Donnerstag, 24.10.2019

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Rentnerstammtisch in Meinheim bleibt bestehen

Wilfried Cramer und Harald Heinzelmann gehen ungewöhnliche Wege, um das Gasthaus im Ort zu erhalten - 09.06.2019 07:30 Uhr

Gesellige Runde: Schon seit 1996 treffen sich die Rentner jeden Mittwochnachmittag im Meinheimer Gasthaus Grünsteudel. Wilfried Cramer und Harald Heinzelmann (Mitte) sorgen dafür, dass es dort weitergeht. © Tina Ellinger


Mit diesen zwei Sätzen bringt Karl Jörg die gute Stimmung in der gemütlichen Stube des Gasthauses Grünsteudel in Meinheim genau auf den Punkt. Dass er und seine Stammtischfreunde auf dieses Vergnügen nicht verzichten müssen, dafür legen sich mit Wilfried Cramer und Harald Heinzelmann zwei engagierte Meinheimer ins Zeug.

Das Gasthaus im Dorf zu erhalten, das ist ihr Antrieb, erzählen sie beim Rundgang durchs Haus. Als klar war, dass Wirtin Erna Grünsteudel die traditionsreiche Wirtschaft aus gesundheitlichen Gründen nicht länger betreiben kann, fackelten die beiden nicht lange: Gemeinsam erwarben sie das Gebäude und führen es nun seit Jahresanfang in Eigenregie.

Viel Idealismus

"Es sollte weitergehen, vor allem als Treffpunkt für die Rentner, aber auch zum gemeinsamen Fußballschauen und als Probenraum für den Männergesangverein", erklärt Wilfried Cramer, der seit Mai 2014 Meinheims Bürgermeister ist und in direkter Nachbarschaft zum Gasthaus wohnt. Mit Harald Heinzelmann hat er sich einen Bauingenieur mit ins Boot geholt, der einiges an Erfahrung in der Sanierung alter Gemäuer mitbringt.

Nicht ohne Stolz präsentieren die zwei Idealisten die vier Gästezimmer im Obergeschoss, die jüngst auf Vordermann gebracht worden sind. Hier waren vor allem die Ehefrauen der beiden gefragt, die nicht nur neue Vorhänge und Tischdecken genäht, sondern auch Sessel und Stühle frisch gepolstert und bezogen haben. Auch neue Böden wurden verlegt, so dass sich die künftigen Gäste auf freundliche und gemütliche Zimmer freuen können.

Derzeit noch eine reine Baustelle ist die Küche, die komplett – vom Boden bis zur Decke – erneuert wird. "Das wird ein Schmuckstück", freut sich Heinzelmann schon jetzt auf das Ergebnis. Wenn alles fertig ist, wird hier das Frühstück für die Übernachtungsgäste angerichtet, und auch für Feiern können die Räumlichkeiten angemietet werden. Einen Gaststättenbetrieb mit regelmäßigen Öffnungszeiten und Speisekarte wird es nicht geben, stellen Cramer und Heinzelmann klar: "Wir wollen damit keinen Reibach machen, sondern etwas fürs Dorf tun."

Mehr als Unterhaltung

So eignet sich die ebenfalls aufgehübschte Stube bestens zum gemeinsamen Fußballgucken für die jüngere Generation und ist fixe Anlaufstelle für die Rentner, die sich dort seit Herbst 1996 jeden Mittwochnachmittag treffen, wie sich Karl Auinger erinnert. Der Meinheimer Altbürgermeister hat das Treffen einst ins Leben gerufen und ist mit seinen 94 Jahren der Älteste im Bunde, der jüngste Stammtischler wirkt mit seinen 62 Jahren fast wie ein Jungspund dagegen. Bis aus Auernheim, Heidenheim, Wolfsbronn, Kurzenaltheim und Degersheim kommen sie. "Wir lassen jeden rein, wir sind international", feixen die betagten Männer, die nur ungern ein Zusammensein sausen lassen.

"Da hat man Unterhaltung. Wenn man nicht fortgeht, bekommt man nichts mehr mit", meint Karl Mathes aus Wolfsbronn, der seit seinem Renteneintritt 2004 eine feste Größe am Stammtisch ist. Doch es ist noch mehr als die reine Unterhaltung, weiß Petra Riehl, die für Essen- und Getränkenachschub sorgt: "Viele sind mittlerweile alleinstehend, und da ist es schön, einmal in der Woche zusammen zu essen. Da schmeckt es doch besser."

Die gelernte Altenpflegerin hat schon bei Erna Grünsteudel ausgeholfen und kennt ihre Gäste samt ihren Eigenheiten genau. "Es ist eine schöne Gemeinschaft, in der viel altes Wissen weitergegeben wird", weiß sie und zeigt auf die Fotos, die Karl Auinger gerade die Runde machen lässt. Schwarzweiß-Aufnahmen von der Fahnenweihe des Männergesangvereins 1893.

Der Altbürgermeister überlässt sie gerne seinem Nach-Nachfolger Wilfried Cramer für dessen Archiv, und hat auch schon die Kirchweih im Kopf, die in Meinheim Ende September gefeiert wird. "Was Schönes" soll sich das Gemeindeoberhaupt dafür einfallen lassen.

Schnaps und Gesang

Derweil füllt Petra Riehl die Essensliste für den nächsten Mittwoch aus, Brotzeitteller oder Käseplatte stehen zur Wahl. Bestellt wird bei der örtlichen Metzgerei Engelhardt. Alle wollen wieder dabei sein und sind froh, dass ihr Stammtisch bestehen bleibt und sie hoffentlich noch viele Geburtstage zusammen feiern können. "Dann gibt es einen Schnaps, und es wird gesungen", erzählt Petra Riehl, die sich freuen würde, wenn ein paar Jüngere sozusagen als Nachwuchs dazustoßen würden.

Auch Frauen waren schon zu den Treffen eingeladen, bisher ist aber nur ein weiblicher Gast regelmäßig mit von der Partie. "Wenn sie da ist, dauert der Stammtisch ein bisschen länger", schmunzelt die "Rentnerbetreuerin". Ja, so sind sie eben, die "rüstigen Meinheimer Buam", grinst Auinger über beide Ohren – bereit für noch viele Mittwoche dieser Art.

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