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Mittwoch, 19.06.2019

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Merkendorf: "Regional ist das bessere Bio für mich"

23-jährige Merkendorferin will mit mobilem Hühnerstall durchstarten - 14.06.2019 05:51 Uhr

Tagsüber haben die Hühner von Marie Schramm über 1200 Quadratmeter Wiese zur Verfügung, wo sie nach Herzenslust scharren und fressen können. © Isabel-Marie Köppel


"Ich klopf immer an, damit sie nicht erschrecken", sagt Marie Schramm. So kippt sie ihr Handgelenk zwei Mal nach vorne, schlägt ihre Knöchel gegen die Tür, und schiebt sie einen Spaltbreit auf. Hunderte Augenpaare starren sie an – aber alles bleibt ruhig.

Sie sind nicht erschrocken, scharren und fressen einfach weiter. Erst vor wenigen Wochen hat die ausgebildete Landwirtin die 450 Hühner gekauft. Die Eier will sie ab sofort direkt auf dem Hof ihrer Eltern vermarkten, den sie einmal gerne übernehmen möchte. Untergebracht sind die Hühner in einem mobilen Stall. Das Besondere daran ist, dass er keinen festen Platz hat. Durch die Räder kann er von Wiese zu Wiese gefahren werden. Der etwa drei auf 13 Meter große Container ist in mehrere Ebenen aufgeteilt. Ein Zaun umgibt den Stall, der ebenfalls flexibel mit umziehen kann. So haben die Hühner immer frisches Gras und viel Auslauf zur Verfügung.

Das war der 23-Jährigen wichtig: "Im Gras ist viel Klee. Dadurch ist der Dotter knallgelb." Ihr gefällt es, immer etwas Frisches anbieten zu können. Dadurch erreiche sie eine viel bessere Qualität. Außerdem achtet Schramm auf das Tierwohl und will eine artgerechte Haltung. Deshalb findet sie ihren Preis von 3,50 Euro pro Schachtel gerechtfertigt. Ihr ist klar, dass nicht jeder bereit ist, über drei Euro für zehn Eier zu zahlen, aber dafür bekommen ihre Kunden auch ein lokal erzeugtes und hochwertiges Produkt. "Das Regionale ist das bessere Bio für mich", sagt die Merkendorferin. Viele Verbraucher wollen mittlerweile wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen.

"Marie's Landgenuss"

Für die Direktvermarktung hat sich Schramm zwei Automaten angeschafft. In dem einen sind ihre Eier, in dem anderen verschiedene Produkte aus der Region. Honig, Grillfleisch, Wurst, Sauerkraut und Kürbiskerne finden sich derzeit darin. In einigen Fächern ist noch Platz. Ihr Sortiment stockt die junge Frau bald mit Milch und Nudeln, hergestellt aus ihren Eiern, auf. Die Automaten sind 24 Stunden zugänglich. Im elterlichen Hof haben die Schramms extra ein Lädchen dafür eingerichtet. "Marie’s Landgenuss" steht in schwungvoller Schrift darüber.

Für ihr Geschäft hat sich Schramm vorab ein Konzept ausgedacht. "In der Schule hab ich so eine dicke Arbeit darüber geschrieben", sagt sie und hält Daumen und Zeigefinger etwa drei Zentimeter auseinander. Aktuell macht die 23-Jährige ihren Agrarbetriebswirt in Triesdorf. Als "Herzenssache" bezeichnet sie ihr Projekt. Das ist auch überall zu lesen, auf dem Mobilstall oder den Flyern.

Der Eier-Automat nimmt Scheine und Münzen ab zehn Cent. © Foto: Isabel-Marie Köppel


Zudem springt einem das Pink springt sofort ins Auge. Selbst die Eierkartons sind rosa eingefärbt. "Das ist zwar nicht meine Lieblingsfarbe, aber ich wollte etwas Auffälliges", sagt Schramm lachend. Zusammen mit einer Firma hat sie sogar ein Logo entwickelt. Es zeigt ihr Gesicht mit den markanten Locken und der Brille. Wer genau hinsieht, kann auch kleine Hühner in dem Emblem entdecken. Ein Plakat im Hof und pinke Holzhennen im Garten sollen auf die Automaten aufmerksam machen. Das Grundstück liegt direkt an der B13 Richtung Ansbach hinter der Tankstelle in Merkendorf.

Momentan schaut die Familie Schramm noch fünf Mal pro Tag zum Stall. "Das ist wie mit kleinen Kindern. Da braucht man anfangs auch mehr Zeit", erklärt die Landwirtin. Die Eltern unterstützen ihre Tochter tatkräftig und auch finanziell, doch auf lange Sicht soll sich der Aufwand reduzieren.

Zukunft noch offen

Schramm will sich nach ihrem Agrarbetriebswirt eine Stelle suchen. Allerdings nicht in Vollzeit, damit sie sich noch um ihr Nebengewerbe kümmern kann. Den Zusatz "Landgenuss" hat sie bewusst gewählt, um sich ihre Zukunft offen zu lassen. Wenn das mit den Hühnern gut läuft, kann sie sich durchaus vorstellen ihr Geschäft zu erweitern – auch mit anderen Tieren.

Zurück am Stall: Eines der braunen Hühner sitzt auf Schramms Arm. Sie streichelt es. Das Heer am Boden folgt ihr auf Schritt und Tritt. Ihre Füße sind gar nicht mehr zu sehen. So dicht rücken die Hennen, die ja noch gar nicht so lange bei ihr sind, an die Landwirtin heran.

Am Sonntag, 16. Juni, findet von 10 bis 17 Uhr auf dem Hof in der Gunzenhausener Straße 7 in Merkendorf eine Eröffnungsfeier statt. Marie Schramm stellt den Mobilstall und ihre Automaten vor. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. "Marie’s Landgenuss" finden Sie auch auf Facebook

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