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Donnerstag, 25.04.2019

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Patrick Lindner auf der Stadthallen-Bühne

Volksmusiksänger erweist sich in Gunzenhausen als Star zum Anfassen - 29.03.2017 07:05 Uhr

Keinerlei Berührungsängste in der Pause: Patrick Lindner lässt sich bereitwillig mit Fans ablichten, hier mit Gerlinde Neth aus Wassertrüdingen. © Kristy Husz


Endlosschleifige Konservenbeats stampfen durch die Stadthalle? Schwindelerregend blitzen im Takt dazu die Farben des Regenbogens auf? Ein Mann in vergissmeinnichtblauem Anzug streift unermüdlich wie Rilkes Panther die Bühne entlang und singt in einer Lautstärke, welche die Hörorgane hart an der Unbehaglichkeitsschwelle vorbeischrammen lässt, von Liebe und Herzeleid, von Heimatgefühl oder exotischen Landstrichen (Böhmen, Italien, Griechenland)?

Willkommen in der schönen bunten Welt der volkstümlichen Musik.

Was auf Menschen, die diese Terra incognita bislang bloß am Rande betreten haben, anfangs befremdlich wirken mag, hat aber seine absolute Existenzberechtigung: Die Fans, viele von ihnen nicht mehr ganz taufrisch und teils von weit außerhalb Gunzenhausens angereist, blühen auf und schmeißen eine mitreißende Party. Für über drei Stunden vergessen scheinen Gehhilfen und Alterszipperlein, es wird geklatscht und geschunkelt, was das Zeug hält, silbergrau beschopfte Gesichter strahlen mit dem Mann auf der Bühne um die Wette.

Dessen "weicher Gang geschmeidig starker Schritte", um in Rilkes Bild zu bleiben, gehört keinem Geringeren als Patrick Lindner, seit bald 30 Jahren einer der größten Stars der Schlagerszene – und vor allem ein Star zum Anfassen. Eine Dame tanzt Sirtaki mit ihm, andere überreichen ihm während des Konzerts Blumen und Präsente, in der Pause steht er ausdauernd freundlich für Erinnerungsfotos und Autogrammwünsche bereit.

Seit seinem Durchbruch 1989 beim "Grand Prix der Volksmusik" ist der gelernte Koch als Sänger, Showmaster und Schauspieler erfolgreich. Ein Publikumsliebling, der natürlich all seine populären Melodien in die Altmühlstadt mitgebracht hat – von "Die kloane Tür zum Paradies" über "Die kleinen Dinge des Lebens" und "Gefühl ist eine Achterbahn" bis hin zum Peter-Alexander-Hitcover "Die kleine Kneipe". Und so textsicher sind die "Lindner-Chöre aus Gunzenhausen" überall mit dabei, dass "Gotthilf Fischer vor Neid erblassen würde", wie der 56-jährige Münchner lachend feststellt.

Mehr als nur eine Vorgruppe: das Ensemble „Stimmen der Berge“ mit Daniel Hinterberger, Thomas A. Gruber, Benjamin Grund, Stephan Schlögl und Simon Käsbauer (von links). © Kristy Husz


Nicht minder heiter und unterhaltsam ist der Auftritt der bayerischen Boygroup, die Lindner zur Unterstützung im Gepäck hat. Die "Stimmen der Berge" präsentieren heimatliche Liederreigen zwischen Heidelbergromantik und Alpengipfelglück und versüßen den Gästen den Abend überdies mit einer satten Portion Dolce-Vita-Feeling: "O sole mio", "Quando, quando, quando", "Buona sera Signorina", "Volare" und mehr Italoklassiker hauen sie als feuriges Medley raus.

Thomas A. Gruber, Benjamin Grund, Daniel Hinterberger, Simon Käsbauer und Stephan Schlögl sind fünf ehemalige "Regensburger Domspatzen", die, obwohl erst seit Kurzem in der Schlagerbranche tätig, bereits als steile Chartstürmer in Deutschland, Tschechien und der Slowakei aufgefallen sind. Mit charmantem Entertainment halten sie die Zuhörer bei Laune und werden ebenfalls mit Geschenken bedacht, bis Lindner sich im schwarzen Glitzerjackett die Bühne zurückerobert und mit sanftem Timbre erneut die Liebe beschwört.

Die klar und deutlich eingeforderte Zugabe absolvieren dann alle Künstler gemeinsam, das entflammte Publikum schnellt aus den Sitzen und vergisst vollends den Alltagstrott, bevor die Reise durch verschiedene Stilrichtungen und Regionen feierlich im Smartphone-Lichtermeer an der fernen "Sierra Madre" ausklingt.

Schade nur, aus Sicht der Musiker und des Veranstalters, dass die mit vielerlei Blinkwerkzeug ausgestatteten Reihen insgesamt recht dürftig gefüllt waren. Es könnte an einer ungünstigen Verknüpfung von Termin und Ort gelegen haben. Am ersten richtigen Frühlingssonntag des Jahres, direkt nach der Zeitumstellung, mochte bei Sonnenschein und gefühlt 17 Uhr wohl nicht jeder in ein dunkles, angestaubtes Gebäude verschwinden.

Immerhin, dessen Tage sind in dieser Form nun ja so gut wie gezählt – doch die von Patrick Lindner und den "Stimmen der Berge" dafür sicher noch lange nicht. 

KRISTY HUSZ E-Mail

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