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Pressmetall vor dem Aus: 504 Mitarbeiter erhalten Kündigung

Die Kündigungen werden noch im Dezember ausgesprochen - 02.12.2020 15:21 Uhr

Vor der Schließung: Bei Pressmetall Gunzenhausen wird mit der Ausproduktion begonnen. Betriebsrat und Gewerkschaft wollen weiterhin um den Erhalt des Gunzenhäuser Betriebs sowie der 500 Jobs kämpfen und suchen nach wie vor nach einem Investor.

02.12.2020 © Foto: Reinhard Krüger


Das ist nun die Konsequenz, nachdem sich auch der letzte verbliebene Investor aus dem Bieterprozess zurückgezogen hatte. Ursache des Rückzugs nach monatelangen intensiven Verhandlungen sind deutlich reduzierte avisierte Abrufzahlen von Hauptkunden, die diese teilweise um die Hälfte nach unten korrigiert hatten, das teilte der Pressesprecher der Stuttgarter Kanzlei Schultze & Braun, Ingo Schorlemmer mit. Dadurch sei bei Pressmetall ein "ungeplanter zusätzlicher Liquiditätsbedarf im Millionenbereich" für das kommende Geschäftsjahr entstanden. Dieses Risiko habe der Investor nicht tragen wollen.

"Dieses Ergebnis ist ein schwerer Schock für uns und für die gesamte Belegschaft. Wir waren alle sehr zuversichtlich, dass wir nach dem Pressmetallwerk in Hoym auch für den Standort Gunzenhausen eine gute Lösung finden werden", kommentiert Sanierungsberater Detlef Specovius von Schultze & Braun in der Pressemitteilung. "Da Pressmetall in Gunzenhausen ohne einen Investor keine Perspektive hat, blieb uns keine andere Wahl als der Start der Ausproduktion."

Gläubigerausschuss votiert für die Schließung

Auch der Gläubigerausschuss hatte sich laut der Pressemitteilung für eine Schließung des Standorts ausgesprochen, sollte sich kein Investor für Gunzenhausen finden.

Sachwalter Dr. Stefan Debus von Müller-Heydenreich, Bierbach & Kollegen (Nürnberg) dankt den Mitarbeitern für ihren Einsatz in den vergangenen Monaten: "An ihnen hat es nicht gelegen", meinte er wörtlich. Die Mitarbeiter hätten unter schwierigen Bedingungen in dieser Pandemie vollen Einsatz gezeigt und um ihre Arbeitsplätze gekämpft. Gleiches gelte für den Betriebsrat und die Gewerkschaft, die "immer eng in den Investorenprozess eingebunden waren und uns in den Verhandlungen unterstützt haben".


Im März wurde das Sanierungsverfahren in Eigenverantwortung eröffnet


Für Isabella Stanko hat der Kampf auch noch nicht aufgehört. "Wir werden trotzdem noch versuchen, einen Investor zu finden", betonte die Betriebsratsvorsitzende gegenüber dem Altmühl-Boten. Der Betriebsrat habe Kontakt mit Gunzenhausens Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, Landrat Manuel Westphal, dem bayerischen Landtag und dem Wirtschaftsministerium aufgenommen. Finanzielle Hilfen seien in Aussicht gestellt worden – dafür allerdings "brauchen wir einen Investor".

Corona hemmt Geldinvestoren

Die Chancen, diesen noch zu finden, stehen allerdings nicht gut, das weiß auch Horst Schmitzberger, politischer Sekretär bei der IG Metall in Schwabach. Denn wegen Corona seien die "Geldinvestoren sehr sehr vorsichtig". Und natürlich trage auch die Transformation der Autoindustrie einen erklecklichen Teil zu der Misere bei, erläutert der Gewerkschafter auf Nachfrage unserer Zeitung.

Aufgeben ist allerdings nicht die Sache von Schmitzberger. Die IG Metall werde auch weiterhin versuchen, einen Investor zu finden. Es gebe wohl nur noch die Chance, jemanden aus der Branche zu finden, für den PMG eine Ergänzung zur Produktionslinie seiner Firma wäre.

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Die 504 Mitarbeiter in Gunzenhausen werden derweil noch im Dezember ihre Kündigung erhalten. Für die Auszubildenden suchen Betriebsrat und Gewerkschaft derzeit nach Möglichkeiten, dass sie ihre Lehre in Betrieben in der Region zu einem guten Ende bringen können.

Mit dem Betriebsrat laufen nach Worten von Ingo Schorlemmer die Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessenausgleich. Vorhandene Aufträge werden in Gunzenhausen noch abgearbeitet. Findet sich nicht doch noch ein Retter in letzter Sekunde, dann gehen in dem Werk in der Alemannenstraße Ende März nächsten Jahres die Lichter wohl endgültig aus.

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