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Schwere Zeiten für die Schweinehalter

Bauernverband hatte zu einer Aussprache nach Oberschwaningen eingeladen - 04.11.2014 12:00 Uhr

Ortstermin in Oberschwaningen mit MdL Jürgen Ströbel, Martin und Karl Bößenecker (Zweiter bis Vierer von links) sowie den Vertretern des BBV und der Vermarktungsorganisationen. © Oberhäußer


An dem Termin nahmen Landwirte, Vertreter von Vermarktungsorganisationen und MdL Jürgen Ströbel teil. BBV-Kreisobmann Ernst Kettemann führte aus, dass er mit Wut zu dieser Zusammenkunft gefahren sei. Die Landwirte fühlten sich von der Politik verlassen. Diesen Vorwurf begründete Kettemann mit den großen Herausforderungen, verursacht durch die Gesetzgebung auf bundesdeutscher und europäischer Ebene wie dem Greening (Ausweisung ökologischer Vorrangflächen) und den Tierschutzbestimmungen, mit denen die bäuerliche Landwirtschaft konfrontiert werde. Bei diesen Regelungen stehe nicht der praktizierende Landwirt im Fokus, sondern man messe den Nichtregierungsorganisationen immer mehr Gewicht zu. Diese Problematik kenne der Verbraucher aber nicht.

„Unsere Vollerwerbsbetriebe sind dringend auf Veredlung und Tierhaltung angewiesen, um ein ausreichendes Familieneinkommen zu erwirtschaften“, machte der Kreisobmann klar. Nach seinen Worten beträgt die durchschnittliche Betriebsgröße im Kreisverband Ansbach 27,4 Hektar und entspricht dem landesweiten Durchschnitt. Bei diesen Betriebsgrößen sei Tierhaltung unverzichtbar, ansonsten wären die Höfe nicht existenzfähig. Der Bundesbürger verzehre pro Jahr 46 Kilo Schweinefleisch. Dafür erhalte der Landwirt derzeit etwa 75 Euro, und das ist sei eindeutig zu wenig. „Wer zum Fleischverzicht aufruft, gräbt den bäuerlichen Familienbetrieben das Wasser ab“, so der BBV-Funktionär abschließend.

Tierwohl wird berücksichtigt

Landwirtschaftsmeister Martin Bößenecker stellte seinen Hof kurz vor. Er bewirtschaftet in Oberschwaningen mit seiner Familie einen Betrieb mit 240 Zuchtsauen und 400 Mastschweinen. Auf 100 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche (LN) werden Gerste, Weizen, Raps und Erbsen angebaut. Die Freude am Beruf drohe verlorenzugehen, da der Berufsstand ständig diskriminiert werde, und zwar von Leuten, die ihre geregelte Freizeit hätten und landwirtschaftsfern sind. In diesem Zusammenhang wies er Vorwürfe zurück, Landwirte würden das Tierwohl missachten. Zur Preisgestaltung merkte Bößenecker an, dass er zurzeit 15 Euro pro Ferkel draufzahlt. Ebenso seien die Erlöse für Mastschweine von 1,65 auf 1,40 pro Kilogramm gefallen. Investitionen in die Betriebe blieben somit auf der Strecke.

Diese trüben wirtschaftlichen Aussichten hätten zur Folge, dass viele Berufskollegen Konsequenzen bereits gezogen haben beziehungsweise es noch tun werden. Beispielhaft zeichnete der junge Bauer die Entwicklung für seinen 150 Einwohner zählenden Heimatort auf. Von einst weit über 30 gebe es jetzt nur noch fünf und im Hauptort Unterschwaningen nur einen Vollerwerbsbetrieb.

Die steigenden Futtermittelpreise, der ständige Wechsel von Förderprogrammen, die Verschärfungen hinsichtlich des Arzneimittelgesetzes, der Düngeverordnung und der Gülle­lagerung mit einer stets umfangreicheren Aufzeichnungspflicht seien Hemmnisse für eine positive wirtschaftliche Entwicklung, hieß es bei dem Treffen. Bernhard Meyer vom Fachzentrum Schweinezucht und -haltung Ansbach zeigte die Situation der Schweinehalter auf. In Mittelfranken gibt es über 700 Sauenhalter, diese halten 18 Prozent der bayerischen Sauen, und elf Prozent der bayerischen Mastschweine werden in Mittelfranken gemästet. Betrachte man die letzten zehn Jahre, so müsse man feststellen, dass neben mehreren durchschnittlichen Jahren zwar ein gutes Jahr dabei war, aber es waren auch zwei total schlechte Jahre zu verzeichnen. Der weitere Strukturwandel in der Schweinehaltung ist vorprogrammiert, so Meyers Einschätzung.

Import nach Deutschland

Die Teilnehmer an der Aussprache und die Vertreter der Vermarktungsorganisationen beklagten, dass derzeit zehn Millionen Ferkel pro Jahr importiert werden, weil die Eigen­erzeugung in Deutschland nicht ausreicht, und forderten von der Politik die Einführung einer Risikoausgleichsrücklage. Auch dürfte der Einfluss des Lebensmitteleinzelhandels auf die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise zukünftig noch zunehmen.

Zur Problematik der Ausbringung von Düngemitteln und Gülle wurde angeführt, dass die landwirtschaftlichen Betriebe im Kreisverband Ansbach sehr umwelt- und gewässerschonend wirtschaften. Insgesamt stehen 377 000 Tiere – von den Milchkühen über Mastrinder und Zuchtsauen bis hin zu Mastschweinen – in den Ställen der Landwirte. Es werde eine Güllemenge produziert, die pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche nur 15 Kubikmetern entspreche. Die Nährstoffsalden der Betriebe sind ausgeglichen, denn 90 Prozent haben weniger als zwei Großvieheinheiten pro Hektar LN. 

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