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Freitag, 14.05.2021

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Sammenheim bekommt ein Nusshaus

Das Herzstück in der ehemaligen Bullenhaltung ist die neue Nussknackmaschine - 15.04.2021 06:11 Uhr

Das Herzstück, die neue Nussknackmaschine, steht bereits. Dass das neue Sammenheimer Nusshaus nach Fertigstellung auch mit Leben gefüllt werden, dafür wollen unter anderem Friedrich Schröder, Ernst Beißer und Ruth Ellinger (von links) sorgen.

14.04.2021 © Foto: Marianne Natalis


Claus, Heinz, Bodo und der Chef, so hießen die letzten Bewohner des Gebäudes an der Kreisstraße zwischen Gnotzheim und Dittenheim. Es waren die Gemeindebullen, die dort früher gehalten wurden. Wo jetzt säckeweise Walnüsse auf die Weiterverarbeitung warten, erinnern nur noch vier Schilder an der Wand mit den Geburtsdaten der Stiere an den ehemaligen Zweck. In den 1970er Jahren hatte die Bullenhaltung ausgedient, zuletzt wurde das Gebäude von den Sammenheimer Vereinen als Lager benutzt.

Mit "Gütesiegel Heimatdorf" ausgezeichnet

Nach der Auszeichnung der Gemeinde Dittenheim vor zwei Jahren mit dem "Gütesiegel Heimatdorf", beschloss der Gemeinderat, von dem Preisgeld eine Nussknackmaschine anzuschaffen. Auf der Suche nach einem Standort – dass das Gerät nach Sammenheim sollte, stand nie in Frage – wurde man in der ehemaligen Bullenhaltung fündig. Denn das Haus gehört der Gemeinde und ist in einem guten Zustand.

Früher wurden hier die Gemeindebullen gehalten. Nun soll das Gebäude mit der Nussknackmaschine das neue Aushängeschild des Nussdorfs Sammenheim werden.

14.04.2021 © Foto: Marianne Natalis


Der Beschluss des Gemeinderats war einstimmig und mehrheitlich im Sinne der Sammenheimer, wie in einer Bürgerversammlung Anfang vergangenen Jahres deutlich wurde. Allerdings gab es im Dorf auch Stimmen, die einen Neubau den Vorzug gegeben hätten. Diese Variante wäre die Gemeinde jedoch wesentlich teurer gekommen, da auch das angedachte Grundstück nicht in ihrem Besitz ist, erläuterte Stöbel bei einem Ortstermin im künftigen Nusshaus.

Neubau viel teurer

Der zuständige Architekt Winfried Wolff aus Gunzenhausen war in einer ersten Einschätzung von einem Kostenunterschied von etwa 200 000 Euro ausgegangen. Darüber hinaus war für ihn auch die Lage an der Kreisstraße zwischen Gnotzheim und Sammenheim ein ganz ausschlaggebender Moment, bestätigte er auf Anfrage. Dort sticht das künftige Nusshaus ins Auge und ist gut zu finden.


Zum ersten Nussmarkt strömten 2014 Tausende nach Sammenheim


Ebenfalls für die ehemalige Bullenhaltung spricht, das betont Friedrich Schröder, dass damit ein Gebäude mit viel Tradition einer anderen Tradition zugeführt wird. Und es bleibt als Haus für die ganze Dorfgemeinschaft erhalten.

Säckeweise Walnüsse warten darauf, dass die Knackmaschine in Betrieb geht. Die Tafeln an der Wand zeugen noch vom ursprünglichen Zweck des Hauses.

14.04.2021 © Foto: Marianne Natalis


Für Ströbel und den Gemeinderat war darüber hinaus wichtig, dass sich die örtlichen Vereine mit der Umnutzung einverstanden erklären und für sie eine neue Lagermöglichkeit gefunden wird. Das konnte einvernehmlich geklärt werden, von privater Seite wurde eine Scheune zur Verfügung gestellt.

Viel Eigenleistung

Rund 150 000 Euro kostet der Umbau der ehemaligen Bullenhaltung zum schmucken Nusshaus. Eingerechnet sind hier allerdings auch die mittlerweile schon mehr als 1100 ehrenamtlich – und somit unentgeltlich – geleisteten Arbeitsstunden von den Unterstützern des Projekts. Die Bauleitung hat Adolf Göttler ebenfalls ehrenamtlich übernommen. Zieht man zudem die rund 70 000 Euro Fördergelder aus dem LEADER-Topf ab, so verbleiben etwa 60 000 Euro, die von der Gemeinde finanziert werden müssen, rechnet Ströbel vor.


Schon einmal packte das Dorf an der Bullenhaltung mit an


In einem ersten Bauabschnitt wird das Nusshaus erst einmal als Standort für die Nussknackmaschine bereitgestellt. Diese wird die Arbeit der Manufaktur Gelber Bürg wesentlich erleichtern, denn bisher mussten die Mitarbeiter bis ins württembergische Ludwigsburg zur bis dato einzigen Nussknackmaschine in Süddeutschland fahren, um die vielen Tonnen Wahlnüsse aus ihrer harten Schale zu bekommen.

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Alles rund um die Nuss: Eindrücke vom 2. "GeNussmarkt" in Sammenheim

Über 60 Händler boten ihre Walnuss-Produkte an - vom Kuchen über Bratwürste bis zu Möbeln aus Nussholz -, mehrere Tausend Besucher aus der Region, Bayern, aus benachbarten Bundesländern und aus der niederösterreichischen Gemeinde Krummnußbaum waren beim 2. "GeNussmarkt" in Sammenheim dabei. Zudem repräsentierten 16 "Königinnen" Spezialitäten aus ihrer Heimat, vom Hopfen bis zu Rosen.


Verwaltet werden soll das Haus aber von einer noch zu gründenden Sparte Nuss des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins. Das scheiterte bisher nicht etwa am mangelnden Willen, sondern an der coronabedingten Verschiebung der Jahresversammlung, erläutert OGV-Vorsitzende Ruth Ellinger. Ernst Beißer soll, so die Mitglieder dem zustimmen, die Leitung dieser Sparte übernehmen.

Noch Zukunftsmusik

Beißer ist, zusammen mit Ellinger und Friedrich Schröder, der in der Manufaktur und der ARGE aktiv ist, auch einer der Vordenker des Projekts Nusshaus und will es künftig mit Leben füllen. In einem zweiten Bauabschnitt könnte eine Arbeitsküche eingebaut werden, die allen Sammenheimern für Tätigkeiten rund um die Walnuss offenstehen könnte. Das reicht von der Herstellung von Likör bis hin zu Nussspezialtitäten in Gläsern oder Walnusssnacks für Besucher. Das Dachgeschoss des Gebäudes böte Platz für einen Mehrzweckraum. Ideen hätte Beißer genug.


Wallnussspezialitäten auf dem Wochenmarkt angeboten


Das ist allerdings noch Zukunftsmusik, weiß Beißer. Zunächst habe die Gemeinde nun ein Fundament für eine gute Weiterentwicklung des Nussdorfs Sammenheim gelegt, betont auch der Bürgermeister. Nun sei es an den Verantwortlichen zu zeigen, dass ihr Konzept trägt. Dann erst könne über den nächsten Schritt gesprochen werden. Für den zweiten Bauabschnitt hat das Amt für Ländliche Entwicklung bereits die Möglichkeit einer Förderung signalisiert, er müsste aber auf jeden Fall noch vom Gemeinderat abgesegnet werden.

Die Arbeiten am künftigen Nusshaus sind schon weit fortgeschritten. Jetzt stehen die Pflasterarbeiten im Außenbereich an, zudem muss eine Zufahrt zu dem kleinen Anbau geschaffen werden, dort können die Nüsse dann direkt angeliefert werden. Auch eine Hecke, die den direkten Nachbar etwas abschirmen soll, wird demnächst gepflanzt. Irgendwann soll dann auch Einweihung gefeiert werden – wann das seien wird, das steht allerdings noch in den (Corona-)Sternen.

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