Anstieg um 20 Prozent

Reckenberg-Gruppe: Preis fürs Trinkwasser steigt kräftig

Wolfgang Dressler
Wolfgang Dressler

Altmühl-Bote

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21.11.2021, 17:09 Uhr
Im Jahr 2019 ging das neue Wasserwerk bei Arberg in Betrieb. Es erhöht die Versorgungssicherheit beträchtlich, so die Reckenberg-Gruppe.

Im Jahr 2019 ging das neue Wasserwerk bei Arberg in Betrieb. Es erhöht die Versorgungssicherheit beträchtlich, so die Reckenberg-Gruppe. © Foto: Isabel-Marie Köppel

Den entsprechenden Beschluss fasste vor wenigen Tagen die Verbandsversammlung, und zwar einstimmig, wie RBG-Vorsitzender Michael Dörr, Bürgermeister von Wolframs-Eschenbach, und Werkleiter Christof Lautner berichten. Die Verbandsräte seien sich darin einig gewesen, dass jede Gebührenanhebung zu einer zusätzlichen Belastung der Haushalte führe. Dennoch habe man diesen Schritt gehen müssen – die Gebühren müssten nun einmal die Kosten decken. Es gehe hier vorrangig um den Substanzerhalt der Anlagen, nicht um irgendeine Absicht, Gewinne zu erzielen. Letzteres wäre auch gar nicht erlaubt.

Die Kalkulation des Wasserpreises beruht auf dem Kommunalen Abgabengesetz. Eine Neufestsetzung gilt für maximal vier Jahre. So hat es auch die Reckenberg-Gruppe bisher gehalten: Zum 1. Januar 2018 waren die Preise letztmals "angepasst" worden. Das geschieht nun zum 1. Januar 2022. Die neuen Sätze gelten dann für zwei Jahre, so die Marschrichtung, die Michael Dörr empfahl. Danach werde man weitersehen, wie sich Einnahmen und Ausgaben entwickeln.

Die künftig geltenden Sätze, so argumentieren Dörr und Lautner, basierten also auf einem Zeitraum von sechs Jahren: einer Rückrechnung bis 2018 und einer Vorschau bis 2023. Unterm Strich komme ein rund 20-prozentiger Anstieg heraus. Das sei nicht wenig und müsse gegenüber den Verbrauchern gut begründet werden. Der Verbrauchspreis für Trinkwasser erhöht sich von 1,55 Euro auf 1,86 Euro (Nettopreise) pro Kubikmeter. Gleichzeitig steigt die jährliche Grundgebühr für einen Haushalt von 132 auf 162 Euro.

Trinkwasser kostet 0,3 Cent je Liter

Konkret sieht das für einen typischen Dreipersonenhaushalt mit einer Abnahmemenge von 145 Kubikmetern so aus, dass sich eine Mehrbelastung von 80 Euro im Jahr ergibt. Das sind 2,23 Euro pro Person im Monat. Vorsitzender und Werkleiter haben hier den Hinweis parat, dass die Preisbelastung im Energiebereich (zum Beispiel Erdgas) bei weitem höher ausfalle als beim Trinkwasser. Dieses sei eines der am besten kontrollierten Lebensmittel, werde frei Haus geliefert und koste gerade mal 0,3 Cent je Liter. Den Preisanstieg beim Trinkwasser bewerten sie als "verkraftbar".

Blick in den Rohrkeller des Wasserwerks in Wassermungenau. Auch hier hat der kommunale Wasserversorger die Technik modernisiert und verbessert.

Blick in den Rohrkeller des Wasserwerks in Wassermungenau. Auch hier hat der kommunale Wasserversorger die Technik modernisiert und verbessert. © Foto: Reckenberg-Gruppe

Wie "Otto Normalverbraucher" und viele Firmen hat auch die Reckenberg-Gruppe in den letzten Jahren – bei einer regen Investitions- und Sanierungstätigkeit von insgesamt 20 Millionen Euro – erfahren müssen, dass vieles teurer wurde. Es wurden "kontinuierliche Erneuerungsmaßnahmen" gemacht. Das Leitungsnetz ist fast 700 Kilometer lang mit rund 15.000 Haushaltsanschlüssen, zwölf Hochbehältern, zwei Wassertürmen und zwei Wasserwerken. Michael Dörr: "Einen Sanierungsstau sollte es nicht geben." Das Rohrleitungssystem müsse auf einem guten Stand gehalten werden. Die routinemäßigen Arbeiten im Netz schlugen seit 2018 mit zirka 4,4 Millionen Euro zu Buche.

Christof Lautner verweist auf das neue Wasserwerk Arberg, das 2019 in Betrieb genommen wurde und der höheren Versorgungssicherheit dient. Zudem wurde im Wasserwerk Wassermungenau im "Rohrkeller" der Trinkwasserbezug energetisch optimiert und ein Gebäude mit modernen Arbeitsplätzen für das technische Personal geschaffen. Der Altbau aus den 70er-Jahren war für fünf Mitarbeiter ausgelegt, inzwischen ist in Wassermungenau ein 40-köpfiges Team tätig (die RBG-Verwaltung befindet sich in der Reutbergstraße in Gunzenhausen).

Viele Millionen Euro investiert

Und damit nicht genug: Für die Grundwassergewinnung und zur Sicherung des "Trinkwasserdargebotes" hat der Versorger über zwei Millionen Euro aufgewendet. Außerdem wurde im nördlichen Verbandsgebiet (Heilsbronn/Petersaurach) eine neun Kilometer lange Verbundleitung gebaut (vier Millionen Euro).

Dass gerade die Tiefbaupreise, die die Baufirmen verlangen, nach oben gehen, wird wohl so weitergehen, erwarten die RBG-Chefs. "Es wird in den nächsten zwei Jahren nicht besser werden." Sie verweisen auch auf die tariflichen Lohnerhöhungen (Prognose für 2023: plus zehn Prozent). All das habe man beim Planansatz für die kommenden zwei Jahre berücksichtigen müssen.

Heuer machte die Reckenberg-Gruppe unliebsame Schlagzeilen, weil es nach starken Überschwemmungen zu bakteriellen Verunreinigungen im Trinkwasser gekommen war. Das Trinkwasser musste daraufhin in vielen Kommunen in Westmittelfranken abgekocht werden. So etwas soll nicht wieder vorkommen. Deshalb schafft der Versorger eine Anlage zur UV-Desinfektion an. Lautner: "Die Anlage kostet 70.000 Euro, ist bestellt, wird nächstes Jahr eingebaut und ist dann ständig in Betrieb. Bisher desinfizieren wir mit Chlor. In der Übergangszeit werden wir mit Chlor und mit UV-Licht arbeiten, danach braucht es das Chlor gar nicht mehr."

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