Zwischen Impfen, Testen und Schwitzen

So geht es Treuchtlingens Fitnessstudios

14.9.2021, 05:50 Uhr
Plexiglasscheiben zwischen den Geräten, ein Mund-Nasen-Schutz, während man sich durch den Raum bewegt: Unter diesen Regeln findet derzeit das Training in den Studios statt – hier etwa im Gesundheitsstudio von Altmühlvital.

Plexiglasscheiben zwischen den Geräten, ein Mund-Nasen-Schutz, während man sich durch den Raum bewegt: Unter diesen Regeln findet derzeit das Training in den Studios statt – hier etwa im Gesundheitsstudio von Altmühlvital. © Foto: Lidia Piechulek

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte das Fitnessstudio "Get Fit" mit Filialen in Treuchtlingen und in Monheim vor kurzem eine wichtige Botschaft: "Wir haben vollstes Verständnis für euren Missmut gegenüber den neuen Regelungen, Dennoch sind weder wir dafür verantwortlich, noch heißen wir alles gut." Es folgte der Appell: "Bitte lasst euren Groll nicht an uns aus."

Eben das ist nämlich geschehen, seitdem am 28. August die 3G-Regel in dem Fitnessstudio eingeführt worden ist. Seine Mitarbeiter seien zur Zielscheibe geworden für anstößige Äußerungen.

"Zum Impfen verleitet"

Es gab außerdem wütende Kündigungen – sowie "ein ungefragt aufgehängtes Plakat an unserer Eingangstür mit dem Inhalt, dass wir Leute zum Impfen verleiten würden", erzählt der Leiter von Get Fit, Kevin Ruppert. Es handle sich dabei um einen sehr kleinen Anteil aller Mitglieder, versichert er. Nun bleibe abzuwarten, welche Reaktionen kommen werden, wenn ab dem 11. Oktober Schnelltests nur noch kostenpflichtig möglich sind.

Derzeit gibt es im Get Fit noch die Möglichkeit, für einen Euro einen Schnelltest vor Ort, direkt vor dem Training, durchzuführen. Das sei zwar etwas umständlich, habe sich aber bereits gelohnt, weiß Ruppert zu berichten: Allein in der ersten Woche wurden "tatsächlich zwei positive Testergebnisse angezeigt".

Weniger Mehraufwand und keinerlei negative Reaktionen erlebte indessen nach eigenen Angaben das Gesundheitsstudio von Altmühlvital. Dies liegt wahrscheinlich auch an einem insgesamt älteren Klientel und einer entsprechend hohen Impfquote, berichtet Leiter Jochen Mosser. "97 Prozent unserer Mitglieder tangiert die 3G-Regel nicht, weil sie geimpft sind", erklärt er – die restlichen drei Prozent hätten Verständnis für die neue Maßnahme gezeigt, berichtet er.

Erst im Sommer 2019 nahm das Gesundheitsstudio in der Altmühltherme seinen Betrieb auf. Nach nur einem Dreivierteljahr im Betrieb, "also mitten in der Anfangsvermarktung", habe man dann aufgrund des Lockdowns schließen müssen.

Mitgliederschwund, fehlende Einnahmen durch die Pausierung von Mitgliedsbeiträgen in Zeiten der Schließung, und der Mehraufwand für den Betrieb, der für die Umsetzung der Corona-Regeln nötig geworden ist, verursachten hiernach noch mehr Kosten. Nun habe man wieder das Niveau "vor Corona" erreicht und betreue rund 370 Mitglieder.

Wintermonate sind wichtig

Sowohl im Get Fit als auch im Gesundheitsstudio des Altmühlvital entschloss man sich zu Zeiten der Lockdowns, keine Mitgliedsbeiträge abzubuchen (im Falle des Get Fit erst im zweiten Lockdown).

So konnte man erfolgreich eine Welle von Kündigungen abfedern, ganz ausgeblieben sind diese allerdings nicht. Einige Mitglieder zahlten sogar freiwillig weiter und unterstützten so ihre Studios. Nun hoffe man auf eine gute Mitgliederentwicklung und permanenten Betrieb in den Studios im Herbst und Winter.

Man freut sich über jeden, der kommt

Dies sind zum einen die stärksten Monate der Fitnessstudios: Denn dann kommen auch die Outdoor-Sportler und Menschen, die sich klassischerweise mit guten Vorsätzen zum neuen Jahr, also im Januar, anmelden, als neue Mitglieder hinzu. Diese können das Get Fit und das Gesundheitsstudio von Altmühlvital auch gut gebrauchen: In insgesamt elf Monaten aus zwei Betriebsjahren, in denen aufgrund von Lockdowns kein Betrieb möglich gewesen ist, haben nämlich einige ihre Verträge auslaufen lassen und sind keine Mitglieder mehr.

Normalerweise gleichen die Einrichtungen diesen natürlichen Mitgliederschwund, der auch "Drop out" genannt wird, durch den Abschluss von neuen Verträgen aus. Dies war verständlicherweise kaum möglich, als die Einrichtungen geschlossen waren. Umso mehr freue man sich nun "natürlich über jeden, der kommt", erklärt Kevin Ruppert.

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