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Muhr am See: "Der kleine Prinz" feiert Premiere

Ensemble der Altmühlsee-Festpiele begeistert mit Inszenierung - 06.07.2016 18:50 Uhr

Nach vielen Begegnungen verabschiedet sich der kleine Prinz (Alexandra Marinescu) wieder von der Erde, wo viele Freundschaften entstanden sind. © Kristy Husz


Zahlreiche Vor- und Grundschüler und einige „große“ Leute gucken gespannt auf ein puristisches, kindgerecht gestaltetes Bühnenbild. Mit einfachen Mitteln hat Martin Riedl die Szenerien des im Original vom Autor persönlich illustrierten Werkes nachgebaut. Da ist die Wüste Sahara mit einer abgestürzten Flugmaschine, ein bisschen Steppengras, eine aus dem Buch übernommene Berg- und Wiesenlandschaft und in luftiger Höhe natürlich B 612, der rauchende Vulkanplanet des kleinen Prinzen.

Ein charismatischer Bruchpilot (Regisseur Jens Ulrich Seffen als Alter Ego des Fliegers Saint-Exupéry) zeigt seine Skizzen von offenen und geschlossenen Riesenschlangen, sorgt damit für Gekicher und berichtet mit wehmütig-warmem Timbre, wie er eines Tages die Bekanntschaft des kleinen Prinzen machte, der ein Schaf gezeichnet haben wollte.

Bei der titelgebenden Hauptfigur – optisch irgendwo zwischen Peter Pan, Sams und Pumuckl einzuordnen und fast ebenso frech – betont Ensemble-Neumitglied Alexandra Marinescu eher die vorwitzigen als die melancholischen Facetten und interagiert spitzbübisch mit dem Publikum, dem selbstverständlich nicht verborgen bleibt, dass hinter der Jungenrolle eine junge Dame steckt: „Es ist ein Mädchen, denn sie hat Brüste“, raunt in der vierten Reihe ein anderes Mädchen seiner Freundin zu, die wissend nickt.

Drollig, aber durchaus gefährlich ist die Giftschlange. © Kristy Husz


In einer Rückblende sagt der kleine Prinz der anspruchsvollen Rose in seiner winzigen Heimat derweil Adieu und tritt die Reise an, die ihn schließlich zum Erzähler der Geschichte führen wird. Unterwegs begegnet er auf fremden Gestirnen einer Reihe von Personen, deren Spleens von den Schauspielern Erwin Kleinwechter und Hartmut Kühn genussvoll zelebriert werden und die man als Allegorien diverser menschlicher Negativeigenschaften und Obsessionen verstehen kann: Der König ist herrschsüchtig, der Eitle lechzt nach Bewunderung, der alte Säufer kann nicht ohne Alkohol sein und der Laternenanzünder ist ein Sklave seines Pflichtgefühls. Der Geschäftsmann hingegen hortet Besitz, und lautstark empören sich die Kinder, als er sich anmaßt, selbst die Sterne sein Eigen nennen zu wollen, denn die gehörten doch dem Mond oder dem Himmel!

Kopfschüttelnd verbündet sich der kleine Prinz mit den Zuschauern und überlässt all die hoffnungslosen Fälle ihrem einsamen Schicksal. Auf der Erde trifft er sodann einen Weichensteller, der den kindlich-unverstellten Blick auf die Welt beneidet, sowie die drollige, aber mächtige Giftschlange. Ein kluger Schachzug ist es, dem doppelzüngigen Reptil dieselbe Stimme (Ursula B. Kannegießer) zu leihen wie der zwischen Stolz und Sanftmut schwankenden Rose, auch wenn unter den beiden bereits genannten Freundinnen ein leiser Streit darüber entbrennt, ob Blumen wirklich sprechen können oder nicht.

So eine Rose braucht viel Pflege, wie der kleine Prinz immer wieder feststellen muss. © Kristy Husz


Die wichtigste Botschaft allerdings hält die letzte Station, der Fuchs, parat. Während die einzelnen Planetenbewohner gänzlich auf Äußerlichkeiten wie Geld und Macht oder sich selbst fixiert sind, verweist der Fuchs auf die Bedeutung einer einzigartigen Beziehung zwischen zwei Lebewesen. Deshalb möchte er vom kleinen Prinzen gezähmt werden, was nichts anderes heißt, als sich vorsichtig einander vertraut zu machen und Freundschaft zu schließen. Statt sich von nichtigen Oberflächen blenden zu lassen, erklärt das scheue Tier, solle man mit Empathie durch die Welt gehen, denn: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Nachdem er diese Lektion mit dem seinerseits „gezähmten“ Piloten geteilt hat, kehrt der kleine Prinz zu seiner vielleicht doch nicht so anstrengenden Rose zurück, für die er jetzt gewaltige Zuneigung und Verantwortung verspürt. Die metaphysischen Dimensionen jener Heimreise, wie sie sich in der literarischen Vorlage eröffnen, bürdet Schnell seinem jungen Publikum dabei nicht auf. Wirkt das Ende dadurch auf Buchkenner zwar etwas abrupt und sehr fröhlich, macht die Hauptzielgruppe jedoch einen zufriedenen Eindruck.

Zufrieden zeigte sich auch Muhrs Bürgermeister Dieter Rampe, der den Künstlern zum Dank für die gelungene Premiere und passend zum galaktischen Trip des Protagonisten sternförmige Kekse überreichte. Wünschenswert wäre, wenn sich bei den kommenden Vorführungen noch viel mehr Erwachsene von diesem mitnichten reinen Kinderstück zu einer unverfälschten, eben kindlichen Betrachtungsweise der Dinge hinreißen ließen. Bis einschließlich Freitag, 22. Juli, ist dazu noch Gelegenheit. 

KRISTY HUSZ E-Mail

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