Schon 90 Jahre alt

Selbst auf Mallorca erkannt: Marga Walk führt Wettelsheimer Keller seit 50 Jahren

4.9.2021, 07:50 Uhr
Allein ein Blick in den Biergarten und auf die umstehenden Bäume legt nahe, warum er auf Platz eins gelandet ist.

Allein ein Blick in den Biergarten und auf die umstehenden Bäume legt nahe, warum er auf Platz eins gelandet ist. © Jürgen Leykamm, NN

Der Biergarten wurde von den Nutzern unserer Internetplattform nordbayern.de aus 30 Vorschlägen zum beliebtesten in ganz Franken gewählt – mit fast 40 Prozent aller Stimmen!

Der gute Ruf dringt aber auch nach ganz Bayern und darüber hinaus, wie nun ein Besuch am Wochenende bewies. Auf Samstag und Sonntag verteilt sind es oft bis zu 100 verschiedene Kfz-Kennzeichen, die hier auf dem Parkplatz zu erblicken sind.

Und nicht nur mit dem Auto wird angereist: Vor kurzem erst seien Radler aus der Landeshauptstadt hier gewesen, erzählt Marga Walk im Gespräch mit unserer Zeitung. Den Tipp, es sich in der prämierten Biergartenidylle vor den Toren Treuchtlingens gut gehen zu lassen, "haben wir schon in München bekommen", zitiert die Pächterin die Radreisenden.

Manche Gäste kommen täglich

Zu den Stammgästen zählt auch die Auernheimerin Tina Müller mit ihrer Familie. "Früher waren wir jeden Tag da", so sagt sie. Seit zweieinhalb Jahren ist auch das damals geborene Töchterchen Leni immer mit dabei. Seither sieht man die Müllers immerhin noch zweimal pro Woche hier.

Wirt Helmut Walk, Mutter und Pächterin Marga Walk, Sonja (Ehefrau ihres Sohnes Wolfgang, ebenso Wirt) und Brauereujuniorchef Jochen Engelhardt (von links) freuen sich gemeinsam über da Abstimmungsergebnis.

Wirt Helmut Walk, Mutter und Pächterin Marga Walk, Sonja (Ehefrau ihres Sohnes Wolfgang, ebenso Wirt) und Brauereujuniorchef Jochen Engelhardt (von links) freuen sich gemeinsam über da Abstimmungsergebnis. © Jürgen Leykamm, NN

Diese enormen Frequenzen sind gar nicht einmal so selten, wie Marga Walk weiß. Auf vier bis sieben wöchentliche Besuche bringen es einige Gäste. Viele von ihnen halten dem Keller schon überdies seit Jahrzehnten die Treue.

Die Gründe für die hohe Beliebtheit sind verschieden, aber einige kristallisieren sich deutlich heraus. Zum Beispiel die von allen hochgelobte Bratwurst. Mit ihr glänzen zu können, will im Bratwurstland Franken schon etwas heißen! Ebenso lockt das gute Bier die Besucher immer wieder an.

"Das strömt bei uns aus echten Eichenholzfässern, die einmal im Jahr gepicht werden", erläutert Jochen Engelhardt, Braumeister und Juniorchef der Brauerei Strauß, Eigentümer des Kellers. Ein Verfahren, das sehr aufwendig ist und nur von sehr wenigen Brauereien gepflegt wird: "Der Bierliebhaber schmeckt den Unterschied!" Und nicht nur der, wie der große Andrang beweist.

"Hier treffen sich jung und alt, arm und reich"

Er erfolgt auch deswegen, weil sich auf den 1200 Plätzen auf drei Terrassen bestens Geselligkeit pflegen lässt. "An den Biertischgarnituren bleibt keiner lange allein", erklärt Engelhardt. "Hier treffen sich jung und alt, arm und reich", ergänzt Walk. So lernen sich die Gäste untereinander bei jedem Besuch immer besser kennen.

Kinder können sich darüber hinaus auf einem Spielplatz austoben. Die mächtigen Bäume, die hier auch bei Hitze für angenehme Temperaturen sorgen oder die prächtige Aussicht (unter anderem auf die in der Ferne vorbeifahrenden Züge), die sich hier genießen lässt, sind weitere Trümpfe des auf Platz eins gewählten Biergartens.

Er blieb sich zudem über die Jahrzehnte selbst immer treu: Traditionell an fünf Monaten im Jahr geöffnet (Mai bis September), bestimmt die Kontinuität das deftige, regionale und bewusst an Auswahl begrenzte Speisenangebot mit besagter Bratwurst, Schäuferle, Kesselfleisch und mehr.

Ein eingeschworenes Team

Auch mit baulichen Veränderungen hat man sich zurückgehalten. Marga Walk, die den Keller gemeinsam mit ihren Söhnen Helmut und Wolfgang führt, kann außerdem auf ein eingeschworenes Team zählen, in dem die meisten schon sehr lange mit dabei sind.

Bedient wird auf dem Keller von einem eingeschwornenen Team, das mit

Bedient wird auf dem Keller von einem eingeschwornenen Team, das mit "Lumi" sogar eine ausgewiesene Tablett-Akrobatin in seinen Reihen hat. © Jürgen Leykamm, NN

Ein Sonderlob der Chefin gibt es für "Lumi", die mit schlafwandlerischer Sicherheit etliche Tabletts oder Masskrüge auf einmal zu den Gästen bugsieren kann.

Erbaut wurde der Wettelsheimer Keller bereits im Jahre 1850. An ihren Einstand als Pächterin, den Marga Walk 1971 mit ihrem (vor 24 Jahren verstorbenen) Ehemann feierte, erinnert sie sich noch genau. Am Himmelfahrtstag schenkte man 30 Hektoliter Bier in Maßkrügen (damals die alleinige Einheit) aus – ein bis heute unerreichter Rekord.

Selbst schon auf Mallorca angesprochen worden

Die Krüge hieß es zugleich zwischendurch flott zu reinigen – damals war noch keine Spülmaschine installiert. In den jüngsten Lockdown-Zeiten wiederum avancierte der Keller noch häufiger als sonst zum Gastgeber von Junggesellenabschieden. Auch bei Hochzeiten kommt er zum Einsatz: dann gerne ganz ohne die sonst bei solchen Anlässen obligatorischen edlen, weißen Tischdecken.

"Wir wollen in der Original-Atmosphäre feiern", habe es ihr gegenüber einst ein junges Pärchen versichert, wie Marga Walk sich erinnert. Wenn sie selbst einmal Urlaub macht, kann es schon passieren, dass sie in weiter Ferne erkannt wird: "Selbst auf Mallorca bin ich schon auf den Wettelsheimer Keller angesprochen worden", erzählt Marga lachend. Jochen Engelhardt geht es da nicht anders.

Egal übrigens, was und wie dort gefeiert wird: In all den fünf Jahrzehnten "musste niemals die Polizei gerufen werden", so die Pächterin. Und das soll natürlich so bleiben.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, der hat noch einen Monat Zeit, sich einen Ausflug an den Wettelsheimer Keller zu gönnen – hin zum beliebtesten Biergarten Frankens.

Keine Kommentare