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So läuft der Wechselunterricht in Berolzheim und Dittenheim

Seit anderthalb Woche dürfen Grund- und Abschlussschüler wieder in die Schule - 28.02.2021 07:32 Uhr

„Die Lehrerin kann halt doch besser erklären als die Mama“, sagte eine Schülerin der 4 b. Rund zwei Monate ist her, dass die Kinder zuletzt in der Schule waren.

26.02.2021 © Foto: Isabel-Marie Köppel


Anderthalb Meter entsprechen wohl zwei Kinderschritten. Genau so viel Abstand wird in der Pause gewahrt. Brav stehen die Jungen und Mädchen in einer Reihe und warten, bis die andere Klasse den Pausenhof der Dittenheimer Grundschule geräumt hat. Denn aufgrund der Corona-Pandemie dürfen die unterschiedlichen Klassen und Gruppen keinen Kontakt miteinander haben.

Seit Montag erlaubt die Regierung den Grundschülern und Abschlussklassen wieder, die Schule zu besuchen. Wer den erforderlichen Abstand nicht wahren kann, muss die Klassen teilen und Wechselunterricht organisieren. So geschieht das auch in der Grund- und Mittelschule Markt Berolzheim-Dittenheim. 229 Schülerinnen und Schüler besuchen die Einrichtung, 97 davon die Mittel-, die übrigen 132 die Grundschule. Das Besondere ist, dass die neun Jahrgangsstufen auf drei Gebäude und Orte aufgeteilt sind. Die Klassen 1 und 2 befinden sich in Meinheim, die 3. und 4. Klasse in Dittenheim und der Rest in Markt Berolzheim.

"Das ist einerseits schön, weil alles klein und überschaubar bleibt – andererseits ist es Pandemie-bedingt aufwendig", erklärt der Rektor Eberhard Mathes. Denn drei Häuser erfordern drei Hygienekonzepte. "Auch die Absprache mit den Kollegen ist schwieriger", schaltet sich Stefan Wachter ein, der die 3a leitet.


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Rund 25 Lehrkräfte inklusive Verwaltung und Pfarrer müssen in den Hygieneplänen berücksichtigt werden. Hinzu kommen die Putzkräfte und Busaufsichten, zählt Mathes auf. "Mit der Kita, die unsere Schulkindbetreuung macht, mussten wir uns auch abstimmen", erinnert Wachter. Die hatte zunächst ein anderes Konzept. "Jetzt klappt es ganz gut. Anfangs denkt man nicht an alles", spricht der Rektor aus Erfahrung.

Pragmatische Lösungen

"So müssen wir viele pragmatische Lösungen finden, und das Beste aus der Situation machen. Jedem wird viel abverlangt und man muss große Flexibilität aufbringen. Man darf nicht davon ausgehen, dass ein Tag wie der nächste ist", sagt der Grundschullehrer. Rektor Mathes nickt zustimmend und erzählt von seiner Morgenroutine, die darin besteht, erst mal den PC hochzufahren, um die Corona-Zahlen auf der Seite des Robert Koch-Institus zu überprüfen: "So kann ich abschätzen, was auf mich zukommt."


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Richtig "Bammel" hätten er und das Kollegium vergangene Woche gehabt, als die Zahlen im Landkreis plötzlich wieder anstiegen. Wäre der Inzidenzwert am Montag bei 100 gelegen, hätten sie all ihre Planungen verwerfen und die Schüler weiterhin aus der Ferne unterrichten müssen – so geschehen in Nürnberg. Lediglich einen Tag Präsenzunterricht konnten die Schulen dort abhalten. Die Gefahr eines sprunghaften Anstiegs besteht immer, wie die Vergangenheit im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bereits bewies.

Nun sind in Dittenheim, Meinheim und Markt Berolzheim aber alle froh, dass zumindest "die Kleinen" wieder da sind. Schließlich haben sie ihre Freunde vermisst. Die Erstklässler hätten sogar gejubelt, so sehr haben sie sich gefreut. "Die Kinder der 3. und 4. Klassen haben sich ebenfalls gefreut. Sie sind bereit, alle Regeln einzuhalten", sagt Stefan Wachter.

Gleichzeitig handeln Kinder aber auch spontan. Dann müssten die Lehrkräfte dafür sorgen, dass sie wieder auseinander gehen: "Trotzdem soll alles locker und fröhlich sein." Mit Abstand – versteht sich.

Während die 9. Klasse als einzige der Mittelschule bereits Vollgas geben darf und muss, da der Quali im Juni ansteht, fährt Mathes den Betrieb in der Grundschule langsam hoch. In dieser Woche hatten die Kinder nur vier Stunden Unterricht ausschließlich mit den Klassenleitern. Ab kommender Woche sollen Werken und Gestalten sowie Religion dazukommen, um den Kindern mehr Abwechslung zu bieten, erklärt der 53-Jährige. So will er bis Ostern alles wieder hochfahren.


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Bedauernswert findet der Rektor, dass es vom Kultusministerium keinerlei Empfehlungen zu Fächern wie Sport oder Kunst gebe, das sei nach dem ersten Lockdown anders gewesen. Ansonsten laufe und lief jedoch vieles besser als im Frühjahr. Schon allein, weil jeder Lehrer mittlerweile einen Laptop hat. Selbst die Dokumentenkameras durften die Lehrkräfte mitnehmen, sodass sie "top ausgestattet" ins Homeschooling gingen. Für die Schüler konnte Mathes 36 Tablets und 15 Notebooks mithilfe der Förderprogramme kaufen.

Weiterhin Notbetreuung

Nach wie vor wird auch eine Notbetreuung angeboten, die derzeit elf Kinder in Anspruch nehmen. Um diese zu stemmen, habe Mathes Assistenten eingestellt, er springe ein und aus der Förderschule kam auch schon Unterstützung.

Den Wechselunterricht gestalten sie nun tageweise. Das heißt, am Montag kam die erste Hälfte der jeweiligen Klassen in die Schule und erhielt Aufgaben für zuhause, die sie tags darauf erledigen soll. Am Dienstag behandelt die Lehrkraft denselben Stoff nochmals mit der zweiten Hälfte und gibt dieselbe Hausaufgabe auf. Während der gesamten Schulzeit müssen die Kinder Masken tragen. Lediglich in der Pause, wenn sie essen, dürfen sie sie abnehmen. CO2-Ampeln in den Zimmern zeigen an, wann gelüftet werden muss, währenddessen dürfen die Masken ebenfalls kurz ab, und eine Trinkpause wird eingelegt.

Hannah aus der 4 b hat eine Frage zum Gemeinderat. Normalerweise würde die Klasse passend zum Thema den Bürgermeister besuchen. „Die Kinder müssen auf viel Schönes verzichten, was die Grundschule ausmacht“, bedauert die Lehrerin Maria Wachter.

26.02.2021 © Foto: Isabel-Marie Köppel


Unterm Strich gehe durch die Doppelstruktur zwar Zeit verloren, doch der Unterricht sei effektiver, sagt Wachter. Weil weniger Kinder da sind und diese allein sitzen, gebe es seltener Störungen und Konfliktsituationen, sind sich die beiden Lehrer einig. Eberhard Mathes berichtet zudem, dass er im vergangenen Jahr weniger Verweise an der Mittelschule ausstellen musste, alles sei entspannter. Das sei ein positiver Effekt der Corona-Krise. Für die Jugendlichen würden nun sogar dauerhaft Einzelplätze angeschafft als Erkenntnis aus der Pandemie.

Laut Wachter hätten einige schwächere Kinder sogar vom Homeschooling profitiert, da sie mehr Ruhe und Zeit für die Aufgaben hatten sowie die Eltern an der Seite. Zudem ist "der soziale Vergleich weggefallen. Man hat gemerkt, dass diese Kinder entspannter und fröhlicher waren". Nun sehe er ab und an wieder traurige Gesichter, weil sie in der vorgegeben Zeit nicht fertig wurden oder die Letzten waren.


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Gleichzeitig solle im Distanzunterricht aber niemand permanent neben den Kindern sitzen. Das ist sogar vorgeschrieben, klärt Rektor Mathes auf. Der Unterricht gelte aus geschützter Raum. In der Schule dürfe schließlich auch niemand Fremdes ohne Erlaubnis die Klassenräume betreten. Verfolge nun jemand die Videoschalte der Klasse, sei das datenschutzrechtlich sehr bedenklich, weil Interna nach außen treten. So könnte etwa der Vater mitbekommen, "Mensch, der Nachbarsjunge kann ja nicht richtig lesen", veranschaulichen es die beiden Lehrer. Dass das Fernbleiben der Eltern in der Praxis nicht immer praktikabel sei, wüssten sie. Denn die Mädchen und Jungen richten Fragen an ihre Eltern.

Jetzt können die Lehrkräfte jedoch selbst wieder direkt auf Fragen und Hefteinträge reagieren, worüber Stefan Wachter dankbar ist. "Manchen Kindern sieht man ja sogar an, wenn sie etwas nicht verstanden haben", sagt er.

Die Betreuung vor Ort sei einfach individueller. Schon allein weil im Homeschooling nicht jeder eine stabile Internetverbindung habe. Schalte eine Kind – ob nun absichtlich oder aus Versehen – das Bild bei der Videokonferenz aus, verschwinde es aus seiner Gesamtansicht. Dann vergisst er es auch mal, und im Nachhinein berichten Eltern von ihrer traurigen Tochter oder dem Sohn, der nicht aufgerufen wurde, bedauert Wachter.

Keine Perspektive für ältere Schüler

Als Lehrkraft ist man derzeit mit vielen Problemen konfrontiert. Prüfungen müssen fair organisiert werden, da die Übertrittszeugnisse im Mai anstehen, wer wiederholen sollte, ist kaum einzuschätzen aufgrund fehlender Nachweise und auch die Berufsorientierung für die älteren Schüler kann kaum stattfinden – ebenso wie die Vorschule, führt Eberhard Mathes als Beispiele auf. "Nächstes Jahr müssen wir mit der ersten Klasse anders starten", ist ihm klar. Aktuell fruste es ihn auch, dass 75 Kinder und Jugendliche der Jahrgangsstufen 5 bis 8 noch komplett im Distanzunterricht seien. Das Kultusministerium gebe den Schülern bisher nicht mal eine Perspektive.

Dennoch ist der Rektor glücklich, dass immerhin der Wechselunterricht für die Grundschüler und die Abschlussklasse "wirklich gut läuft. Die Kinder sind glücklich, wir sind glücklich." So hofft er, dass der Unterricht zumindest in dieser Form so lange wie möglich stattfinden kann. Pünktlich zu seinen Abschlussworten gehen die Türen auf.

Für die Kinder ist der heutige Schultag geschafft. Wie selbstverständlich stellen sie ihre Büchertaschen mit Abstand im Flur auf, bevor sie in ihre Jacken schlüpfen.

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