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Leutkircher absolut überzeugt von Center Parcs

Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Tourismus gaben tiefe Einblicke - 10.10.2020 11:38 Uhr

Drei Jungen strecken ihre Finger in den überdachten Koiteich: Center Parcs will Kinder glücklich machen. Das ist das unübersehbare Credo des Konzerns.

© Foto: Isabel-Marie Köppel


Bereits vor und während der Besichtigung des Parks prasselten viele Eindrücke und Informationen auf die Delegation aus Altmühlfranken ein. Zurück im Bus und auf dem Weg in die Stadt Leutkirch stellte Landrat Manuel Westphal (CSU) fest: "Das muss man einfach mal gesehen haben. Den Ablauf zu erleben, ist etwas anderes als die bloße Theorie." Damit sprach Westphal für viele der Mitreisenden.

Zwar weniger abwechslungsreich, aber mindestens genauso interessant war das anschließende Zusammentreffen in der Leutkircher Festhalle. Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle ergriff zuerst das Wort und erläuterte die damalige Ausgangslage, als er Center Parcs kontaktierte. Das war im Dezember 2008, und ein Vierteljahr später kam das Management zum ersten Mal vorbei, um sich das Gelände anzusehen – also zur Zeit der weltweiten Wirtschaftskrise.

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Zu Besuch in Leutkirch: So könnte ein Center Parc am Brombachsee aussehen

Der "Center Parcs Park Allgäu" wurde im Oktober 2018 eröffnet und umfasst 1000 Ferienhäuser verschiedener Ausstattung und Größe. Auf über 180 Hektar erstreckt sich das Feriendorf, das 350 Millionen Euro kostete. Wie das Areal bei Langlau handelt es sich um eine ehemalige Munitionsanstalt. Auch deshalb kann man ihn als Vorbild für eine Center Parcs-Anlage auf dem Muna-Gelände am Brombachsee sehen.


Die doch eher kleine Große Kreisstadt (aktuell 23.502 Einwohner) "stand damals nicht so gut da". Das dortige Krankenhaus schloss, die Zeitung zog weg und das Großsägewerk, das sich eigentlich auf der Munitionsanstalt niederlassen wollte, kippte seine Pläne. 600 oder 700 Lkws wären täglich gefahren, wenn es gekommen wäre.

Zusammenarbeit mit Center Parcs lief sehr gut

Bei einem Bürgerentscheid stimmten letztlich über 95 Prozent für die Ansiedlung von Center Parcs (CP). Zudem ist das Feriendorf gut über die A96 zu erreichen und die Gäste müssen durch keine Ortschaft fahren. Henle beschrieb die Zusammenarbeit mit dem Konzern als sehr gut: "Alles wurde eingehalten, was vereinbart war."

Beim Bau konnten die Leutkircher auch Einfluss nehmen. So wurde vertraglich festgehalten, dass Center Parcs regionale Produkte anbietet und eine Touristeninfo integriert. Lediglich einen Streitpunkt hätte es mal gegeben, erinnerte sich der OB. "Eigentlich sollten wir nicht alles so positiv darstellen, da wir auch viele Gäste aus Franken haben", stellte er humorvoll fest mit Blick auf die Pläne in Langlau.

Pfofelds Bürgermeister Reinhold Huber ist Henle dankbar, dass er sein Wissen zur Verfügung stellt: "Das ist ein sehr guter kommunaler Austausch." Ansonsten hielt er sich nach wie vor bedeckt, wie er zu einem CP-Feriendorf auf seinem Gemeindegebiet steht.

Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH, legte einige Zahlen vor, die zeigen, wie sich die Region in den vergangenen Jahren entwickelt hat. So lag die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Leutkirch 2008 bei 6600, 2019 bei 9403. Das entspricht einem Plus von 42,5 Prozent.

Auch hatte er Daten zu Übernachtungen gegen Entgelt parat. 2015 verzeichnete das Allgäu knapp 20,1 Millionen und 2018 knapp 23,8 Millionen Übernachtungen, ein Anstieg um 18,5 Prozent. Die Ferienanlage hat ihnen neue Gäste beschert, sagte Joachim. "Wir haben keine Hotels mit großen Wellnessbreichen. Viele bieten das Angebot von Center Parcs dann mit an", ergänzte OB Henle.

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Center Parcs baut im Seenland: Fragen und Antworten

Der Kreistag Weißenburg-Gunzenhausen und der Zweckverband Brombachsee luden zur Infofahrt. In Leutkirchen besichtigte man den jüngsten Center Parc und bekam einige Antworten auf brennende Fragen, was die umstrittene Ansiedlung eines neuen Center Parcs am Brombachsee betraf. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie gesammelt:


Als Bürger, Dehoga-Vorsitzender, Hotelier, Gastronom und ehrenamtlicher Vorsitzender einer Genossenschaft wandte sich Christian Skrodzki an die Delegation: "Herzlichen Glückwunsch, dass Center Parcs zu Ihnen kommen will." Durch das Feriendorf habe Leutkirch an Qualität gewonnen, die Innenstadt sei belebter: "Die DNA hat sich verändert." Gerade entstehe eine Vinothek in der Stadt mit einem Investitionsvolumen von 300 000 Euro und ein neuer Italiener eröffne bald, führte er als Beispiel auf. Der Park gebe oft den "letzten Schucker".

Seenland gelte immer noch als strukturschwach

Kreisrat und SPD-Fraktionsvorsitzender Mathias Hertlein erschien Skrodzki Vortrag glaubhaft: "Diese Aufbruchstimmung, die Center Parcs da erzeugt hat. Wenn wir die in unseren Landkreis übertragen könnten – das könnte unsere Region voranbringen." Gunzenhausens Bürgermeister Karl-Heinz Fitz hielt dagegen, "dass wir uns schon gut entwickelt haben".

Dennoch gelte das Seenland immer noch als strukturschwach. Ein CP-Anlage könnte deshalb ein weiterer Baustein sein. Auch um eine Ganzjahresauslastung zu erreichen: "Daran arbeiten wir seit Jahren."


Gunzenhausen: Protest gegen Center Parcs vor Kreistagssitzung


Durch die Ausführungen von Architekt Felix Schädler, der mit dem Bau von 250 Ferienhäusern betraut war, wurde noch mal deutlich, dass auch regionale Firmen eine Rolle bei Center Parcs spielen. Bereits am Morgen hatten die CP-Manager darlegt, dass über zwei Drittel des Budgets (350 Millionen Euro) in der Region ausgegeben wurden. Laut Schädler lief die Zusammenarbeit professionell und partnerschaftlich ab. Zudem denke der Konzern sehr nachhaltig.

"Ich glaube, Center Parcs ist für unser Seenland mehr Chance als Risiko, und man kann sich auf die Aussagen stützen", sagte Werner Falk, Fraktionsvorsitzender FDP, am Ende des Tages. Zusätzlich vertraue er auf das Genehmigungsverfahren. "Bei mir hat sich gegenüber heute früh viel im Kopf getan", gab die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Peiffer zu. Da war sie noch gegen das Projekt, doch mittlerweile fragt sie sich, "ob unserer Region nicht doch davon profitieren könnte?" Auch zu den beiden CP-Managern, Jan Janssen und Frank Daemen, habe die Architektin Vertrauen gewonnen. Innerhalb ihrer Partei gebe es unterschiedliche Auffassungen, ihr erscheine es jetzt jedoch möglich, dass so ein Park verträglich sein kann.

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