Die Tiere sorgen für Gesprächsstoff

Peta will Gänsetötung am Altmühlsee verhindern

23.9.2021, 09:12 Uhr
Am Altmühlsee eine echte Plage: Grau- und Nilgänse treten dort in so großer Zahl auf, dass sie mutmaßlich schon Auswirkungen auf den Tourimus haben.

Am Altmühlsee eine echte Plage: Grau- und Nilgänse treten dort in so großer Zahl auf, dass sie mutmaßlich schon Auswirkungen auf den Tourimus haben. © Foto: Christian Pohler

Zwar ist der Zweckverband Altmühlsee (ZVA) für den See und dessen Anliegen zuständig, doch da Fitz dort Vorsitzender ist, war der Adressat nicht gänzlich falsch. Peta ist wohl durch die jüngste Berichterstattung zu den Wildgänsen auf das Thema aufmerksam geworden. Im Sommer informierte Fitz während einer ZVA-Sitzung über die Probleme, die Schwierigkeiten und ja, auch über die fehlende Unterstützung, um die Lage am Altmühlsee zu entspannen.

Rund 3.500 Tiere haben den See und seine Umgebung mittlerweile als Lebensraum auserkoren, vor wenigen Jahren waren es noch 2.500 weniger, hieß es in der Sitzung. Zahlreiche Beschwerden erreichten den Verband, die verkoteten Strände hielten Touristen ab und die Säuberung sei aufwendig.

Die Vergrämungsjagd soll ausgeweitet werden

Man wolle deshalb die sogenannte Vergrämungsjagd ausweiten, die probeweise bereits am Seezentrum Wald durchgeführt wurde. Ziel dabei ist, die Vögel eine Zeit lang von den Stränden zu vertreiben, und nicht, sie zu töten. Das bestätigt nochmals Daniel Burmann, der Geschäftsleiter des ZVA, und verweist darauf, dass sowohl die Vergrämungsjagd als auch die herkömmliche Jagd – die nicht direkt am See stattfindet – Teil eines "Bündels an Maßnahmen" sind. Auch mit sogenannten Gelegebehandlungen und Ablenkungsflächen versuchen die Verantwortlichen, die Population in Schach zu halten beziehungsweise sie von den Badestränden wegzulenken.

Dem ZVA sei bewusst, dass man die "Gänse nie ganz wegbringen" werde, aber es gelte, Konflikte zu vermeiden. Peta "sieht in dem Abschussplan einen Verstoß gegen jagdrechtliche Vorschriften sowie gegen das Tierschutzgesetz". Dem entgegnet Burmann, dass die Jagd von Gänsen seit Jahrzehnten in ganz Bayern erlaubt sei und auch am Altmühlsee vorschriftsgemäß stattfinde.

Die Jäger vor Ort wurden im Zuge des Wildgänse-Managements extra geschult und kennen nun geeignete Jagdmethoden, erklärte Dr. Christian Wagner von der Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) erst kürzlich unserer Zeitung. Er koordiniert die Steuerungsgruppe des LfL zum Management der Gänse.

Dem Argument der Tierrechtsorganistion, dass die hauptsächlich vorkommenden Graugänse "gemäß der EU-Vogelschutzrichtlinie besonderen Schutz genießen", ist entgegenzusetzen, dass alle europäischen Vogelarten diesem unterliegen, argumentieren Fachleute. Weder Grau- noch Kanadagans gelten als gefährdet und dürfen deshab laut der Richtlinie in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gejagt werden, klärt der Naturschutzbund Deutschland auf.

Die Nilgans gilt als invasive Art

Die Nilgans, die ursprünglich in Afrika südlich der Sahara und in Ägypten entlang des Nils vorkommt, gilt als invasive Art. 2014 stufte die EU sie als solche ein, im selben Jahr wurde sie ins Jagdrecht aufgenommen. Im Freistaat kommt sie zwar noch selten vor, besitzt aber "ein starkes Vermehrungs- und Ausbreitungspotential", ist auf dem "Wildtierportal Bayern" des Landwirtschaftsministeriums zu lesen.

Invasive Arten dringen sozusagen als Neubürger in bestehende Lebensräume ein, können sich dort vermehren und gefährden somit Ökosysteme und heimische Arten. Alle drei genannten Gänsearten dürfen vom 1. August bis 15. Januar bejagt werden. Der Vergleich der bayernweiten Zahlen und derer im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen zeigen, dass nur zwischen knapp zwei und knapp zweieinhalb Prozent der Gänse (die drei Arten summiert) durch Jäger und andere Gründe, etwa Krankheit, Hunger oder Kälte – als sogenanntes Fallwild hier in der Region zu Tode kommen.

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