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Sonntag, 15.09.2019

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Millionenprojekt Stauraumkanal läuft nach Plan

Geislinger Firma soll im Oktober mit den Rohbauarbeiten fertig sein - 17.08.2019 05:54 Uhr

Das Luftbild gibt einen guten Überblick über die Baustelle zwischen Altstadt und Altmühl. Die Firma Uhrig ist großteils mit dem Stauraumkanal fertig. © Foto: Stadt Gunzenhausen


Still ruht die Baustelle an der Promenade. Wo noch vor kurzem Baumaschinen den Takt vorgaben, tut sich derzeit nichts. Für Thomas Hinterleitner vom städtischen Bauamt ist das kein Grund zur Beunruhigung. Das Millionenprojekt Stauraumkanal läuft nach Plan. Die mit allen Rohbauarbeiten beauftragte Firma Uhrig aus Geisingen in Baden-Württemberg macht derzeit Betriebsferien und greift ab dem 26. August wieder an.

Im Oktober soll die Firma fertig sein, dann besteht gerade für die Altstadt ein verbessertes Kanalsystem, mit dessen Hilfe Überschwemmungen bei Starkregen vermieden werden sollen. Die Kanalisation wird eine größere Kapazität haben, und es kann zudem mehr Regenwasser in die nahe Altmühl befördert werden.

"Uhrig hat bereits etwa 90 Prozent der Leistungen erbracht", schildert Hinterleitner. Der stellvertretende Stadtbaumeister, zuständig für den Tiefbau, ist voll des Lobes für das Unternehmen. Dieses habe seine Spezialtechnik, die ohne das Einrammen von Spundwänden auskommt, zum Einsatz gebracht. Damit sei die Baustelle leiser gewesen als üblich.

Uhrig sei mit relativ wenig Personal in der Altmühlstadt präsent gewesen, habe dafür die Spezialmaschinen optimal genutzt und sei somit gut vorangekommen. Dass die Bauarbeiter nur vier Tage pro Woche in Gunzenhausen werkelten, habe daran nichts geändert.

Alles in allem habe die Baustelle "gut funktioniert". Und die wöchentlichen Besprechungen zwischen Stadtbauamt und Firma seien ebenfalls einwandfrei verlaufen, fast immer war der Chef Thomas Uhrig selbst zur Stelle. Damit griffen alle Räder ineinander, und das war auch notwendig, weil die Arbeiten im Untergrund gerade im Bereich des Schießwasens wegen der vielen vorhandenen Leitungen kompliziert waren. Hinzu kamen die nassen Böden, aus denen das Wasser abgepumpt werden musste.

Die Maßnahme umfasst den Stauraumkanal und das riesige Pumpwerk am Rand des Festplatzes. Im Grunde muss man sich das Kanalnetz, die drei vorhandenen Regenüberlaufbecken (RÜB) und den neuen Stauraumkanal als eine miteinander verbundene technische Einheit vorstellen.

Die Altmühlaue sieht angesichts des dort lagernden Materials recht „struppig“ aus. Sie wird 2020 neue Konturen annehmen, wenn der Hochwasserschutz realisiert wird. © Foto: Wolfgang Dressler


Damit es funktionieren kann, müssen demnächst noch Elektrotechnik und Steuerung installiert werden. Bei heftigem Regen steigt der Wasserstand im System an, und ab einem bestimmten Schwellenwert tritt das Pumpwerk in Kraft. Drei Pumpen schaffen es, bis zu 7200 Liter Wasser pro Sekunde in die Altmühl zu pressen – unabhängig von deren Wasserstand. Bisher traten erhebliche Probleme auf, wenn der Fluss viel Wasser führte. Den Anwohner ist noch in unguter Erinnerung, wie sich das Wasser aus der Kanalisation hochdrückte.

Unterirdische Verbindungen

Zur größeren Leistungsfähigkeit tragen künftig auch zwei neue unterirdische Verbindungen zwischen Marktplatz und Stauraumkanal bei. Eine befindet sich zwischen Sport-Heinrich und dem Regenüberlaufbecken an der Altmühlbrücke, die zweite beginnt am Gebäude Marktplatz 44 (neben Foto-Braun) und führt von dort zur Promenade, wo sich ebenfalls ein RÜB befindet.

Hinterleitner stellt klar, dass sich im Kanalnetz der Altstadt auch künftig bei Starkregen Wasser ansammeln wird: "Ganz trockenlegen ist unmöglich und auch nicht gewollt." Entscheidend sei eben der Schwellenwert, ab dem die Technik ins Spiel kommt. Der Tiefbauexperte verweist auch auf den heftigen Regen am 28. Juli im Bereich Laubenzedel/Frickenfelden. Dort schüttete es so sehr, dass sich das Wasser auf den Straßen sammelte, weil es nicht schnell genug in den Kanal abfließen konnte. So etwas wird künftig auch an anderer Stelle vorstellbar sein. Das ist aber ein anderes Phänomen als eine zu kleine Kanalisation, die voll- und schließlich überläuft.

Ende des Jahres soll das neue Pumpwerk in den Probebetrieb gehen (natürlich, wenn es stark regnet). Er wird sich zeigen, ob alles wie vorgesehen funktioniert. Im Stadtbauamt ist man da zuversichtlich.

Eigentlich hätte die Firma Uhrig jetzt schon mit ihrem Part ganz fertig sein können, doch es ergab sich eine Verzögerung. Es ging um die Sickerwassersammelleitung, die im Vorgriff auf den künftigen Hochwasserschutz von Uhrig mitverlegt wurde. Diese Leitung wird dazu dienen, dass Wasser im Untergrund zur Altmühl hin abfließen kann, und das trotz der Vorrichtungen zum Hochwasserschutz. Das dafür zunächst verwendete Rohrmaterial erwies sich als nicht tauglich, es musste ausgewechselt werden.

Zeitplan bis 2021

Das Jahr 2019 steht also ganz im Zeichen des Stauraumkanals, eines Bauvorhabens der Stadt. 2020 kommt das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Ansbach ins Spiel, denn diese staatliche Behörde ist dafür zuständig, den Hochwasserschutz zu schaffen – von dessen Kosten die Stadt maximal 35 Prozent trägt. Es ist noch zu klären, ob die Einrichtungen für den Hochwasserschutz nach Fertigstellung in die Baulast der Stadt übergehen oder das Wasserwirtschaftsamt zuständig bleibt. Der Zeitplan sieht vor, dass 2020 der Hochwasserschutz zwischen Stadthalle und Altmühlbrücke realisiert wird. 2021 ist dann der Abschnitt von der Jugendherberge bis zur Tagesstätte der Diakonie kurz vor der Eisenbahnbrücke an der Reihe.

Ebenfalls 2021 wird das WWA die Altmühl-Renaturierung an der Promenade anpacken. Alle erforderlichen Flächen befinden sich im Besitz des Freistaats oder der Stadt. Die Gunzenhäuser und ihre Besucher dürfen sich auf einen Fluss freuen, der näher an die Stadt heranrückt, der Schleifen bilden darf und viele attraktive Aufenthaltsbereiche haben wird. Thomas Hinterleitner geht von einer deutlichen Aufwertung des Areals am Fluss aus und empfiehlt einen Abstecher zur Wörnitz nach Wassertrüdingen. Dort könne man bereits sehen, wie eine solche Aufwertung konkret aussehen kann.

Längere Zeit galt eine vorhandene Gashochdruckleitung als bauliches Hindernis für die Umgestaltung der Altmühl in Gunzenhausen. Die Leitung verlief nahe am Wasser und wurde mittlerweile näher zur Altstadt hin verlegt – also weg von den künftigen Schleifen und deren Verbindung mit dem Fluss. Als Veranlasser dieses Projekts (insgesamt 700 000 Euro) trat das WWA auf, die Stadt zahlt nur anteilig für die betroffenen städtischen Grundstücke (100 000 Euro). 

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