Donnerstag, 06.05.2021

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Metzgermeister Robert Prosiegel verstorben

Der Markt Berolzheimer engagierte sich für einen guten Umgang mit den Tieren - 11.04.2021 16:52 Uhr

Die Natur lag dem Metzgermeister Robert Prosiegel aus Markt Berolzheim sehr am Herzen. Nun ist sein Einsatz für eine bessere Zukunft für immer beendet.

11.04.2021 © Foto: Studios Höttingen


Ein aggressiver Hirntumor machte sämtliche Bestrebungen zunichte. Prosiegel starb am vergangenen Mittwoch im Alter von 66 Jahren an den Folgen des heimtückischen Geschwürs.

Am 26. Juni 1954 als Sohn von Rudolf und Maria Prosiegel in seinem Heimatort Markt Berolzheim zur Welt gekommen, wurde er frühzeitig mit den Gegebenheiten im elterlichen Gasthof sowie der angeschlossenen Metzgerei vertraut gemacht. Nicht die ältere Schwester Ruth, sondern er war dazu auserkoren, in die Fußstapfen des Vaters zu treten.

Dem Rhythmus der Arbeit angepasst

Nach der Realschule durchlief Prosiegel die Ausbildung zum Metzger im eigenen Betrieb. Es folgten Gesellenjahre in Nürnberg und 1976 die bestandene Meisterprüfung. Ein Jahr später läuteten die Hochzeitsglocken. Ehefrau Christine, eine geborene Holzinger aus Muhr am See, war als Hotelfachfrau beruflich nicht minder stark beansprucht. Das Familienleben mit den Kindern Stefanie und Thomas musste sich dem Rhythmus der Arbeit anpassen.

Im April 2019 stellte Robert Prosiegel sein Buch "Klarheit? Brauchen wir das?" im Altmühlsee-Informationszentrum vor. Anschließend nutzten viele Besucher die Gelegenheit, und ließen sich ihr Exemplar vom Autor signieren.

11.04.2021 © Uli Gruber


1986 übernahm der ambitionierte Jungunternehmer die elterliche Metzgerei in "Beheim". Innovativ wollte Robert Prosiegel sein und war stets dazu bereit, auch unkonventionelle Wege zu gehen. So eröffnete er Filialen im Vorkassenbereich des Marktkaufs in Weißenburg und später im Altmühlcenter Gunzenhausen. Es ging ihm dabei nicht allein um wirtschaftliche Effizienz. Hochwertige Lebensmittel sollten sich einer breiteren Wertschätzung erfreuen, so das Credo des Experten. Qualität dürfe nicht zugunsten des Preises geopfert werden. Dieses Thema ließ Prosiegel nicht mehr los. Wohl deshalb verstand er sich als hartnäckiger Aufklärer, gleichermaßen im Interesse von Mensch und Tier.


2018 besiegte Robert Prosiegel den Krebs und war danach voller Tatendrang


Der engagierte Metzgermeister wollte Bewusstsein nicht nur mit Worten vermitteln. Prosiegel kreierte seine weithin bekannte "Sonnenwurst" und den vegetarischen "Vetschie" für die Ladentheke. Darüber hinaus warb er mit der Initiative "Sauwohl" für eine artgerechte Tierhaltung und leistungsgerechte Bezahlung der Landwirte mittels Schweinepatenschaften – eine Kampagne unter dem Begriff "Glücksrind" startete etwas später. Die erste Bio-Metzgerei im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gründete der findige Berolzheimer ebenfalls. Als Mann der ersten Stunde trug Prosiegel maßgeblich zur Entwicklung der 2012 ins Leben gerufenen Aktionsgruppe "Slow Food Altmühlfranken" bei.

Philosophie, Schach und gemischter Chor

Trotz des vielseitigen Schaffens fand er nebenbei noch Zeit für Privates. Singen im gemischten Chor, Fotografieren, Schach und Tischtennis, sinnvolle Gespräche, das Eintauchen in Bereiche der Philosophie, Vorträge und sein Wirken in der Kirchengemeinde St. Walburga – auch das war Robert Prosiegel.

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Erste gesundheitliche Probleme traten 2015 auf, zunächst in Form einer verschleppten Borreliose-Infektion. Eine seltene Bluterkrankung führte im weiteren Verlauf der Beschwerden dazu, dass er auf Transfusionen angewiesen war. Glücklicherweise fand sich ein geeigneter Spender für die erforderliche Stammzellentransplantation. Prosiegels Zustand verbesserte sich danach kontinuierlich, er fühlte sich im wahrsten Wortsinn "wie neu geboren". Von der körperlichen Regeneration wurden auch die Sinne beflügelt. Unterstützt von Lektorin Stephanie Palm schrieb der stets positiv inspirierte "Visionär" das Buch "Klarheit? Brauchen wir das?".


Metzgerei mit ethisch verantwortlicher Zielsetzung


Bei der Vorstellung im April vor zwei Jahren gab sich der Autor kämpferisch. Er wolle mehr denn je zum Nachdenken anregen, Impulse geben für einen sensiblen Umgang mit den Ressourcen der Natur. Nun kann Robert Prosiegel die Zukunft nur noch indirekt durch seine bisherigen Veröffentlichungen mitgestalten. Zehn Monate nach der niederschmetternden Diagnose Hirntumor im Sommer vergangenen Jahres schloss er jetzt für immer die Augen. Um ihn trauern neben seiner Familie auch zahlreiche Freunde, Bekannte und Weggefährten.

ULI GRUBER

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