Maskenpflicht und teure Luftfilter

Schulanfang in Gunzenhausen: Für Testverweigerer wird's schwer

13.9.2021, 16:15 Uhr
An der Stephani-Mittelschule Gunzenhausen gibt es große Klassen. Dieses mobile Luftfiltergerät, neben dem Rektorin Sandra Wißgott steht, wird nun erprobt.
 

An der Stephani-Mittelschule Gunzenhausen gibt es große Klassen. Dieses mobile Luftfiltergerät, neben dem Rektorin Sandra Wißgott steht, wird nun erprobt.   © Isabel-Marie Köppel, NN

Freitagmorgen lag das 13-seitige Schreiben mit den Vorgaben, die für das neue Schuljahr gelten, vom Kultusministerium vor. Immerhin ein Tag Vorbereitungszeit für die Lehrerkonferenz am Montag bleibt Sandra Wißgott, Rektorin an der Stephani-Mittelschule Gunzenhausen. Diesbezüglich habe sich nicht viel verbessert. "Es ist zu kurzfristig. Nur die Anzahl der Schreiben hat sich bisher verringert", sagt sie.

Zu den Vorgaben für die Mittel- und Förderschule gehört eine Maskenpflicht – auch am Platz. Außerdem sind die Schülerinnen und Schüler dazu verpflichtet, einen Corona-Test zu machen. "Das mit dem Nasestochern", vereinfacht es Wißgott. Geimpfte und Genesene sind davon befreit. Positiv zu erwähnen sei, dass genügend Tests vorhanden sind. Wer diese aber verweigert, darf das Schulhaus nicht betreten, stellt die Rektorin klar. Gleichzeitig schreibt das Kultusministerium vor, Proben müssen in Präsenz stattfinden. Besteht dafür nicht die Bereitschaft, sich testen zu lassen, "gibt es keine Noten und alles was man für den Übertritt braucht". "Ohne Noten kann es keine Bewerbung für Gymnasium oder Realschule geben", macht Wißgott klar.

"Nur weil die Eltern Querdenker sind"

"Es gibt immer Test- oder Maskenverweigerer", spricht sie aus Erfahrung. Vergangenes Schuljahr seien es sieben an der gesamten Schule gewesen, für heuer seien bisher zwei Anträge eingegangen. "Das werden sicher noch mehr", glaubt die Rektorin. Es ärgert sie sichtlich, "wenn gesunde Kinder zuhause bleiben, nur weil die Eltern Querdenker sind". Natürlich sei ihr auch bewusst, dass es Kinder gibt, die tatsächlich aus gesundheitlichen Gründen daheim bleiben müssen. Egal, warum Eltern ihre Kinder nicht in die Schule lassen, fest stehe für Wißgott: "Wir versuchen alle zu unterstützen."

Die Online-Hilfe werde von einer schwangeren Lehrerin kommen, die aufgrund ihres Beschäftigungsverbots keinen Kontakt mehr zu Schülern haben darf. Doch diese muss sich um die gesamte Schule kümmern und tritt spätestens zu den Weihnachtsferien in den Mutterschutz, gibt Wißgott zu bedenken.

Wie im Distanzunterricht werde es also nicht mehr laufen. Dafür gebe es auch Rückendeckung aus dem Kultusministerium. "Die Schulen informieren über den behandelten Stoff, aber es gibt keinen Anspruch auf Einzelbetreuung", erklärt Wißgott. Denn auch das ärgere sie, wenn von der Schule dann ein immenser Mehraufwand seitens der Eltern erwartet wird. Arbeitsblätter werden zur Verfügung gestellt, die Eltern sind in der Bringpflicht, sie rechtzeitig vorbeizubringen, wenn sie etwa korrigiert werden sollen, schildert Wißgott den künftigen Ablauf.

Lehrkräftemangel bereitet Sorgen

Denn die Schulen sollen offen bleiben. Neben Präsenzunterricht auch noch Einzelbetreuung zu leisten, sei nicht möglich. Zumal in der Stephani-Mittelschule sowieso ein Defizit von 28 Unterrichtstunden pro Woche besteht aufgrund der schwangeren Lehrerin. Ersatz scheint derzeit nicht in Sicht – Stichwort Lehrkräftemangel. "Der Pflichtunterricht ist abgedeckt – aber mehr nicht", sagt die Schulleiterin frustriert. Fördermaßnahmen wie Deutsch plus könne sie deshalb nicht anbieten.

"Willkommen im neuen Schuljahr", heißt es da bereits an einer Tafel in der Stephani-Mittelschule. Wie normal es werden kann, wird sich erst noch zeigen.   © Isabel-Marie Köppel, NN

Außerdem dürfte sie pro Woche sechs Stunden an eine externe Kraft ohne Lehrerausbildung vergeben. Diese Stunden seien für die beiden Ganztagsklassen gedacht. Doch die Bedingungen seien nicht attraktiv genug. "Finden Sie mal jemanden, der von 12.15 bis 14 Uhr für 295 Euro pro Monat arbeiten will", sagt die 60-Jährige. Seit März seien die Ausschreibungen offen, aber es finde sich niemand. Dennoch versuche sie derzeit noch über einen anderen Fördertopf, Unterstützung zu bekommen. Das Schulamt helfe dabei.

Als ein Politikum bezeichnet Sandra Wißgott die Förderung für Luftfilter. Es werde der Eindruck generiert, viel Geld werde in die Hand genommen. "Eine Farce" – denn es würde maximal die Hälfte der Anschaffungskosten übernommen. Und auch dieser Betrag ist pro Raum auf 1750 Euro gedeckelt, gibt sie zu bedenken. Außerdem folgten je nach Model Installations- und Wartungskosten. In der Stephani-Mittelschule gebe es bisher zwei Luftfiltergeräte, um sie zu testen. 85 wären vonnöten, um alle Klassenzimmer auszustatten. Doch die Stadt Gunzenhausen, konkret der Stadtrat, hat sich als Sachaufwandsträger längst dagegen entschieden. Das Weißenburger Pendant hat seine Meinung dagegen geändert. Daher glaubt Wißgott, dass der Gunzenhäuser Stadtrat nun etwas in Zugzwang ist.

Lüften im Winter keine Lösung

Trotzdem müsse man die Geräte erst einmal testen. Auch um zu sehen, wie laut sie sind. Auf der anderen Seite seien ständig geöffnete Fenster keine Lösung. "Ich habe erlebt, wie Schüler in eine Decke gewickelt mit Mütze und Jacke vor den offenen Fenstern sitzen. Das stört den Unterricht massiv", erzählt sie.

18 Klassen und rund 360 Schülerinnen und Schüler erwartet die Mittelschule heuer. Mit Blick auf die Urlaubsrückkehrer findet Wißgott die Maßnahmen, die zunächst bis zum 1. Oktober gelten sollen, angemessen. Man müsse die Ausweitung des Coronavirus‘ reduzieren. In anderen Bundesländern seien die Infektionen nach Schulbeginn schließlich nach oben geschnellt. Je nachdem wir groß das Interesse ist, könne sich die Rektorin auch eine Impfaktion in der Schule vorstellen.

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