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Römer-Kastell ist eine Schatztruhe für Archäologen

In Dambach findet man ein Militärlager mit allerlei Besonderheiten - 31.07.2015 18:00 Uhr

Unverhoffter Fund: Bei Arbeiten 2009 wurde Flechtwerk aus der Römerzeit freigelegt. © Oberhäußer


Es liegt an der nordöstlichen Ehinger Gemeindegrenze zu Unterschwaningen, genauer: der eigentliche Kastellbereich auf Ehinger, Arena und die Grundmauern römischer Zivilgebäude sowie ein Teil der Gräberfelder auf Unterschwaninger Gebiet.

Der Bereich des Kastells Dambach ist eine archäologische Schatztruhe, da der sumpfige Untergrund und die vorhandenen Weiher die beste Konservierung für die Hinterlassenschaften bieten.

Dieses römische Militärlager hat seine Besonderheiten: Es lag unmittelbar hinter dem Grenzwall und dürfte erst in der Mitte des 2. Jahrhunderts angelegt worden sein. Bereits am Ende des 19. Jahrhunderts erforschte der damalige Limes­streckenkommissar, der Weißenburger Apotheker Wilhelm Kohl, im Auftrag der Reichslimeskommission den Kastellstandort. Er legte nach Ablassen des Kreutweihers einen über 90 Meter langen und bis zu 1,60 Meter breiten Pfahlrost frei, der als Gründung für den Grenzwall gedeutet wird.

Bei weitergehenden Untersuchungen entdeckte Kohl auch das kleine Amphitheater (Arena) und Teile einer römischen Zivilsiedlung. Bei der Anlage eines Weihers gab es 1958 weitere Ausgrabungen, und bei späteren Grabungen stieß man auf insgesamt vier Gräberfelder und eine Müllhalde.

Außergewöhnlich sind die Funde von Holzresten, die laut einer Untersuchung der Jahresringe nahezu 2000 Jahre alt sein dürften. Die Arena dürfte etwa 250 Personen gefasst haben. Fundamente von Gebäuden eines Lagerdorfes wurden bei Wegebauarbeiten entdeckt, anschließend aufgemauert und präsentieren sich nun besuchergerecht.

Nachdem der Limes im Jahr 2005 das Prädikat „UNESCO-Weltkulturerbe“ erhielt, kam es in den folgenden Jahren zu weiteren Forschungsarbeiten. Bei diesen wurden eingerammte und mit Flechtwerk umwundene Reisig- und Rutenbündel – auch als Faschinen bezeichnet – gefunden. Auf einer kleinen Fläche fand man eine Ablagerungsfläche von nahezu 40 weggeworfenen Schuhen und Schusterabfall, darunter Sandalen und Nagelsohlen, deren Nägel man wohl wegen ihres Materialwertes beziehungsweise ihrer Wiederverwendbarkeit entfernt hatte.

Im Verlauf dieser Arbeiten im Vicus­areal wurde eine Quelle angeschnitten. Eine dort entdeckte Holzeinfassung beinhaltete eine etwa 30 Zentimeter starke Schicht aufeinandergestapelter Holzobjekte. Darunter waren etwa ein Dutzend Holzbeine und Holzarme mit einer Länge von über 70 Zentimetern. Dabei dürfte es sich um Votivgaben handeln, die an einem Quellheiligtum niedergelegt wurden.

Diese Weihegaben kennt man aus der Antike, als Körper- und Genesungsvotive. Sie wurden für erbetene Heilung oder schon erreichte Genesung einer Quellnymphe geweiht. Offensichtlich handelt es sich um eine Ablagerung von Holzvotiven, die man am Quellenrand oder im Bereich des Heiligtums niedergelegt hatte, wenn die Masse der Weihegaben überhandnahm und weggeräumt werden musste oder das Heiligtum geschlossen wurde.

Diese Funde werden nach wissenschaftlichen Untersuchungen der späten Limeszeit zugeordnet. Sowohl das Quellheiligtum als auch die Arena zählen zu den selten entdeckten Relikten aus der Römerzeit.

Eintauchen in die Zeit, als die Römer unsere Region besetzt hielten, kann man übrigens bei den Führungen des Gästeführerteams der Gemeinde Unterschwaningen, die unter der Überschrift „Auf Römerspuren – entlang vom Limes“ angeboten werden.

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