließband sind das Salz in der Suppe: "Dürfen Veganer in Nürnberg über die Fleischbrücke laufen?" So etwas kommt an, das Spektrum des Klamauks ist schier grenzenlos.

Noch ein Beispiel gefällig? In der Zeitung stand, dass eine KiK-Filiale abgebrannt ist. Gesamtschaden: 78,40 Euro! Okay, wer’s mag. Von der Granate bis hin zum Rohrkrepierer ist alles erlaubt. "So leb’ dein Leben", lautet die abschließende musikalische Botschaft.

Uli Gruber E-Mail

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