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Problem beim Baden: Larven gehen unter die Haut

Nicht nur die Weißbachmühle bei Merkendorf war betroffen - 10.09.2020 17:12 Uhr

Die Stadt Merkendorf stellte Hinweisschilder an der Weißbachmühle auf, die vor Zerkarien warnten und den Badegästen Handlungsanleitungen gaben.

10.09.2020 © Foto: Wolfgang Dressler


Es geht grundsätzlich darum, was gut funktionierte und was noch zu verbessern ist. So sollen etwa die Erfahrungen der vielen Wohnmobilisten zur Sprache kommen. Ein anderes Thema wird wohl eher unangenehm sein: In dem beliebten Badegewässer machten sich heuer Zerkarien breit, und das betraf badende Menschen.

Die Fachleute sprechen von einer Badedermatitis, einem Hautausschlag. Hervorgerufen wird dieser durch die Larven (Zerkarien) von Saugwürmern, die im Wasser nach ihren Wirten suchen. Endwirte sind eigentlich Wasservögel, vor allem Enten. Die Zerkarien dringen normalerweise in die Haut der Vögel ein, meist im Bereich der Schwimmhäute, und entwickeln sich in den Tieren zu ausgewachsenen Würmern.


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Der Mensch ist sozusagen ein "Fehlwirt im Kreislauf zwischen Wasserschnecke und Wasservogel". Die infektiösen Larven bohren sich statt in die Haut von Enten in die von Menschen. Hier sterben sie aber ab. Zehn Minuten nach dem Kontakt setzt ein Prickeln oder ein leichtes Jucken ein. An den Stellen, an denen die Larven eingedrungen sind, erscheinen etwa zwei Millimeter große gerötete Flecken. Es können sich Quaddeln bilden. Am unangenehmsten ist das Jucken, das sehr viel stärker ist als nach einem Mückenstich. Die Quaddeln gehen nach Abklingen des Juckreizes in kleine, derbe Papeln über. Im Verlauf von 10 bis 20 Tagen heilen sie ohne Folgen ab.

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Was es mit den Zerkarien auf sich hat, darüber machte sich der Merkendorfer Rathauschef natürlich kundig. Das Problem der Zerkarien stelle sich vor allem bei erhöhten Wassertemperaturen. Und Stefan Bach weist darauf hin, dass die Eier der Saugwürmer von Wasservögeln mit ihrem Kot ins Wasser gelangen. Hier müsse man also einsetzen und den Eintrag von Vogelkot verringern. Man müsse also die Vögel mehr als bisher vom Badesee fernhalten. Ein Patentrezept, um Abhilfe zu schaffen, kann der Bürgermeister allerdings nicht nennen.

Badekleidung ablegen und sich gründlich reinigen

Auf den Hinweistafeln an der Weißbachmühle war zu lesen, was man tun und beachten soll. Die Empfehlungen: Warme Flachwasserzonen meiden, nach dem Baden sofort die Badekleidung ablegen und sich gründlich abtrocknen (nicht erst duschen gehen). Außerdem: Wasserfeste Sonnencreme kann den Befall mit Zerkarien vermindern helfen. Bei starkem Juckreiz sind juckreiz- und entzündungshemmende Salben und Gele hilfreich. Und: Auf keinen Fall Wasservögel im Badebereich füttern.


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Der neueste Stand: Die Zerkarien-Lage hat sich laut Bürgermeister entspannt. Beschwerden von Badegästen seien die Ausnahme geblieben. Es habe sich gezeigt, dass nur manche Badegäste auf die Zerkarien reagierten. Andere Badegäste hätten keine Beschwerden gehabt.

Noch im August, also in der sehr heißen Jahreszeit, meldete sich eine Urlauberfamilie beim Altmühl-Boten und berichtete von Saugwürmern im Badewasser an der Absberger Badehalbinsel. Der sechsjährige Sohn habe nach dem Baden im Kleinen Brombachsee einen schlimmen Ausschlag erlitten. Bei einem Kinderarzt in Gunzenhausen erfuhr die dorthin geeilte Familie, dass dieses Krankheitsbild im Hochsommer des Öfteren aufgetaucht sei, sogar mehrmals täglich.

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Diese Aussage kann Dr. Johannes Rank, Leiter des Gesundheitsamtes am Landratsamt in Weißenburg, bestätigen. Das Problem mit den Zerkarien tauche immer wieder auf. Es bestehe hier keine Meldepflicht, so dass die Behörden über keine verlässlichen Zahlen verfügen.

Nach seiner persönlichen Einschätzung waren letztes Jahr mehr Badegäste von dem unangenehmen Hautausschlag betroffen als heuer. Letztlich sei gegen diese Plage, die ja nicht wirklich gefährlich sei, "kein Kraut gewachsen". In Frage käme nur, ein Naturbadegewässer komplett zu schließen, und das wolle ja niemand. So müsse man, wenn man denn dort baden wolle, ein gewisses Risiko eingehen – oder die Schwimmbäder mit ihrem gereinigten Wasser bevorzugen.

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