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Saison-Aus wegen Corona: Fränkische Schützin übt Kritik

Sammenheimerin hätte sich vom Verband kreative Lösungen gewünscht - 11.10.2020 06:14 Uhr

Tina Brückmann mit voller Konzentration am Schießstand. Dieses Bild wird es in den kommenden Monaten nicht geben – entsprechend verärgert ist die 29-Jährige

© Foto: Mathias Hochreuther


Wie haben Sie von der Saisonabsage erfahren?

Tina Brückmann: Zum einen übers Internet, aber ich habe es über Facebook von Mannschaftskollegen schon etwas früher mitbekommen. Ich habe es schon am Montag, den 28. September erfahren. Die offizielle Meldung des DSB gab es ja erst am 29..

Wie war Ihre erste Reaktion auf diese Nachricht?

Ich war schon ziemlich enttäuscht und ziemlich sauer. Davor hatte es immer geheißen, es gibt eine Saison – egal, in welcher Variante. Und darauf hat man sich ja auch entsprechend vorbereitet. Das, was man sich im Training erarbeitet hat, möchte man dann ja auch in einem Wettkampf umsetzen.

Welche Varianten waren zuvor denn im Gespräch?

Zum Beispiel, dass man nur in Leistungszentren schießt, da dort mehr Schießstände zur Verfügung stehen. Da kann man die Abstände besser einhalten. Eine andere Variante war, immer nur einen Wettkampf pro Wettkampftag zu schießen und dafür jeden Sonntag zu schießen.

Wie bewerten Sie die Kommunikation des Verbandes?

Meiner Meinung nach hätte man das besser machen können. Wir sind ja eine kontaktlose Sportart. Da hätte man schon mehr aus der Situation machen können. Das Schlimme ist ja, dass man nicht mal probiert, eine Saison durchzuführen. Man hätte ja erst mal einen Wettkampftag machen können, danach vier Wochen Pause, um zu analysieren, was gut und was schlecht gelaufen ist. Und das dann verbessern.

"Es hätte Lösungen gegeben"

Sie waren zuletzt gut in Form, oder?

In der Vorbereitung habe ich meinen Anschlag komplett verändert, mit dem bin ich letzte Saison nicht zurechtgekommen. Da hatte ich mir eine Schonhaltung angeeignet. Ich habe im Training einen Schnitt von 393 oder 394 Ringen und das ist schon sehr gut. Im Wettkampf über 390 Ringe schießen, das würde ich mir mal wieder wünschen.


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Wie haben Sie sich im Frühjahr und Sommer fit gehalten?

Im Frühjahr ging gar nichts. In meinem Heimatverein in Sammenheim war ab Anfang Juli wieder Training möglich, da habe ich dann – mit Maske und Abstand – wieder angefangen zu schießen. Zusätzlich habe ich dann auch mein Einzeltraining wieder aufgenommen. Zwei bis dreimal pro Woche trainiere ich normalerweise schon. Ende Juli und Anfang September hatten wir außerdem zwei Trainingslager in Titting.

Wenig Verständnis für den Verband

Der Verband begründet die Absage mit der Corona-Pandemie. Zum Beispiel gab es Ängste, dass Sportler in Quarantäne müssen und dann ihrem Beruf nicht mehr nachgehen können. Können Sie diese Argumentation nachvollziehen?

In gewissen Punkten schon, aber es hätte vor allem in unserer Sportart schon auch Lösungen gegeben, die Hygieneregeln einzuhalten. Man hätte ja zum Beispiel einen Schießstand mit 20 Ständen auswählen können, da wäre nur jeder zweite Stand belegt gewesen. Außerdem war ja schon seit Mai oder Juni klar, dass die Saison ohne Zuschauer stattfinden wird. Somit hätte man die 1. Liga ähnlich wie die 2. Liga organisieren können. In der 1. Liga schießt man eigentlich einen Wettkampf am Samstag und einen am Sonntag, bei uns in der 2. Liga sind beide Wettkämpfe am Sonntag. Wir haben also das Problem mit den Übernachtungen nicht. Wir schießen pro Wettkampftag auch nur mit vier Mannschaften statt mit sechs.

Schützin Tina Brückmann

© Privat


Die Fußballer spielen, die Handball-Saison beginnt – aber die Schützen setzen aus. Das ist doch ziemlich paradox?

Genau. Das ist eben das, was ich nicht verstehe. Notfalls wären ja sogar Fernwettkämpfe gegangen. Aber das wurde ja auch abgelehnt. In den anderen Sportarten ist es so, dass 1. Und 2. Bundesliga Priorität haben und darunter manches abgesagt wird. Bei uns ist es leider genau umgekehrt.

Vereine übernehmen die Regie

Wie ist aktuell die Stimmung unter Sportlern und Vereinen?

Die, mit denen ich Kontakt hatte, verstehen die Entscheidung nicht. Vor allem, weil andere Sportarten, mit mehr Körperkontakt, starten.

Gibt es vielleicht eine Alternative zum regulären Ligabetrieb?

Die Vereine sind dran, eine inoffizielle Runde zu organisieren. Ich weiß nicht, wie viele da genau mitmachen und was der aktuelle Stand ist. Das wären dann aber Fernwettkämpfe, das heißt, man sieht das Ergebnis der gegnerischen Mannschaft dann irgendwo übertragen. In Ligen weiter unten dürfen wir übrigens nicht aushelfen.


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Wie verbringen Sie jetzt das Winterhalbjahr ohne Ihren Sport?

Das kommt drauf an, ob es die inoffizielle Runde geben wird. Wenn ja, werde ich auf jeden Fall weiter trainieren. Letzte Woche habe ich auch einmal trainiert, mit meiner Teamkollegin Laura Seybold. Das war aber eher ein Frusttraining.

Zur Person: Tina Brückmann, 29 Jahre alt, wohnt in Sammenheim und trainiert auch regelmäßig bei ihrem dortigen Heimatverein. In der 2. Bundesliga tritt sie mit dem Luftgewehr für die FSG Titting an den Schießstand.

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