Peter Gallenmüller ist neuer BRK-Vorsitzender

25.4.2021, 16:31 Uhr
Urkunde und Ehrennadel: Vize-Vorsitzender Ernst Hofer (links) und Geschäftsführer Rainer Braun ehren damit den scheidenden Wolf-Dieter Ueberrück (Mitte).

Urkunde und Ehrennadel: Vize-Vorsitzender Ernst Hofer (links) und Geschäftsführer Rainer Braun ehren damit den scheidenden Wolf-Dieter Ueberrück (Mitte). © Foto: Jürgen Eisenbrand

Der ehemalige CSU-Kommunalpolitiker und Vater zweier erwachsener Kinder erhielt beim Urnengang im Georgensgmünder BRK-Haus am Samstag 104 von 114 abgegebenen Stimmen (91,2 Prozent) – er war der einzige Kandidat.

In der Gunzenhäuser Stadthalle, gab es zudem reichlich Lob für blendende Bilanzen und Geschäftstüchtigkeit, aber auch beißende Kritik. Die Mitgliederversammlung des BRK-Kreisverbands Südfranken war spannend, und das nicht nur, weil sie erstmals weitgehend digital abgehalten wurde.

Locker bestuhlt

Nur etwa 50 Mitglieder – statt normalerweise rund 300 – hatten sich in der locker bestuhlten Gunzenhäuser Stadthalle eingefunden, um sich den letzten Vorstandsbericht Wolf-Dieter Ueberrücks live anzuhören, bis zu 360 Rot-Kreuzler waren online dabei. Der 76-Jährige tritt nach zwölf Jahren an der Spitze des Kreisverbandes (KV) aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an, konnte aber, ebenso wie Schatzmeister Hans Jürgen Rohmer, noch einmal beeindruckende Zahlen vorlegen.

Der neue Vorsitzende des BRK-Kreisverbands Südfranken: Peter Gallenmüller aus Pleinfeld.

 

Der neue Vorsitzende des BRK-Kreisverbands Südfranken: Peter Gallenmüller aus Pleinfeld.   © Foto: Jürgen Eisenbrand

In den Jahren seit 2009 drehten die Verantwortlichen um Ueberrück und Geschäftsführer Rainer Braun an vielen Stellschrauben, strukturierten den KV kräftig um, steigerten die Mitarbeiterzahl auf gut das Dreifache (von 208 auf 656) und den Umsatz von 10,5 auf 33,2 Millionen Euro.

Das sei gelungen, weil sie die "Blaulichtorganisation zu einem Familiendienstleister entwickelten", wie es der scheidende Vorsitzende formulierte, und weil sie dem KV, der 2009 noch satte 74 Prozent seines Umsatzes mit dem Rettungsdienst erwirtschaftet hatte, eine "Strategie der vielen Standbeine" (Ueberrück) verpassten.

Derzeit 15 Kindertagesstätten

Heute betreibt der KV, der sich auf die Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen und Roth sowie die Stadt Schwabach erstreckt, 15 Kindertagesstätten, vier weitere sind in Planung beziehungsweise im Bau. Dazu kommt das Seniorenzentrum in Treuchtlingen und Tagespflege-Einrichtungen in Abenberg und Büchenbach.

Stehende Ovationen: Wolf-Dieter Ueberrück (rechts) wurde in der Mitgliederversammlung gebührend verabschiedet.

Stehende Ovationen: Wolf-Dieter Ueberrück (rechts) wurde in der Mitgliederversammlung gebührend verabschiedet. © Foto: Jürgen Eisenbrand

Als einer von nur zwei der 73 Kreisverbände in Bayern betreibt man eine eigene integrierte Leitstelle, die den Betrieb in den Rettungswachen und die Feuerwehreinsätze koordiniert. Deren Zahl stieg nach den Neueröffnungen in Allersberg, Schwabach-West und Spalt noch einmal deutlich, was Ueberrück zu einem anschaulichen Fußball-Vergleich animierte: "Mit nunmehr 13 Wachen und 197 Mitarbeitenden spielen wir im Vergleich der bayerischen Kreisverbände nicht nur Erste Liga, sondern nach wie vor Champions League."

Schatzmeister Rohmer betonte, "dass unser Wachstum kein Selbstzweck ist und war". Denn Wachstum ergebe nur dann Sinn, "wenn man dadurch wieder in sinnvolle, zukunftsorientierte und vor allem rentable Geschäftsfelder investieren und die wirtschaftliche Stabilität verbessern kann".

Eine "beruhigende Kapitalstruktur"

Dass dies gelungen sei, belegten die Umsatzzahlen und insbesondere die Eigenkapitalquote. Obwohl man seit 2009 fast 32 Millionen Euro investiert habe, davon 17 Millionen allein seit 2017, sei die nämlich stetig von 57 auf 81 Prozent gestiegen. "Fränkisch bescheiden" nannte Rohmer dies eine "beruhigende Kapitalstruktur". Bei all diesem finanziellen Aufwand sei dennoch "unser Ehrenamt nicht zu kurz gekommen".

Für dessen Belange habe man in den vergangenen vier Jahren 3,6 Millionen Euro aufgewendet, rechnete der Schatzmeister vor. Denn: "Wir wissen sehr wohl, was wir dem Ehrenamt schulden und verdanken, und statten es deshalb auch entsprechend aus." Weshalb es für die BRK-Verantwortlichen besonders problematisch ist, dass Corona seit Monaten die Nachwuchswerbung lahmlegt. Es gebe eine fertig konzipierte Kampagne, mit der der KV eigentlich schon seit Monaten vor Ort um neue (aktive) Mitglieder werben wollte – das Virus verhindert ihren Einsatz.

Mehrwert erschließt sich nicht

Während der KV sich also beim Ehrenamt großzügig zeigt, bereitet ihm das Geldausgeben an anderer Stelle offensichtlich gewaltige Bauchschmerzen. Nämlich da, wo es um "Transferleistungen" an Landes- und Bezirksverband geht, zur Finanzierung des sogenannten "Overhead".

Dafür flossen laut Rohmer "von 2017 bis 2020 mehr als 1,65 Millionen Euro an unseren Dachverband – durchaus ein stolzer Betrag". Zwar erkenne man an, dass "sich die Qualität der Leistungen des Spitzenverbandes deutlich verbessert hat, und dies seinen Preis erfordert". Aber angesichts des Zwangs zu immer mehr Wirtschaftlichkeit, stelle sich die Frage, "ob in der heutigen Zeit noch alle vorhandenen Verbandsstufen oder Einrichtungen zwingend erforderlich sind. Insbesondere, wenn sich deren Mehrwert in keinster Weise erschließt."


Die BRK-Rettungswache Gunzenhausen bekommt ein neues Zuhause


Eine schallende Ohrfeige, die der Herr der Zahlen da dem Bezirksverband verabreicht. Der auch vom Vorsitzenden kräftig eingeschenkt bekam: Der Landesverband sei "inzwischen sein Geld durchaus wert", so Ueberrück. "Die Bedeutung des Bezirksverbandes für unsere Arbeit tendiert aber gegen Null."

Und noch eine Entwicklung stößt dem scheidenden Chef sauer auf: der jüngst vom Bundesverteidigungsministerium installierte "Freiwilligendienst im Heimatschutz". Denn der mache die Rekrutierung junger Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder den Bundesfreiwilligendienst beim BRK ableisten wollen, schwierig. Denn: Ein Heimatschützer wird mit 1550 Euro monatlich entlohnt, ein FSJ-ler bekommt 700 und ein "Bufdi" nur etwa 300 Euro Taschengeld. "Einmal mehr", kritisiert Ueberrück, würden dadurch "die ohnehin knappen personellen Ressourcen der Sozialverbände angezapft".

Details dazu und alle weiteren Wahlergebnisse unter www.kvsuedfranken.brk.de

Keine Kommentare