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Sommer-Serie IV: Auf Gartenschau in Wassertrüdingen

"Fetteste Blumenbeet von Welt!": unterwegs mit Testkind Lara und Oma Weghorn - 13.08.2019 11:28 Uhr

Mit Lara macht die Gartenschau doppelt Spaß: Schnuppern an fett blühenden Beeten gehört zum Pflichtprogramm. © Foto: Babett Guthmann


Es soll tatsächlich Familien geben, die die Gartenschau in Wassertrüdingen noch nicht besucht haben. Vielleicht würden sich die Kinder langweilen? Wird es der Oma nicht zu viel? Ein kleiner Praxistest bei Bruthitze und anschließendem Gewitterregen hat gezeigt: Alles nur Ausreden! Unser Testkind Lara aus Wassertrüdingen kannte die besten Spiel- und Wasserplätze, und Oma Weghorn hat den Hitzetest trotz ihrer 83 Jahre bestens bestanden: "Was heißt da Hitze", winkte sie ab und fügte hinzu: "Ich brauche ja hier nicht zu arbeiten!"

Lara wohnt in Wassertrüdingen, und dort ist die "Gartenschau der Heimatschätze" ein derartiger Hit, dass die Familie Simmet sich eine Dauerkarte gekauft hat. Das heißt: Lara ist schon sämtliche Wege abgelaufen und weiß, wo man die anderen Dauerkartenkinder beim Spielen trifft, nämlich besonders oft bei den Fischtreppen am umgeleiteten Wörnitz-Arm und dem zugehörigen Spielplatz. Hier kommt man dem – zugegeben ziemlich trüb-braunen – Fischparadies sehr nahe, kann sich auf den flachen Steinen niederlassen, die Füße in der Strömung baumeln lassen oder den Fluss von Stein zu Stein hüpfend überqueren.

Alles soll so bleiben

Aus der Sicht von Laras Mama Claudia Simmet ist die Gestaltung in diesem Teil des Wörnitzparks ein Riesengewinn für Wassertrüdingen, denn hier soll alles auch nach der Gartenschau so bleiben. Die Erwachsenen haben hier schon den Picknickplatz in Ruhe getestet, während die Kinder nicht vom Wasser wegzubringen waren.

Aussichtsplatz auf dem „Fisch“: Bürgermeister Stefan Ultsch und Gartenschau-Testkind Lara. © Foto: Babett Guthmann


In der Nähe treffen wir auf einige erschöpfte Männer in viel zu warmen Anzughosen. Sie haben eine Führung mit Bürgermeister Stefan Ultsch hinter sich und sehnen sich nach Büroschatten. Wassertrüdingens Stadtoberhaupt sticht aus der Gruppe heraus, strahlt Energie aus ohne Ende – und hüpft fürs Fotoshooting mit Lara auf ein Spielgerät, von dem er eisern behauptet, es sei ein Fisch.

Nach einem Zwischenstopp beim drehbaren Liegestuhl für drei Personen kommen wir zu Laras nächstem Lieblingsplatz, dem "Ohm-Garten", wie sie den liebevoll angelegten Schatzgarten der Landschaftsgärtnerei Lorenz Lechner aus Megesheim bei Oettingen nennt.

Oase der Ruhe

Hier wird der Abschied von Chemie und Unkrautvlies propagiert und gefordert: lasst wachsen, keine Angst vor der Natur! Muss man gesehen haben, diese Oase der Ruhe, von der man nicht glauben kann, dass die Anpflanzung ganz neu ist.

Lara gefällt aber auch der perfekt möblierte Grillgarten mit Wasserbecken gegenüber. Albert Grygar stellt hier ein Konzept für das "Wohnzimmer im Grünen" vor. Und Lara? Die probiert gleich das kühle Becken aus, das man im eigenen Garten auch als Schwimmteich haben kann. Nach der Erfrischung balanciert die Elfjährige auf der Slackline, während Mama und Tante die Schubkarrengärten bewundern, insbesondere eine Art japanische Gartenpuppenstube namens "Lotos-Garten".

Zum Klingenweiherpark

Vorbei geht es an prächtigen Staudenbeeten und einem Regionalstand, wo an diesem Tag Apfelsaft-Slush-Eis ausgeteilt wird. Wir nehmen Abschied von Stadtmühle und alter Säge samt blühendem Band und machen uns auf durch die Stadt zum zweiten Teil der Gartenschau, dem Klingenweiherpark.

Lara schnuppert kurz mal an dem "fettesten Blumenbeet von Welt" und lotst uns zielstrebig zum Goldenen Steg am Seerosenteich. Obwohl es schon tröpfelt, rennen wir dann noch zu einer Hängematte mit Relaxmusik und dürfen auf keinen Fall länger das Kunstobjekt anschauen, das den klangvollen Namen "K12" trägt – Lara hat die armlose Skulptur "Affenkopf" getauft, sorry. Vor dem Platzregen fliehen wir am goldenen Steg entlang zum Pavillon "Ackerschätze".

"Wo gibt es hier Gemüse?"

Das Infoareal wird abwechselnd von Landwirten, dem Bauernverband und anderen Institutionen betreut. Wir genießen die Gastfreundschaft des Amts für ländliche Entwicklung und lernen, während es richtig schüttet, endlich die Großeltern-Generation kennen.

Elisabeth Weghorn kennt sich aus mit Strohballen-Beeten und will das gesamte 13 Hektar große Areal besichtigen. © Foto: Babett Guthmann


Oma Elisabeth Weghorn kommt aus Puschendorf bei Fürth und trotz ihrer 83 Jahre will sie – sobald der Regen aufhört – das gesamte 13 Hektar große Areal ablaufen. Sie ist in der Landwirtschaft groß geworden und wohnt jetzt bei ihrem Sohn auf dem Aussiedlerhof mit Ammenkuhhaltung. Sie kennt sich aus mit der Thematik Pflanzen, wachsen lassen und ernten und hat einige Verbesserungsvorschläge parat: "Mehr Bauerngärten", fordert sie temperamentvoll und fragt: "Wo gibt es hier Gemüse?"

Ihre beiden Töchter protestieren, sie habe ja grad mal einen Bruchteil gesehen, aber Oma Weghorn kommt jetzt so richtig in Fahrt: Sie zeigt auf das niedliche, in einem Strohballen angelegte Beet und meint: "So was hatte ich auch schon mal, aber richtig groß und nicht mit Blumen, sondern mit Tomaten und Zucchini!"

Ein Bett im Kornfeld

Wir finden es toll, dass die alte Dame so viel Temperament hat, trauen ihr zu, zumindest den schönen goldenen Steg bis zum Gipfel am Ex-Müllberg noch zu schaffen und dabei allerhand lebenskluge Kommentare zu den vielen Stationen vom Blühpark für Bienen bis zu den Forstinformationen abzugeben.

Diesen Gartenschau-Ort findet Lara Spitze: Das „Bett im Kornfeld“ regte die Elfjährige prompt dazu an, ihre Begleiter den Erfolgsschlager mitsingen zu lassen. © Foto: Babett Guthmann


Lara steht der Sinn nun nach einem "Bett im Kornfeld" und sie kennt tatsächlich den ollen Schlager, also müssen Mama und Tante mitsingen. Fürs Foto-Shooting gibt es hier eine Super-Plattform. Auf dem Rückweg entdeckt Lara noch eine rätselhafte Informationstafel über "Akkupunkturpunkte" in der Natur – Orte, wo man Energie tanken kann. Ja, solche Orte haben wir – dank Lara – auf der Gartenschau entdeckt!

Deshalb der Gartenschau-Tipp für den August: Unbedingt hinfahren – oder nochmal hinfahren und ein Kind mitnehmen. Da schaut alles wieder ganz anders aus!

Die Landesgartenschau in Wassertrüdingen hat noch bis 8. September täglich von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet; Tickets gibt’s von 9 bis 17 Uhr. 

BABETT GUTHMANN

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