Die Bürger wünschen sich Hilfe von der Politik

Schnaken-Plage: Normales Leben in Windsfeld kaum möglich

26.8.2021, 05:54 Uhr
Der Experte Dr. Norbert Becker kam nach Windsfeld, um sich ein Bild von der Lage zu machen und Proben von Stechmücken einzusammeln und später zu untersuchen.

Der Experte Dr. Norbert Becker kam nach Windsfeld, um sich ein Bild von der Lage zu machen und Proben von Stechmücken einzusammeln und später zu untersuchen. © Foto: Ralph Goppelt/vifogra

Ein normales Leben - in den Orten an der Altmühl eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Roland Weglöhner, Inhaber einer Pferdepension in Gundelsheim, muss den Pferden auf seiner Koppel schon einen kompletten Mückenschutz anziehen, sodass die Tiere wirken, als würden sie aus einem Science-Fiction-Film kommen. Aber nur so ist ein längerer Aufenthalt auf der Koppel möglich.


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Lange Kleidung dagegen, Mückenschutzgitter, Citronella-Kerzen und Anti-Mücken-Mittel sind die Wahl der Menschen die in den Orten wohnen oder dort zu Besuch sind. Pensionsinhaber klagen darüber, dass die Gäste keine Chance haben den Aufenthalt zu genießen. Aber auch alle anderen Anwohner beklagen eine extreme Einschränkung der Lebensqualität durch die blutsaugenden Quälgeister.

Proben der Insekten wurden gesammelt

Deswegen hat nun auch unter anderem Dr. Norbert Becker, Biologe und Direktor des Instituts Stechmückenbekämpfung in Heidelberg bzw. Speyer, Windsfeld auf Anforderung einen Besuch abgestattet. Natürlich hat er sich nicht nur umgeschaut, sondern auch Tiere für Proben eingesammelt, um zu sehen, welche Exemplare sich hier so vermehren. Denn in den letzten Jahren gab es hier zwar auch vermehrt Stechmücken, aber nie so viele wie in diesem Jahr. Eine kurzfristige Lösung kann aber auch er nicht versprechen.

Das Wasserwirtschaftsamt Ansbach hat in Untersuchungen aus den Jahren 2018 und 2020 keine erhöhten Larvenkonzentrationen feststellen können, obwohl es auch damals schon die Klagen aus Windsfeld gab. Auch in diesem Jahr sind nicht alle Altmühlorte betroffen. Im benachbarten Trommetsheim sieht Bürgermeister Manfred Schuster etwa im Moment für seine Gemeinde keinen Handlungsbedarf. "Es gibt vielleicht ein paar mehr Schnaken als sonst, aber wir kommen zurecht", stellt er auf Anfrage fest.

Am Dienstag ging nun das vorläufige Ergebnis der ersten Untersuchungen bei der Gemeinde Dittenheim ein. "Es handelt sich bei uns überwiegend um Auwald und Wiesenmücken", zitiert der Dittenheimer Bürgermeister aus dem Gutachten. Ein Hinweis darauf, dass die Überschwemmungsflächen der nahen Altmühl und die wassergeprägten Biotopstrukturen rund um Windsfeld bei der Mückenplage eine Rolle spielen könnten.
Anwohner hatten schon länger vermutet, dass die Renaturierung der Altmühl, die 2016 abgeschlossen wurde, die Mückenplage befördert haben könnte. Das Wasserwirtschaftsamt sah den Zusammenhang bislang nicht.
Nun scheint sich ein Konflikt abzuzeichnen, zwischen dem, was für die Natur und dem, was

In erster Linie müsse man schauen, welche Mücken hier vorkommen. Es seien sehr wahrscheinlich Überschwemmungsmücken, sagte Becker. Im zweiten Schritt müsse man ein Bekämpfungskonzept machen. Es sei denkbar, biologisch gegen die Mücken vorzugehen mit dem sogenannten BTI Eiweiß Cristal, das nur Mückenlarven abtöte und andere Organismen unbeschadet lasse. Es gelte, die Menschen vor den Mücken zu schützen, aber auch die Natur. Deshalb kämen unspezifische Mittel, die tabula rasa machen mit der Insektenwelt, nicht in Frage.

Bangen und warten

Nun heißt es für die Anwohner wieder bangen und warten, welche Ergebnisse sich auftun. Doch jeder und gerade Marion Meyer-Guthmann, die Unterschriften im Ort für einen Hilferuf an die Gemeinde Dittenheim gesammelt hat, hofft auf eine Lösung für nächstes Jahr. Bis dahin müssen die Anwohner und Feriengäste wohl noch mit den Blutsaugern auskommen und sich so gut es geht schützen.

Wobei das nicht so einfach ist, denn die Stechmücken schwirren in Wolken durch den Ort. Die Bürger wünschen sich Hilfe von der Politik. Bei einem Ortstermin hatten sich die Verantwortlichen über das Problem informiert, darunter MdL Alfons Brandl. Der CSU-Politiker aus Herrieden hatte zugesagt, sich in München zu erkundigen, was hier machbar sei und was anderswo praktiziert werde.

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